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EbM 2008: Evidenzbasierte Primärversorgung und Pflege
9. Jahrestagung Deutsches Netzwerk Evidenzbasierte Medizin und
Kongress der Deutschen Gesellschaft für Pflegewissenschaft

Deutsches Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e. V.
Deutsche Gesellschaft für Pflegewissenschaft

22.02. - 23.02.2008 in Witten

Polypharmazie bei Patienten über 65 Jahren: Prävalenzschätzung potentiell risikoreicher Arzneistoffkombinationen

Meeting Abstract

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Evidenzbasierte Primärversorgung und Pflege. 9. Jahrestagung Deutsches Netzwerk Evidenzbasierte Medizin und Kongress der Deutschen Gesellschaft für Pflegewissenschaft. Witten, 22.-23.02.2008. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2008. Doc08ebmP13

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/ebm2008/08ebm44.shtml

Veröffentlicht: 12. Februar 2008

© 2008 Hansen et al.
Dieser Artikel ist ein Open Access-Artikel und steht unter den Creative Commons Lizenzbedingungen (http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/deed.de). Er darf vervielf&aauml;ltigt, verbreitet und &oauml;ffentlich zug&aauml;nglich gemacht werden, vorausgesetzt dass Autor und Quelle genannt werden.


Gliederung

Text

Hintergrund

Die Risiken der Polypharmazie insbesondere bei Patienten, die älter als 65 Jahre alt sind, rückten in den letzten Jahren in den Mittelpunkt des pharmako- epidemiologischen Forschungsinteresses. International ist hierzu ein Expertenstandard – „Beers List“ – erarbeitet worden.

Anhand von Abrechnungsdaten einer Brandenburger Apotheke gegenüber der Gesetzlichen Krankenversicherung soll die Prävalenz potentiell risikoreicher Arzneistoffkombinationen untersucht werden.

Methoden

Es wurden die Daten vom III.Quartal 2007 von 1427 Personen analysiert, die vor dem 31.06.1942 geboren worden sind. Nicht untersucht wurden Verordnungen auf Privatrezepten sowie Präparate der Selbstmedikation. Das durchschnittliche Alter betrug 75,3 (±7,1) Jahre; 61% der Stichprobe waren weibliche und 39% männliche Patienten.

Ergebnisse

1.
Insgesamt erhielten 29,8% der Patienten 5 oder mehr verschiedene Arzneistoffe (AS) zur systemischen Anwendung verordnet, 4,2% der Patienten erhielten 9 oder mehr verschiedene AS.
2.
Bei insgesamt 62 Patienten mit 10 oder mehr verschiedenen Arzneistoffen zeigten sich 2 schwere und 136 mittelschwere Wechselwirkungen (WW) (ABDA-Datenbank); das sind durchschnittlich 2,2 WW pro Patient. Die schweren WW betrafen die Kombinationen: ß-Sympathomimetika bzw. Theophyllin + nicht-kardioselektive ß-Blocker. Die häufigsten mittelschweren WW betrafen die Kombinationen: ß-Blocker + Insulin (29x), ACE-Hemmer + NSAP (14x), ß-Blocker + NSAP (13x), ACE-Hemmer + Allopurinol (11x).
3.
Die Verordnungen wurden von durchschnittlich 1,83 Ärzten ausgestellt. Unterschiede in verschiedenen Altersschichten der Patienten traten nicht auf.
4.
Folgende, von der „Beers List“ als potentiell risikoreich eingestufte Präparate, wurden abgerechnet: Indometacin für 21, Oxybutynin für 8, Amitriptylin für 13, Doxepin für 4, Diazepam (nur GKV) für 13, Promethazin für 1, Ticlopidin für 4, Fluoxetin für 1, Amiodaron für 2, Nifedipin (kurzwirksam) für 3 Personen.

Schlussfolgerung/Implikation

Die Daten zeigen, dass potentiell risikoreiche Arzneistoffkombinationen ein Problem in der Versorgung darstellen. Es scheint notwendig die Kriterien der “Beers List “ in einen deutschen Expertenstandard weiter zu entwickeln. Zu fordern wäre eine verstärkte Fortbildung von Ärzten, professionell Pflegenden und Apothekern sowie eine Vertiefung ihrer Zusammenarbeit.


Literatur

1.
Fick DM, Cooper JW, Wade WE, Waller JL, Maclean JR, Beers MH. Updating the Beers criteria for potentially inappropriate medication use in older adults: results of a US consensus panel of experts. Arch Intern Med. 2003;163(22):2716-24.