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EbM 2008: Evidenzbasierte Primärversorgung und Pflege
9. Jahrestagung Deutsches Netzwerk Evidenzbasierte Medizin und
Kongress der Deutschen Gesellschaft für Pflegewissenschaft

Deutsches Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e. V.
Deutsche Gesellschaft für Pflegewissenschaft

22.02. - 23.02.2008 in Witten

Evidenzbasierte Leitlinienentwicklung – Verfahrensweise und Ergebnisse der S3- bzw. Nationalen VersorgungsLeitlinie Depression

Meeting Abstract

Evidenzbasierte Primärversorgung und Pflege. 9. Jahrestagung Deutsches Netzwerk Evidenzbasierte Medizin und Kongress der Deutschen Gesellschaft für Pflegewissenschaft. Witten, 22.-23.02.2008. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2008. Doc08ebmV72

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/ebm2008/08ebm25.shtml

Veröffentlicht: 12. Februar 2008

© 2008 Härter et al.
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Gliederung

Text

Hintergrund

Depressive Störungen zählen mit einer Lebenszeitprävalenz von 16-20%, einer hohen Rezidiv- und Chronifizierungsneigung sowie einer hohen Beeinträchtigung der Lebensqualität zu den epidemiologisch und gesundheitspolitisch relevantesten Erkrankungen. Zugleich stehen eine Reihe wirksamer Therapieverfahren (z.B. Pharmakotherapie, Psychotherapie) zur Verfügung. Evidenzbasierte Behandlungsleitlinien geben Praktikern Hilfestellungen bei der Indikationsstellung und prognostischen Beurteilung einer Therapiemethode.

Methoden

2005-Anfang 2008 koordinierte die DGPPN, gemeinsam mit der AWMF und dem ÄZQ, die Erstellung einer S3- und einer Nationalen VersorgungsLeitlinie zur Diagnostik und Therapie der unipolaren depressiven Störung. Hierzu wurden evidenzbasierte internationale und nationale Leitlinien über Synopsen zusammengeführt. Die zentrale Quellleitlinie stellt die Guideline des National Institute for Clinical Excellence (NICE) dar. Im Vortrag wird die Methodik der Leitlinienerstellung anhand konkreter Beispiele dargestellt. Leitend sind hierbei die Kreuzvalidierung der Empfehlungen durch andere Leitlinien und durch aktuelle systematische Übersichtsarbeiten/Metaanalysen sowie die Konsentierung der Empfehlungen durch Experten aus 31 Berufsgesellschaften und Fachgesellschaften.

Ergebnisse

Die Methode ist eine effektive Möglichkeit, um durch Adaptation bestehender evidenzbasierter Leitlinien Behandlungsempfehlungen für das eigene Land zu formulieren. Es zeigte sich aber, dass viele Fragen mit vorliegenden Leitlinien nicht zu beantworten und ausführlichere Literaturanalysen notwendig sind. V.a. spezifische Versorgungssystemrelevante Aspekte erfordern einen umfassenden Adaptationsprozess. Zugleich muss eine Versorgungsleitlinie aber auch berücksichtigen, welche Therapieverfahren in einem Versorgungssystem verfügbar und inwieweit spezifische Verfahren verbreitet sind. Die gemeinsame Entwicklung der S3- und der NVL-Leitlinie erbrachte einen deutlichen Mehrwert.

Schlussfolgerung/Implikation

Eine transnationale Übertragung von Empfehlungen sowie deren strikte Evidenzbasierung sind aber nicht ohne weiteres möglich. Unterschiedliche Grade der Evidenzbasierung einzelner diagnostische und therapeutischer Verfahren und Versorgungssystemspezifische Faktoren erschweren die Konsentierung. Ob die Entwicklung eines gemeinsamen Produkts aus S3 und NVL die Nutzung der Leitlinie verbessert muss noch evaluiert werden.


Literatur

1.
Härter M, Klesse C, Bermejo I, Lelgemann M, Weinbrenner S, Ollenschläger G, Kopp I, Berger M. Entwicklung der S3- und Nationalen VersorgungsLeitlinie Depression. Bundesgesundheitsbl-Gesundheitsforsch-Gesundheitsschutz. (in press).