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EbM 2008: Evidenzbasierte Primärversorgung und Pflege
9. Jahrestagung Deutsches Netzwerk Evidenzbasierte Medizin und
Kongress der Deutschen Gesellschaft für Pflegewissenschaft

Deutsches Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e. V.
Deutsche Gesellschaft für Pflegewissenschaft

22.02. - 23.02.2008 in Witten

Anwendung eines Modells für Evidence-Based Public Health auf die Einführung der Impfung gegen humane Papillomaviren. Evidenz im Kontext von Werten, Ressourcen und Interessen

Meeting Abstract

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  • corresponding author Ansgar Gerhardus - AG Epidemiologie & International Public Health, Universität Bielefeld, Bielefeld, Deutschland
  • author Juergen Breckenkamp - AG Epidemiologie & International Public Health, Universität Bielefeld, Bielefeld, Deutschland
  • author Oliver Razum - AG Epidemiologie & International Public Health, Universität Bielefeld, Bielefeld, Deutschland

Evidenzbasierte Primärversorgung und Pflege. 9. Jahrestagung Deutsches Netzwerk Evidenzbasierte Medizin und Kongress der Deutschen Gesellschaft für Pflegewissenschaft. Witten, 22.-23.02.2008. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2008. Doc08ebmV31

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/ebm2008/08ebm08.shtml

Veröffentlicht: 12. Februar 2008

© 2008 Gerhardus et al.
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Gliederung

Text

Hintergrund

Prävention und Gesundheitsförderung auf Bevölkerungsebene sind wichtige Felder von Public Health. Genau wie individualmedizinische Interventionen sollen Public-Health-Maßnahmen evidenzbasiert sein, d.h. auf der Basis des besten verfügbaren Wissens erfolgen. Im Vergleich zu EBM haben bei EBPH-Entscheidungen nicht-medizinische Kriterien, z.B. ethische, soziokulturelle oder organisatorische Fragen, eine größere Bedeutung. Auch der Bevölkerungsbezug der Maßnahmen erfordert eine Anpassung und Erweiterung der Methodik. Ein kohärentes Modell für Evidence-Based Public Health (EBPH) steht bisher noch aus.

Methoden

Ausgehend vom Konzept der Evidence-Based Medicine (EBM) wurde ein handlungsorientiertes Modell von EBPH entwickelt, das die Rolle von wissenschaftsbasierten Informationen, Werten, Ressourcen und Interessen integriert und die besonderen Bedingungen von Public Health berücksichtigt. Die Anwendbarkeit des Modells wurde am Beispiel der Einführung der Impfung gegen humane Papillomaviren (HPV) getestet.

Ergebnisse

Bedarf an Evidenz im Kontext der HPV-Impfung besteht u.a. hinsichtlich Art, Umfang und Dauer des Impfschutzes. Ein weiteres Beispiel sind Modellierungen über die möglichen Effekte einer sinkenden Teilnahmerate an Krebsfrüherkennungsmaßnahmen. Die Frage ob auch Jungen geimpft werden sollen, berührt dagegen gesellschaftliche Wertvorstellungen. Begrenzte Ressourcen erfordern Analysen der Kosten-Effektivität und der Auswirkungen auf die verfügbaren Budgets. (Finanzielle) Interessen begleiten alle Prozessschritte, von der Fragestellung über die Evidenzerstellung bis zur Entscheidungsfindung.

Schlussfolgerung/Implikation

Die Anwendung auf das Fallbeispiel der Einführung der HPV-Impfung in Deutschland zeigt, dass das Modell geeignet ist, auch komplexe Evidenz- und Entscheidungsprozesse zu strukturieren. Neben der Evidenz, wird auch die Rolle von Werten, Ressourcen und Interessen explizit gemacht.