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EbM in Qualitätsmanagement und operativer Medizin
8. Jahrestagung des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierte Medizin e. V.

Deutsches Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e. V.

22.03. - 24.03.2007 in Berlin

Evaluation eines Schulungsprogramms als Entscheidungshilfe zur Schubtherapie der Multiplen Sklerose (MS)

Meeting Abstract

  • corresponding author presenting/speaker Sascha Köpke - Fachwissenschaft Gesundheit, MIN-Fakultät, Universität Hamburg, Hamburg, Deutschland
  • author Jürgen Kasper - Fachwissenschaft Gesundheit, MIN-Fakultät, Universität Hamburg, Hamburg, Deutschland
  • author Ingrid Mühlhauser - Fachwissenschaft Gesundheit, MIN-Fakultät, Universität Hamburg, Hamburg, Deutschland
  • author Christoph Heesen - Neurologische Klinik, Universitätsklinikum Eppendorf, Universität Hamburg, Hamburg, Deutschland

EbM in Qualitätsmanagement und operativer Medizin. 8. Jahrestagung des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierte Medizin e. V.. Berlin, 22.-24.03.2007. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2007. Doc07ebm083

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/ebm2007/07ebm083.shtml

Veröffentlicht: 15. März 2007

© 2007 Köpke et al.
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Gliederung

Text

Hintergrund

Der Verlauf der MS wird bei der Mehrzahl der Betroffenen durch akute Krankheitsschübe bestimmt. Die hochdosiert-intravenöse Gabe von Glucokortikoiden gilt als Standardtherapie. Die wissenschaftliche Beweislage bzgl. des Nutzens ist schwach und uneindeutig. Betroffene fühlen sich häufig gedrängt sich sofort einer Therapie mit Kortison zu unterziehen. Diese Situation erfordert die Ermöglichung einer informierten Entscheidung durch die Betroffenen.

Methoden

Randomisiert-kontrollierte Studie zur Überprüfung der Effekte eines Schulungsprogramms zur Schubtherapie bei MS mit 150 Teilnehmern in 3 Zentren. Interventionsgruppe (IG): 4-stündiges Schulungsprogramm mit Informationen zu Schüben und Schubtherapie nach den Kriterien der evidenzbasierten Patienteninformation. Reflexion von Erfahrungen der Teilnehmer sowie möglicher Entscheidungs- und Handlungswege, Ermöglichung einer Selbstmedikation mit Kortisontabletten im Schub. Kontrollgruppe (KG): Standardinformation zur Schubtherapie. Primärer Endpunkt: Anteil der Schübe ohne Therapie oder mit oraler Kortisontherapie. Weitere Endpunkte: Kosten, Art der Schubtherapien, Autonomiepräferenzen, Lebensqualität, Wissenszuwachs. Dauer 24 Monate, Endpunkterhebung durch vierteljährliche telefonische Befragung.

Ergebnisse

Bei Studienbeginn gab es keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen. 13 Teilnehmer haben die Studie vorzeitig beendet. In der KG wurden mehr Schübe berichtet als in der IG (183 bzw. 137). In der KG wurden 49% der Schübe nicht bzw. oral behandelt, in der IG 75% (p<0,05). Die Schulung führte zu einer Erhöhung des Risikowissens sowie zu einer verstärkten Bereitschaft im Schub autonom zu entscheiden. Es zeigt sich ein Trend zu einer höheren Lebensqualität sowie einem geringeren Grad der Beeinträchtigung in der IG. Leichte Nebenwirkungen traten in beiden Gruppen gleich häufig auf, schwere Nebenwirkungen wurden nicht berichtet.

Schlussfolgerung/Implikation

Das Schulungsprogramm führt zu einer deutlichen Änderung der Therapiegewohnheiten hin zu einem autonomeren Schubmanagement durch die Patienten.