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EbM in Qualitätsmanagement und operativer Medizin
8. Jahrestagung des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierte Medizin e. V.

Deutsches Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e. V.

22.03. - 24.03.2007 in Berlin

Der maßabweichende Arm: ein an Häufigkeit unterschätztes Qualitätsproblem bei der Oberarmblutdruckmessung

Meeting Abstract

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EbM in Qualitätsmanagement und operativer Medizin. 8. Jahrestagung des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierte Medizin e. V.. Berlin, 22.-24.03.2007. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2007. Doc07ebm081

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/ebm2007/07ebm081.shtml

Veröffentlicht: 15. März 2007

© 2007 Meyer.
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Gliederung

Text

Hintergrund

Die exakte, indirekte Oberarmblutdruckmessung setzt eine auf den Extremitätenumfang abgestimmte Blutdruckmanschette voraus. Mit der Zunahme übergewichtiger, älterer und dann häufig auch untergewichtiger Menschen wächst die Zahl jener, bei denen die übliche Standardmanschette nicht korrekt ist. Fachübergreifend ist so mit falschen Druckmessungen zu rechnen. Ziel der Untersuchung war es, Häufigkeitszahlen für Menschen mit abweichenden Oberarmumfangsmaßen unter den Alltagsbedingungen einer Hausarztpraxis zu gewinnen, da hierfür keine Zahlen in der BRD vorliegen.

Methoden

In einer landärztlichen Praxis wurden konsekutive Sprechstundenbesucher nach dem äußeren Eindruck als über- oder normalgewichtig klassifiziert und der Blutdruck mit einer umfangkalibrierten Blutdruckmanschette am Oberarm ermittelt. Bei Über- oder Unterschreitung der Standardvorgaben (24 < Standard >32 cm) wurde der Oberarmumfang an der größten Zirkumferenz mit dem Maßband nachgemessen.

Ergebnisse

Von 9/2005 bis 9/2006 wurden 1849 Patienten (53,7% Frauen, 46,3% Männer, Alter 16 – 96 Jahre) vermessen. 48,4% von ihnen waren nach dem äußeren Aspekt übergewichtig. Im Gesamtkollektiv wiesen 376 (= 20,3%) Patienten einen Oberarmumfang > 32,5 cm auf, bei 35 (= 1,9%) von ihnen war dieser Wert < 23,5 cm. Erhebliche Unterschiede fanden sich jedoch in einzelnen Subkollektiven: die Übergewichtigen (n = 895) hatten gemittelt zu 39% (Männer 41%, Frauen 37,5%) einen Oberarmumfang > 32,5 cm, im Subkollektiv der normalgewichtigen Frauen (n = 476) war nur ein (= 0,2%) Oberarm zu dick, hingegen hatten 29 (= 6,1%) Patientinnen einen Oberarm < 23,5 cm.

Schlussfolgerung/Implikation

Wenigstens jeder 5. Patientenoberarm weicht im Praxisalltag vom Standardmaß ab, eine Häufigkeit, die mit Sicherheit unterschätzt wird. Sowohl in der Lehre wie in der medizinischen Praxis sollte dieses Qualitätsproblem mehr Beachtung finden, da falsch verwendete Manschetten zu einer erheblichen Zahl unrichtiger Blutdruckwerte führen können.