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EbM in Qualitätsmanagement und operativer Medizin
8. Jahrestagung des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierte Medizin e. V.

Deutsches Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e. V.

22.03. - 24.03.2007 in Berlin

Auswertung von Triptan-Verordnungen unter Berücksichtigung der evidenzbasierten Medizin

Meeting Abstract

  • corresponding author presenting/speaker Julian Scheltdorf - Universität Bremen ZeS AG Arzneimittelanwendungsforschung, Bremen, Deutschland
  • author Frank Meyer - Universität Bremen ZeS AG Arzneimittelanwendungsforschung, Bremen, Deutschland
  • author Edda Würdemann - Universität Bremen ZeS AG Arzneimittelanwendungsforschung, Bremen, Deutschland
  • author Gerd Glaeske - Universität Bremen ZeS AG Arzneimittelanwendungsforschung, Bremen, Deutschland

EbM in Qualitätsmanagement und operativer Medizin. 8. Jahrestagung des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierte Medizin e. V.. Berlin, 22.-24.03.2007. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2007. Doc07ebm069

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/ebm2007/07ebm069.shtml

Veröffentlicht: 15. März 2007

© 2007 Scheltdorf et al.
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Gliederung

Text

Hintergrund

Verordnungsdaten bilden die Arzneimittelhistorie eines Patienten ab und stellen somit die Grundlage für eine weitergehende Verwendung nach §300 SGBV dar. Als Datenbasis für das Projekt werden die Daten der projektbeteiligten BKKen in Niedersachsen genutzt. Im Rahmen des Projektes sollen Ärzte wie auch Versicherte Informationen für eine optimierte und evidenzbasierte Arzneimitteltherapie erhalten.

Methoden

Es wurden Rezeptdaten von insgesamt ca. 500.000 BKK-Versicherten in Niedersachsen (Gesamtbrutto ca. 121 Mio. Euro; 3,5 Mio. Verordnungen) analysiert. Die Präparate wurden anhand des ATC-Codes selektiert und die Verordnungsmenge in definierten Tagesdosen nach WidO gemessen. Versicherte, mit mehr als 120 DDD pro Jahr, wurden als „Heavy-User“ klassifiziert. 108 Arztpraxen mit mind. fünf verschiedenen Triptan-Patienten wurden per Brief über einen sinnvollen Einsatz nach den Kriterien der EbM informiert.

Ergebnisse

Die Arzneimittelverordnungen zeigten, dass drei Triptane ähnlich häufig verordnet werden - Sumatriptan (Anteil von 24% an den verordneten DDD-Mengen), Zolmitriptan (24%), Rizatriptan (23%). Das Anwenderprofil zeigt, je nach Altersklasse, für die Prävalenz ein Verhältnis von 2:1 bis 5:1 zwischen Frauen und Männern. In der Literatur wird die Migräneprävalenz mit 3:1 (Frauen zu Männern) angegeben. Insofern bestehen Hinweise auf eine teilweise überproportionale Medikalisierung der Frauen mit Triptanen. Legt man für das Entstehen von triptaninduzierten Migräneattacken 10 Triptaneinahmen je Monat zu Grunde, gehören in Niedersachsen rund 3% der Triptananwender zu den Hochverbrauchern mit einem erhöhten Risiko für das Auftreten triptaninduzierter Migräneattacken. Von ihnen erhalten innerhalb eines Jahres 37% mindestens einmal ein prophylaktisch wirksames Arzneimittel verordnet. Potentielle Wechselwirkungen mit SSRI bestehen für 3,5% der Triptan-Anwender.

Schlussfolgerung/Implikation

Anhand der Verordnungsdaten kann geprüft werden, ob evidenzbasierte Erkenntnisse Einzug in das Verordnungsverhalten finden.

Bestehende wirtschaftliche Reserven sind zu ermitteln, um den Ärzten individuelle Empfehlungen geben zu können.

Aus Routinedaten können den Ärzten hilfreiche Informationen zur Häufigkeit von Risiken, wie z.B. Wechselwirkungen oder Hochverbrauch, angeboten werden.


Literatur

1.
Diener et al., Migränetherapie, Internist 2005 46:1087-1095
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Ferrari et al., Cephalalgia 1994:14,330-338
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Ferrari et al., Oral triptans in acute migraine treatment: a meta-analysis of 53 trials, Lancet 2001;358:1668-75
4.
AKDÄ Arzneiverordnungen, 21.Auflage 2006.
5.
AKDÄ Chronische Kopf- und Gesichtsschmerzen, AVP 3.Auflage 2001.
6.
Diener et al. DMKG Neue Leitlinie zur Behandlung der Migräne, 15. Jahrgang Nummer 3;2005.