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EbM in Qualitätsmanagement und operativer Medizin
8. Jahrestagung des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierte Medizin e. V.

Deutsches Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e. V.

22.03. - 24.03.2007 in Berlin

Scores als Grundlage für Evidenz-basierte Indikationsstellungen in der Herzchirurgie?

Meeting Abstract

  • corresponding author presenting/speaker Brigitte Osswald - Dept. of Cardiac Surgery, University of Heidelberg, Heidelberg, Deutschland
  • author Ursula Tochtermann - Dept. of Cardiac Surgery, University of Heidelberg, Heidelberg, Deutschland
  • author Vassil Gegouskov - Dept. of Cardiac Surgery, University of Heidelberg, Heidelberg, Deutschland
  • author Dominika Badowski-Zyla - Dept. of Cardiac Surgery, University of Heidelberg, Heidelberg, Deutschland
  • author Susanne Keller - Dept. of Cardiac Surgery, University of Heidelberg, Heidelberg, Deutschland
  • author Gisela Thomas - Dept. of Cardiac Surgery, University of Heidelberg, Heidelberg, Deutschland
  • author Matthias Karck - Dept. of Cardiac Surgery, University of Heidelberg, Heidelberg, Deutschland

EbM in Qualitätsmanagement und operativer Medizin. 8. Jahrestagung des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierte Medizin e. V.. Berlin, 22.-24.03.2007. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2007. Doc07ebm057

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/ebm2007/07ebm057.shtml

Veröffentlicht: 15. März 2007

© 2007 Osswald et al.
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Gliederung

Text

Hintergrund

Einzelne Faktoren wie Alter oder linksventrikuläre Funktion reichen für die Charakterisierung von Patienten nicht aus. Für die Rekrutierung von Patienten für neue Operationsverfahren wie dem perkutanen Aortenklappenersatz werden Scores verwendet. Ziel der Untersuchung ist die Evaluation des EuroSCOREs hinsichtlich dessen Güte zur Identifikation sogenannter „Hochrisiko-Patienten“ innerhalb der Patientengruppe mit isolierter Aortenklappenstenose.

Methoden

1545 konsekutive unselektierte Patienten erhielten einen isolierten Aortenklappenersatz (1/1994-3/2006). Der summarische und logistische EuroSCORE wurde berechnet. Die Güte des Scores wurde anhand Vergleiche der erwarteten und beobachteten Mortalität berechnet. Die „Hochrisiko-Patienten“ wurden gesondert analysiert. Die Berechnungen erfolgten mittels SAS® V.9.1.

Ergebnisse

Die 30-Tage-Hospital-Mortalität (alle Todesursachen) der Patienten war niedrig (n=34/1545,2,2%). Der EuroSCORE zeigte sowohl in der additiven, als auch in der logistischen Form eine erhebliche Überschätzung der erwarteten Mortalität. Die Gruppe der “Hochrisikopatienten” zeigte tatsächlich mit 3,8% bei einer erwarteten Mortalität von 11% gegenüber Patienten mit niedrigem und mittleren Risiko die höchste beobachtete Mortalität. Entgegen der Erwartung eines höheren Risikos bei sehr hohen Scorewerten verstarb keiner der 71 Patienten mit einem extrem hohen Scorewert (>10).

Schlussfolgerung/Implikation

Kein Score erfüllt die Kriterien für eine individuelle Risikoeinschätzung. Die fehlende Korrelation zwischen Scorewert und Risiko aggraviert vor allem bei „Hochrisiko“-Patienten die generelle Überschätzung der erwarteten Mortalität. Die Ergebnisse belegen, dass der EuroSCORE keine Grundlage für eine realistische Einschätzung des Operationsrisikos für Patienten mit isoliertem Aortenklappenvitium bietet und somit auch z.B. für die Indikationsstellung des perkutanen Klappenersatzes ungeeignet ist.