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10. Deutscher Kongress für Versorgungsforschung, 18. GAA-Jahrestagung

Deutsches Netzwerk Versorgungsforschung e. V.
Gesellschaft für Arzneimittelanwendungsforschung und Arzneimittelepidemiologie e. V.

20.-22.10.2011, Köln

Zielgruppenspezifische Ansprache für den präventiven Hausbesuch: Wie erreichen wir die Richtigen?

Meeting Abstract

  • corresponding author presenting/speaker Ulla Walter - Institut für Epidemiologie, Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung, Hannover, Deutschland
  • author Christiane Patzelt - Institut für Epidemiologie, Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung, Hannover, Deutschland
  • author Bernhilde Deitermann - Institut für Epidemiologie, Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung, Hannover, Deutschland
  • author Susanne Heim - Institut für Allgemeinmedizin, Hannover, Deutschland
  • author Gudrun Theile - Institut für Allgemeinmedizin, Hannover, Deutschland
  • author Christian Krauth - Institut für Epidemiologie, Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung, Hannover, Deutschland
  • author Eva Hummers-Pradier - Institut für Allgemeinmedizin, Hannover, Deutschland

10. Deutscher Kongress für Versorgungsforschung. 18. GAA-Jahrestagung. Köln, 20.-22.10.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11dkvf252

DOI: 10.3205/11dkvf252, URN: urn:nbn:de:0183-11dkvf2521

Veröffentlicht: 12. Oktober 2011

© 2011 Walter et al.
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Gliederung

Text

Hintergrund: Als nicht erreichte Zielgruppen für Präventionsmaßnahmen im Alter gelten nicht mobile sowie sozial benachteiligte ältere Menschen, ältere Männer und Menschen mit Seh- und Hörbehinderungen [1]. In der Studie „Ältere gezielt erreichen“ (BMBF-Präventionsforschung, 2008-2011) wird am Beispiel des präventiven Hausbesuches eine schriftliche Ansprache gemeinsam mit der Zielgruppe weiterentwickelt und evaluiert. Die Partizipation der Zielgruppe in die Projektentwicklung kann die Akzeptanz und die Teilnahmebereitschaft erhöhen und ist ein Element der evidenzbasierten Leitlinie der Gesundheitsförderung im Alter [2].

Material und Methoden: Zielgruppe sind über 65-jährige nicht pflegebedürftige Versicherte einer gesetzlichen Krankenkasse. In der mehrstufigen Evaluationsstudie werden zunächst mittels alters- und geschlechtsspezifischen Fokusgruppen (n=42) sowie Einzelinterviews (n=12) die Ansprachepräferenzen der Zielgruppe anhand eines Leitfadens ermittelt und das bereits bestehende Material weiterentwickelt. Der Leitfaden beinhaltet Fragen zum Gesundheits- und Präventionsverständnis, zum Informationsverhalten und zur Bewertung des bisherigen Informationsmaterials. Das Videomaterial aus den Fokusgruppen wird mit der Methode des Knowledge Mappings analysiert, die Audioaufzeichnungen inhaltsaltsanalytisch ausgewertet. In der 2. Studienphase wird die Akzeptanz der neu entwickelten Ansprache im Vergleich zur bisherigen getestet. Insgesamt werden 2.512 AOK-Versicherte (65 plus) unter Berücksichtigung von Alter, Geschlecht und Region in drei Wellen angeschrieben und die jeweilige Reaktion mittels eines standardisierten Verfahrens dokumentiert.

Ergebnisse: Aus dem qualitativen Material konnte ein geschlechtsspezifisches Anspracheprofil herausgearbeitet werden: Es zeigte sich, dass für Frauen der jüngeren Altersgruppe Gesundheit im Alter gesellschaftliche Teilhabe und Kommunikation bedeutet. Von den älteren Frauen wurde die selbständige Lebensführung und familiäre Eingebundenheit hervorgehoben. Körperliche und geistige Betätigung wird in Eigeninitiative durchgeführt, weniger in einer Gruppe. Männer assoziierten mit Gesundheit im Alter vor allem Beweglichkeit, Mobilität und Leistungsfähigkeit, bei den älteren Männern waren es außerdem der Lebenswille und gesellschaftliche Teilhabe. Gesundheitssport wurde von den älteren Männern im Selbstmanagement betrieben, da Angebote häufig „frauenbesetzt“ und nicht altersgerecht seien. Zur Ansprache für Angebote wie den präventiven Hausbesuch präferiert die Mehrheit der Befragten ein persönliches Anschreiben gegenüber einem unpersönlichen Flyer. Diese Erkenntnisse sind in die Entwicklung des neuen Ansprachematerials in Form eines gendersensiblen Anschreibens und einem stark gekürzten Flyers eingeflossen. Des Weiteren wurde die Zielgruppe durch einen Identifikationsbogen Präventiver Hausbesuch (IboPräv) auf einen Personenkreis eingrenzt, der bereits durch gesundheitliche Beeinträchtigungen eingeschränkt ist. Erste Ergebnisse der 2. Studienphase zeigen, dass auf das gendersensible Anschreiben und auf den überarbeiteten Flyer deutlich mehr Ältere (76 Jahre und älter) sowie mehr Männer reagiert haben als auf das bisher eingesetzte Ansprachematerial zum präventiven Hausbesuch.

Schlussfolgerung: Diese Ergebnisse unterstreichen die Relevanz einer den Bedürfnissen, Verhaltenweisen und der Sprache der Geschlechter angepassten Ansprache für die Motivierung von (neuen) Zielgruppen in der Prävention.


Literatur

1.
Hollenbach-Gröming B, Seidel-Schulze A. Seniorenbezogene Gesundheitsförderung und Prävention auf kommunaler Ebene – Eine Bestandsaufnahme. Forschung und Praxis der Gesundheitsförderung, Band 33. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA); 2007.
2.
Resch K, Strümpel C, Wild M, Hackl C, Lang G, Hrsg. Evidenzbasierte Leitlinien für die Gesundheitsförderung älterer Menschen. 2010. Available from: http://www.healthproelderly.com/ Externer Link