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10. Deutscher Kongress für Versorgungsforschung, 18. GAA-Jahrestagung

Deutsches Netzwerk Versorgungsforschung e. V.
Gesellschaft für Arzneimittelanwendungsforschung und Arzneimittelepidemiologie e. V.

20.-22.10.2011, Köln

Veränderung der Krankenhaussterblichkeit bei wichtigen Krankheitsbildern nach Einführung eines ergebnisorientierten Qualitätsmanagementsystems

Meeting Abstract

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10. Deutscher Kongress für Versorgungsforschung. 18. GAA-Jahrestagung. Köln, 20.-22.10.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11dkvf224

DOI: 10.3205/11dkvf224, URN: urn:nbn:de:0183-11dkvf2249

Veröffentlicht: 12. Oktober 2011

© 2011 Nimptsch et al.
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Gliederung

Text

Hintergrund: Krankenhäuser in Deutschland sind gemäß § 135a Abs. 2 Nr. 2 verpflichtet, ein einrichtungsinternes Qualitätsmanagement zu führen, wobei die Wahl einer speziellen Qualitätsmanagementstrategie den Krankenhausträgern freigestellt ist.

Der Einfluss solcher Qualitätsmanagementstrategien auf die Ergebnisqualität wurde in Deutschland bislang kaum untersucht. Diese Arbeit betrachtet die Veränderung der Krankenhaussterblichkeit nach Implementierung eines ergebnisorientierten Qualitätsmanagementsystems.

Die Helios Kliniken Gruppe hat seit dem Jahr 2000 ein Qualitätsmanagementsystem entwickelt, das auf drei Grundsätzen basiert:

  • Messung von Qualitätsindikatoren mit Routinedaten
  • Gezielte Peer Reviews zur Analyse von Behandlungsprozessen
  • Veröffentlichung der Ergebnisse

Seit dem Jahr 2009 kommt dieses System u.a. auch in den Kliniken der Initiative Qualitätsmedizin (IQM) zum Einsatz, die mittlerweile über 130 Mitgliedskrankenhäuser umfasst.

Material und Methoden: Wir untersuchen Abrechnungsdaten von 14 Kliniken der Helios Gruppe, die zwischen 2004 und 2006 von Helios übernommen wurden. Alle Kliniken wurden unmittelbar nach dem Wechsel der Trägerschaft in das Qualitätsmanagementsystem integriert, so dass das Jahr des Übergangs mit dem der Implementierung gleichgesetzt wird.

Untersucht wird die Veränderung der jährlichen Krankenhaussterblichkeit bezogen auf Herzinfarkt, Herzinsuffizienz, Schlaganfall und Pneumonie, jeweils ein Jahr vor Implementierung des Qualitätsmanagements (T-1) bis zwei Jahre danach (T+2). Auf Grundlage der Krankenhausdiagnosestatistik des jeweiligen Kalenderjahres wird das standardisierte Sterblichkeitsverhältnis (SMR) berechnet.

Die Analysen werden nach dem jährlichen krankheitsspezifischen Leistungsvolumen und nach der klinikindividuellen Ausgangssituation (SMR im Jahr vor der Implementierung) stratifiziert.

Ergebnisse: Beim Herzinfarkt wurde im Jahr vor der Implementierung bei 8 von 14 Kliniken eine höhere Krankenhaussterblichkeit, als erwartet (SMR >1) gemessen (N=3285 in T-1). Davon hatten 7 Kliniken ein geringes jährliches Leistungsvolumen (< 80 Fälle/Jahr). Im zweiten Jahr nach der Implementierung zeigte sich in der Gruppe dieser Kliniken ein signifikanter Rückgang der Krankenhaussterblichkeit.

Ähnliche Ergebnisse zeigen sich bezogen auf die Sterblichkeit bei Herzinsuffizienz (N=4374 in T-1). Bei Pneumonie (N=2666 in T-1) und Hirninfarkt (N=1673 in T-1) konnte ebenfalls ein Rückgang der Sterblichkeit beobachtet werden, der jedoch bei den untersuchten Kliniken im zweiten Jahr nach der Implementierung nicht signifikant war.

In den Gruppen der Kliniken mit jeweils SMR<=1 zum Zeitpunkt T-1 wurden keine signifikanten Veränderungen beobachtet.

Schlussfolgerung: Eine Reduzierung der Krankenhaussterblichkeit bei den untersuchten Krankheitsbildern wurde für die gesamte Helios Kliniken Gruppe bereits gezeigt. Mit dieser Analyse wird deutlich, dass der Rückgang der Krankenhaussterblichkeit zeitlich mit der Implementierung des Qualitätsmanagementsystems einhergeht und dass Verbesserungen vor allem in Kliniken mit anfangs auffälligen Ergebnissen erzielt werden. Auffällige Sterblichkeiten im Jahr vor der Implementierung bestehen überwiegend in Kliniken mit geringem Leistungsvolumen.

Weitere Studien an einer größeren Gruppe von Krankenhäusern sind notwendig, um die Annahme der Wirksamkeit des Qualitätsmanagementsystems zu festigen und den Einfluss von Krankenhauscharakteristika und weiteren möglichen Determinanten zu untersuchen.