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10. Deutscher Kongress für Versorgungsforschung, 18. GAA-Jahrestagung

Deutsches Netzwerk Versorgungsforschung e. V.
Gesellschaft für Arzneimittelanwendungsforschung und Arzneimittelepidemiologie e. V.

20.-22.10.2011, Köln

Subjektive Konzepte von Patienten zur Inanspruchnahme hausärztlicher Versorgung – eine qualitative Vergleichsstudie zwischen Deutschland und Norwegen

Meeting Abstract

  • corresponding author presenting/speaker Wolfram J Herrmann - Universitätsklinikum Jena, Institut für Allgemeinmedizin, Jena, Deutschland
  • author Anders Bærheim - University of Bergen, Department of Public Health and Primary Health Care, Bergen, Norwegen
  • author Michael Freitag - Universitätsklinikum Jena, Institut für Allgemeinmedizin, Jena, Deutschland
  • author Uwe Flick - Alice Salomon Hochschule Berlin, Berlin, Deutschland
  • author Jochen Gensichen - Universitätsklinikum Jena, Institut für Allgemeinmedizin, Jena, Deutschland

10. Deutscher Kongress für Versorgungsforschung. 18. GAA-Jahrestagung. Köln, 20.-22.10.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11dkvf206

DOI: 10.3205/11dkvf206, URN: urn:nbn:de:0183-11dkvf2066

Veröffentlicht: 12. Oktober 2011

© 2011 Herrmann et al.
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Gliederung

Text

Hintergrund: Die Inanspruchnahme ambulanter ärztlicher Versorgung ist in Deutschland im internationalen Vergleich hoch. In Deutschland beträgt die Zahl der Arztkontakte laut Gmünder Ersatzkasse 17,9/Jahr, während sie beispielsweise in Norwegen bei 4,6/Jahr liegt. Die klassischen Modelle des Inanspruchnahmeverhaltens, wie beispielsweise das Verhaltensmodell von Andersen oder das Health Belief Model von Rosenstock können diese Unterschiede nicht erklären. Auch Faktoren des Gesundheitssystems, wie z.B. Gatekeeping, erklären Unterschiede in dieser Größenordnung nicht.

Unsere Hypothese ist, dass die subjektiven Konzepte von Patienten zur Inanspruchnahme hausärztlicher Versorgung eine wichtige Rolle bei der Erklärung des unterschiedlichen Inanspruchnahmeverhaltens spielen. Dabei definieren wir subjektive Konzepte zur Inanspruchnahme hausärztlicher Versorgung als die Annahmen von Patienten, wie und warum sie sich mit einem Gesundheitsproblem entscheiden, ob sie hausärztliche Versorgung in Anspruch nehmen, und die dieser Entscheidung zugrunde liegenden Einstellungen, Werte und Wissen. Ziel dieser Studie ist es, die Unterschiede in den subjektiven Konzepten zur Inanspruchnahme hausärztlicher Versorgung von Patienten in Deutschland und Norwegen zu explorieren.

Material und Methoden: Zur Beantwortung dieser Fragestellung haben wir ein qualitatives Studiendesign gewählt. Jeweils 20 gezielt ausgewählte und hinsichtlich Alter, Geschlecht und Morbidität gematchte Patienten in Deutschland und Norwegen sollen außerhalb des Versorgungskontextes mit episodischen Interviews befragt werden. Das episodische Interview enthält sowohl Fragen, die Erzählungen über erlebte Situationen stimulieren, als auch konkrete Fragen. Ergänzend sollen im hausärztlichen Versorgungskontext in jeweils vier norwegischen und vier deutschen Hausarztpraxen teilnehmende Beobachtungen von je einer Woche Dauer durchgeführt werden. Die Auswertung soll mittels thematischen Kodierens erfolgen. Beim thematischen Kodieren werden Textsegmenten aus dem Material entwickelte Codes zugeordnet und in einer thematischen Struktur organisiert. Anhand ausgewählter Kategorien werden Fall- und Gruppenvergleiche zwischen Patienten in Deutschland und Norwegen durchgeführt.

Ergebnisse: Als Ergebnisse erwarten wir Unterschiede in den subjektiven Konzepten von Patienten in Deutschland und Norwegen zur Inanspruchnahme hausärztlicher Versorgung aufzeigen zu können: Wir erwarten, dass Patienten in Norwegen den Hausarzt nur bei schwerwiegenderen Gesundheitsproblemen kontaktieren, während Patienten in Deutschland den Hausarzt auch eher bei leichteren Gesundheitsproblemen in Anspruch nehmen und für schwerwiegendere Gesundheitsprobleme sich bevorzugt an Spezialisten wenden. Dabei erwarten wir eine unterschiedliche Risikowahrnehmung und Sicherheitsbedürfnisse von Patienten in Deutschland und Norwegen.

Schlussfolgerung: Für die vergleichende Erforschung von Gesundheitssystemen und medizinischer Versorgung bedarf es neuer Forschungsansätze, welche die subjektiven Konzepte der beteiligten Akteure, wie Patienten und Ärzte, berücksichtigen. Über die subjektiven Konzepte von Patienten möchten wir mit diesem Forschungsprojekt zur Erklärung unterschiedlich hoher Inanspruchnahme ambulanter ärztlicher Versorgung in verschiedenen Ländern beitragen.