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10. Deutscher Kongress für Versorgungsforschung, 18. GAA-Jahrestagung

Deutsches Netzwerk Versorgungsforschung e. V.
Gesellschaft für Arzneimittelanwendungsforschung und Arzneimittelepidemiologie e. V.

20.-22.10.2011, Köln

Rehabilitationsnachsorge – Erfolge und Akzeptanz des „neuen Credo“ für Rehabilitationskliniken*

Meeting Abstract

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  • corresponding author presenting/speaker Nadine Pohontsch - Institut für Sozialmedizin, UK-SH, Lübeck, Deutschland
  • author Ruth Deck - Institut für Sozialmedizin, UK-SH, Lübeck, Deutschland

10. Deutscher Kongress für Versorgungsforschung. 18. GAA-Jahrestagung. Köln, 20.-22.10.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11dkvf190

DOI: 10.3205/11dkvf190, URN: urn:nbn:de:0183-11dkvf1905

Veröffentlicht: 12. Oktober 2011

© 2011 Pohontsch et al.
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Gliederung

Text

Hintergrund: Die Effektivität der medizinischen Rehabilitation ist zeitlich begrenzt [1], [2]. Ein Lösungsansatz hierfür ist die Verbesserung der Reha-Nachsorge. Die weiterführenden Maßnahmen müssen vom Rehabilitanden poststationär selbst initiiert werden. Die Reha-Klinik sollte dabei unter-stützend und begleitend Hilfestellung leisten. Vor diesem Hintergrund wurde mit dem „neuen Credo“ [3] eine Nachsorgestrategie entwickelt, die auf eine längerfristige begleitete Eigenini-tiative unter Einbindung der jeweiligen Rehabilitationseinrichtung (bis 12 Monate nach Reha-Ende) fokussiert. In diesem Beitrag soll der Frage nachgegangen werden, welche Erfolge das „neue Credo“ erzielt hat und wie das Programm (Anwendbarkeit, Umsetzung und Akzeptanz) durch die beteiligten Klinikmitarbeiter und Rehabilitanden beurteilt wurde.

Material und Methoden: Bezüglich der Erfolge wurde das „neue Credo“ mit einer multizentrischen, prospektiven, kontrollierten Studie evaluiert. Eingeschlossen wurden Rehabilitanden mit der Indikation chronische Rücken-schmerzen (M51-M54 nach ICD-10). Primäre Outcomes waren Einschränkungen der Teilhabe (IMET), Funktionsbehinderungen im Alltag (FFbH-R) sowie Einschränkungstage (disability days).

Um Informationen zur Anwendbarkeit, Umsetzung und Akzeptanz des Programms zu erhalten, wur-den insgesamt neun Klinikmitarbeiter und neun Rehabilitanden in Fokusgruppen und Telefoninter-views befragt. Relevante Aussagen zum gesamten Programm und einzelnen Programmbestandteilen wurden zusammenfassend aus den Gesprächstranskripten exzerpiert. Außerdem wurden der Umset-zungsgrad und die Akzeptanz des Programms durch die beteiligten Kliniken eingeschätzt.

Ergebnisse: Zum Zeitpunkt der 12-Monatskatamnese lagen Datensätze von 166 Interventionsgruppen-Teilnehmern (Drop Out 41%) und 368 Kontrollgruppen-Teilnehmern (Drop Out 31%) vor. Für den FFbH-R und IMET zeigten sich zur 12 Monatskatamnese signifikante Unterschiede zugunsten der Interventionsgruppe (Effektstärken IG: FFbH-R ES= 0.40, IMET ES= 0.42; Effektstärken KG: FFbH-R ES= 0.16, IMET ES= 0.06, Interaktionseffekt Treatment*Zeit, jeweils p<.001). Hinsichtlich der Einschränkungstage fanden sich keine Unterschiede zwischen den Treatmentgruppen (Interaktionseffekt Treatment*Zeit, p=.199).

Der allgemeine Tenor der Aussagen der Rehabilitanden bezüglich des Programms und der Materia-lien ist sehr positiv. Die meisten Rehabilitanden sehen keine Notwendigkeit für eine grundlegende Veränderung des Materials oder des Programms. Manche Rehabilitanden beklagen jedoch den man-gelnden Platz zur Dokumentation in den Bewegungstagbüchern und hatten an manchen Stellen Ver-ständnisprobleme. Auch von Klinikerseite ist die allgemeine Bewertung sehr positiv. Schwierigkeiten bestanden bei der Durchführung der „gelben Stunde“ (Gruppen- und Übungssitzung „neues Credo“), dem „Brief an mich selbst“ und dem konsequenten Beibehalten der Credo-Philosophie im Klinikalltag.

Schlussfolgerung: Das „neue Credo“ trägt zur Verstetigung der langfristigen Reha-Erfolge für Patienten mit chroni-schem Rückenschmerz bei. Die Akzeptanz des „neuen Credos“ ist sowohl bei den Klinikern als auch den Rehabilitanden hoch. Es erwies sich als prinzipiell gut umsetzbar und wurde von allen Beteiligten gut angenommen. Die von Rehabilitanden und Klinikern genannten Durchführungsschwierigkeiten werden in der Folgestudie fokussiert.

* gefördert von der Deutschen Rentenversicherung und dem BMBF


Literatur

1.
Hüppe A, Raspe H. Die Wirksamkeit stationärer medizinischer Rehabilitation in Deutschland bei chronischen Rückenschmerzen: eine systematische Literaturübersicht 1980-2001. Rehabilitation. 2003;42: 143-154
2.
Hüppe A, Raspe H. Die Wirksamkeit stationärer medizinischer Rehabilitation in Deutschland bei chronischen Rückenschmerzen: Aktualisierung und methodenkritische Diskussion einer Literatur-übersicht. Rehabilitation. 2005;44: 24-33.
3.
Deck R, Hüppe A, Arlt AC. Optimierung der Rehabilitationsnachsorge durch eine längerfristige Begleitung der Rehabilitanden – Ergebnisse einer Pilotstudie. Rehabilitation. 2009;48: 39-46