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10. Deutscher Kongress für Versorgungsforschung, 18. GAA-Jahrestagung

Deutsches Netzwerk Versorgungsforschung e. V.
Gesellschaft für Arzneimittelanwendungsforschung und Arzneimittelepidemiologie e. V.

20.-22.10.2011, Köln

Obeldicks light für übergewichtige Kinder und Jugendliche

Meeting Abstract

10. Deutscher Kongress für Versorgungsforschung. 18. GAA-Jahrestagung. Köln, 20.-22.10.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11dkvf164

DOI: 10.3205/11dkvf164, URN: urn:nbn:de:0183-11dkvf1643

Veröffentlicht: 12. Oktober 2011

© 2011 Reinehr et al.
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Gliederung

Text

Hintergrund: Für mäßig übergewichtige Kinder und Jugendliche gab es bisher keine Lebensstil-Intervention, deren Wirksamkeit im Rahmen einer kontrollierten und randomisierten Studie nachgewiesen worden ist. Dies ist jedoch eine wichtige Voraussetzung für die Kostenbeteiligung der Krankenkassen an umfangreichen Programmen zur Prävention für diese Zielgruppe. Aus diesem Grund haben die TK und KKH-Allianz gemeinsam mit der Vestischen Kinder- und Jugendklinik Datteln, Universität Witten/Herdecke und der Universität Bielefeld das Projekt „Obeldicks light“ initiiert.

Material und Methoden: 66 übergewichtige Kinder (BMI > 90 ≤ 97 Perzentile, BMI: M= 23,4 +/- 1,5 kg/m2) ohne Adipositas assoziierte Erkrankungen im Alter von M = 11,5 +/- 1,6 Jahren,) wurden einer Kontrollgruppe (n= 32), die über 6 Monate keine Intervention erhielten und einer Interventionsgruppe (n=34) zugelost. 68 % der Teilnehmer waren weiblich. Die Intervention bestand aus dem Programm "Obeldicks light" für die Altersgruppe 8 bis 16 Jahre. Das sechsmonatige Schulungsprogramm umfasst wöchentliche Bewegungseinheiten, 6 Einheiten Ernährung und 5 Einheiten Verhalten. Die Eltern werden aktiv eingebunden. Gemessen wurde bei beiden Gruppen der BMI, Hüftumfang, Hautfaltendicke, BIA und Blutdruck. Das Bewegungsverhalten wurde mittels Fragebogen festgehalten. Das Ernährungsverhalten wurde mit einem 3-Tages-Protokoll ermittelt. Die Messungen erfolgen zu den drei Zeitpunkten, to, t1 (nach sechs Monaten) und t2 (nach 12 Monaten). Der Vergleich zwischen den drei Zeiträumen basiert auf dem Intention-to-treat Ansatz. Die Veränderungen werden mittels BMI-SDS dargestellt.

Ergebnisse: Die Abbrecherquote lag in der Kontrollgruppe bei 16% und in der Interventionsgruppe bei 3%. 94% der Interventionsgruppe senkten ihr Gewicht (BMI-SDS) und 24% erreichten das Normalgewicht. Zudem war die Intervention erfolgreich bei der Senkung der Fettmasse, des Hüftumfangs und beim Blutdruck. Die Ergebnisse wurden in der Clinical Nutrition veröffentlicht.

Schlussfolgerung: Für motivierte Kinder und Jugendliche sowie deren Familien ist die Intervention eine geeignete Präventionsmaßnahme. Künftig wird die Intervention an weiteren Standorten etabliert und hinsichtlich ihrer Übertragbarkeit auf die Zielgruppe der stark übergewichtigen (BMI > 97 ≤ 99,9 Perzentile) ohne behandlungsbedürftige Risikofaktoren und Erkrankungen überprüft.