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10. Deutscher Kongress für Versorgungsforschung, 18. GAA-Jahrestagung

Deutsches Netzwerk Versorgungsforschung e. V.
Gesellschaft für Arzneimittelanwendungsforschung und Arzneimittelepidemiologie e. V.

20.-22.10.2011, Köln

Medizinische Fachangestellte mit Migrationshintergrund in der Hausarztpraxis

Meeting Abstract

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  • corresponding author presenting/speaker Karola Mergenthal - Institut für Allgemeinmedizin, Goethe-Universität Frankfurt am Main, Frankfurt am Main, Deutschland
  • Gerlach Ferdinand M. - Institut für Allgemeinmedizin, Goethe-Universität Frankfurt am Main, Frankfurt am Main, Deutschland
  • Güthlin Corina - Institut für Allgemeinmedizin, Goethe-Universität Frankfurt am Main, Frankfurt am Main, Deutschland

10. Deutscher Kongress für Versorgungsforschung. 18. GAA-Jahrestagung. Köln, 20.-22.10.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11dkvf151

DOI: 10.3205/11dkvf151, URN: urn:nbn:de:0183-11dkvf1512

Veröffentlicht: 12. Oktober 2011

© 2011 Mergenthal et al.
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Gliederung

Text

Hintergrund: In Deutschland leben 15,7 Mio. Menschen mit Migrationshintergrund (MH). Demgegenüber steht eine kleine Zahl von ausländischen Ärzten/innen: von 125.264 aller 2009 in Deutschland niedergelassenen Ärzten/innen waren 2,8 % (3.556) Ausländer/innen. Im Vergleich dazu ist die Zahl der ausländischen Medizinischen Fachangestellten (MFA)/ Arzthelferinnen (AH) hoch. In Hessen z.B. lag zwischen 2005 und 2007 der jährliche Anteil der Ausländer/innen bei durchschnittlich 15,6 %.

Die Frage, wie und ob Fachkräfte mit MH spezifische Potentiale in den Berufsalltag einbringen, ist in Deutschland kaum untersucht. Eine qualitative Studie mit 10 AH zeigt, dass diese ihre Erstsprache und ihr kulturspezifisches Wissen im Praxisalltag einsetzen und in Anwesenheit des Arztes zeitweise die Verantwortung für das Gelingen des Gesprächs übernehmen. Hier vorgestellt wird ein Forschungskonzept zum Thema „MFA/AH mit MH in der Hausarztpraxis“, das zunächst in einer qualitativen Pilotstudie die Fragestellung untersucht: „Wie erleben MFA mit MH ihren Praxisalltag in deutschen Hausarztpraxen?“ und in einer Folgestudie mit Mixed-Methods die Ergebnisse dieser Pilotbefragung aufgreift.

Material und Methoden: In der qualitativen Pilotstudie wurden 6 MFA aus hessischen Hausarztpraxen untersucht, die dem Institut für Allgemeinmedizin (IfA) bereits aus Forschungs- und Lehrprojekten bekannt waren. Das Interview erfolgte mit Hilfe eines halbstandardisierten Leitfadens; die Auswertung der vollständig transkribierten Interviews erfolgte mit der inhaltsanalytischen Methode nach Mayring in einem Auswertungsteam. Daran schließt sich eine Befragung in einer repräsentativen Stichprobe von MFA im letzten Ausbildungsjahr an. Zur Klärung weiterer Fragen sind anschließend erneut qualitative Interviews/Fokusgruppen geplant.

Ergebnisse: Erste Ergebnisse zeigen, dass zu Beginn einer neu aufgenommenen Tätigkeit in den Praxen zunächst Befürchtungen von Seiten des Teams (ohne MH) als auch von Seiten der Patienten bestanden. Nach einer gewissen Anlaufzeit erfolgte jeweils eine gute Akzeptanz und Etablierung der Rolle der MFA/ AH mit MH, sodass die MFA mit MH ihr „Integriertsein“ in die Praxis betonten. Zusätzlich übernahmen sie Aufgaben wie Übersetzungen oder Erklärungen von kulturellen Besonderheiten. Zum Zeitpunkt der Konferenz wird eine vollständige Auswertung der Daten aus der Pilotstudie und das gesamte Forschungskonzept inklusive Herleitung vorliegen.

Schlussfolgerung: Angesichts der bisher nicht untersuchten Rolle von MFA mit MH in der Hausarztpraxis war es zweckmäßig, zunächst mit qualitativen Interviews das Feld zu explorieren und auf diese Weise gezielt Stichprobe und genaue Fragestellung weiterführender Untersuchungen zu generieren. An die quantitative Studienphase sollten sich zum besseren Verständnis qualitative Interviews/ Fokusgruppendiskussionen anschließen.