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10. Deutscher Kongress für Versorgungsforschung, 18. GAA-Jahrestagung

Deutsches Netzwerk Versorgungsforschung e. V.
Gesellschaft für Arzneimittelanwendungsforschung und Arzneimittelepidemiologie e. V.

20.-22.10.2011, Köln

Krankheitskosten bei pädiatrisch-diabetologischen Patienten mit unterschiedlicher Diabetesdauer

Meeting Abstract

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  • corresponding author presenting/speaker Christina Bächle - Deutsches Diabetes-Zentrum (DDZ), Düsseldorf, Deutschland
  • author Joachim Rosenbauer - Deutsches Diabetes-Zentrum (DDZ), Düsseldorf, Deutschland
  • author Andrea Icks - Heinrich-Heine Universität und Deutsches Diabetes-Zentrum (DDZ), Düsseldorf, Deutschland

10. Deutscher Kongress für Versorgungsforschung. 18. GAA-Jahrestagung. Köln, 20.-22.10.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11dkvf142

DOI: 10.3205/11dkvf142, URN: urn:nbn:de:0183-11dkvf1425

Veröffentlicht: 12. Oktober 2011

© 2011 Bächle et al.
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Gliederung

Text

Hintergrund: Der Typ-1-Diabetes mellitus (T1DM) ist eine der häufigsten chronischen Stoffwechselkrankheiten im Kindesalter. Im Jahr 2007 waren laut Inzidenzregister des DDZ Düsseldorf in Deutschland ca. 31.250 Kinder und Jugendliche im Alter von 0-19 Jahren insgesamt davon betroffen. Die Erkrankung ist mit weitreichenden Konsequenzen für Betroffene und ihre Familien, aber auch für Gesundheitssystem und Gesellschaft verbunden. In dieser Studie wurden direkte Diabetes-bezogene Kosten aus Patientendaten eines bundesweiten Computerdokumentationssystems zur prospektiven Verlaufsdokumentation von Kindern und Jugendlichen mit Typ-1-Diabetes (DPV) analysiert.

Material und Methoden: Erhebungsjahr ist das Kalenderjahr 2007. Alle in DPV dokumentierten medizinischen Daten (Stoffwechseleinstellung, Krankheitsereignisse) wurden erfasst und Inanspruchnahmen medizinischer Leistungen mit Vergütungspauschalen und Handelspreisen bewertet. Gesamtkosten und die Verteilung der Kosten auf verschiedene Kostenkategorien wurden ermittelt. Die Kostenanalyse erfolgte getrennt für zwei Patientengruppen: In eine Analyse (A1) wurden alle prävalenten Patienten < 20 Jahre (ohne 2007 neu erkrankte Patienten) eingeschlossen, deren Diabetesbehandlung 2007 kontinuierlich in DPV dokumentiert wurde. Die zweite Analyse (A2) beschränkte sich auf alle Patienten < 20 Jahre mit früher Diabetesmanifestation (Alter < 5 Jahre) und mindestens achtjähriger Diabetesdauer.

Ergebnisse: Es wurden Daten von 12.001 (A1) bzw. 1.473 (A2) Patienten ausgewertet. 52,6 bzw. 53,0% der Patienten waren männlich, das mittlere Alter betrug 12,6/13,4 Jahre, die mittlere Diabetesdauer 5,0/10,4 Jahre. Die mittleren HbA1c-Werte in den beiden Gruppen unterschieden sich geringfügig (7,7 vs. 8,1%). Die mittleren jährlichen Diabetes-assoziierten Gesamtkosten aller prävalenten Patienten < 20 Jahre (A1) betrugen 3.508 €. Hauptkostenkategorien waren Blutzuckerselbstkontrollen (32,4%), gefolgt von Diabetes-assoziierten Krankenhausaufenthalten (24,1%), Insulinpumpentherapie (21,6%) und Insulin (16,6%). Andere Kostenkategorien (Kosten für ambulante Versorgung, Injektionsnadeln, Glukagonsets, Medikamente bei Komorbiditäten) waren von untergeordneter Bedeutung. Die Diabetes-assoziierten Gesamtkosten bei längerer Diabetesdauer (A2) waren durchschnittlich 267 € (7,6%) pro Person höher als in A1. Patienten mit längerer Diabetesdauer hatten im Mittel geringere relative Kosten für Krankenhausaufenthalte (21,9%) und Blutzuckerselbstkontrollen (29,4%), jedoch höhere relative Kosten für Insulin (18,2%) und Insulinpumpentherapie (25,8%).

Schlussfolgerung: Die Diabetes-assoziierten Gesamtkosten von pädiatrischen Patienten mit längerer Diabetesdauer waren 7,6% höher als von allen pädiatrisch-diabetologischen Patienten. Zu beachten ist, dass Spätschäden in diesem Alter auch bei längerer Diabetesdauer selten sind. Unterschiede in der Verteilung auf verschiedene Kostenkategorien lassen sich auf verschiedene Faktoren zurückführen, darunter verschiedene Anforderungen an die Diabetestherapie sowie metabolische Veränderungen mit Fortschreiten der Erkrankung.

Die Studie wurde mit Hilfe der DPV-Wiss-Initiative durchgeführt. Die Studie wird unterstützt durch das "Kompetenznetz Diabetes mellitus" (www.kompetenznetz-diabetes-mellitus.net), gefördert vom deutschen Bundesministerium für Bildung und Forschung (Förderkennzeichen 01GI0802, 01GI0859).