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10. Deutscher Kongress für Versorgungsforschung, 18. GAA-Jahrestagung

Deutsches Netzwerk Versorgungsforschung e. V.
Gesellschaft für Arzneimittelanwendungsforschung und Arzneimittelepidemiologie e. V.

20.-22.10.2011, Köln

Impfung gegen die humanen Papillomviren (HPV) – Eine Analyse von Verordnungsdaten Privatversicherter

Meeting Abstract

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10. Deutscher Kongress für Versorgungsforschung. 18. GAA-Jahrestagung. Köln, 20.-22.10.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11dkvf120

DOI: 10.3205/11dkvf120, URN: urn:nbn:de:0183-11dkvf1203

Veröffentlicht: 12. Oktober 2011

© 2011 Wild.
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Gliederung

Text

Hintergrund: Seit September 2006 ist in Deutschland ein Impfstoff gegen die humanen Papillomviren (HPV) zugelassen. Die Impfung bietet einen Schutz gegen bestimmte HPV-Typen, die für die Mehrzahl der durch HPV verursachten Zervixkarzinome verantwortlich sind. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die HPV-Impfung seit März 2007 für alle Mädchen vom 12. bis 17. Lebensjahrs. Laut Studienlage sollte eine Impfung möglichst vor dem ersten sexuellen Kontakt erfolgen, als primäre Zielgruppe gelten die 12- bis 13-jährigen Mädchen.

Material und Methoden: Aufgrund eines fehlenden Impfregisters wird der Impfstatus der Bevölkerung in Deutschland nicht vollständig erfasst. Damit muss indirekt auf die Durchimpfungsquote geschlossen werden. Dies geschieht hier für Privatversicherte anhand einer Auswertung von Arzneimittelverordnungsdaten aus den Jahren 2006–2009. Grundlage sind die Daten von vier PKV-Unternehmen, bei denen zusammen knapp 80.000 Frauen im – für die HPV-Impfung relevanten Alter – von 9 bis 26 Jahren versichert sind.

Ergebnisse: Nach anfänglich hohen Impfzahlen sind deutlich sinkende Impfraten zu verzeichnen. Auf den von der STIKO empfohlenen Altersbereich entfallen je nach Untersuchungsjahr zwischen 64,7% bis 74,3% aller Impfungen. Bemerkenswert ist, dass die meisten Impfungen bei den 17-Jährigen vorgenommen werden. Auf die 12- bis 13-Jährigen entfallen dagegen nur 10,1 % bis 12,4 % der Impfungen. Während etwas mehr als ein Drittel aller Mädchen des Geburtsjahrganges 1991 einen HPV-Impfschutz vorweisen können, sind es vom 1994er Jahrgang nur ein Fünftel und vom 1995er Jahrgang weniger als ein Sechstel.

Schlussfolgerung: Im internationalen Vergleich ist die Durchimpfungsrate eher niedrig. Allerdings wird in einer Reihe anderer Länder (Großbritannien, Australien, Spanien) die HPV-Impfung im Rahmen von Schulimpfprogrammen vorgenommen. Das Impfalter ist in Deutschland im Vergleich zu Ländern mit schulbasierten Impfsystemen hoch. In einem Impfsystem, wie in Deutschland, welches auf Freiwilligkeit und auf Nachfrage basiert, ist eine hohe Akzeptanz sowohl bei den Eltern als auch bei den Ärzten notwendig. Bezüglich der Versorgungsqualität wäre vor allem eine höhere Impfquote bei den unter 13-Jährigen anzustreben.