gms | German Medical Science

10. Deutscher Kongress für Versorgungsforschung, 18. GAA-Jahrestagung

Deutsches Netzwerk Versorgungsforschung e. V.
Gesellschaft für Arzneimittelanwendungsforschung und Arzneimittelepidemiologie e. V.

20.-22.10.2011, Köln

Hyperhidrose – die fachärztliche Versorgung aus Sicht von Patient und Arzt

Meeting Abstract

Suche in Medline nach

10. Deutscher Kongress für Versorgungsforschung. 18. GAA-Jahrestagung. Köln, 20.-22.10.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11dkvf118

DOI: 10.3205/11dkvf118, URN: urn:nbn:de:0183-11dkvf1185

Veröffentlicht: 12. Oktober 2011

© 2011 Müller.
Dieser Artikel ist ein Open Access-Artikel und steht unter den Creative Commons Lizenzbedingungen (http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/deed.de). Er darf vervielfältigt, verbreitet und öffentlich zugänglich gemacht werden, vorausgesetzt dass Autor und Quelle genannt werden.


Gliederung

Text

Hintergrund: Die Hyperhidrose ist definiert als ein Übermaß an Schwitzen, welches über das Erfordernis der Wärmeregulation hinausgeht. Hyperhidrose wird daher nicht anhand der Schweißmenge, sondern über die Fehlfunktion des Schwitzens definiert [1]. Sie hat einen erheblichen Einfluss auf das berufliche, körperliche, emotionale und soziale Leben der Betroffenen [2], [3]. Bislang fehlten jedoch Erhebungen zur Krankheitsqualität und zum Nutzen einer Arzneimitteltherapie bei Hyperhidrose aus Sicht von Patienten und behandelnden Ärzten in einer Studie. Ziel der Versorgungsanalyse war eine Evaluierung der fachärztlichen Hyperhidrose Versorgung durch Arzt und behandelten Patienten.

Material und Methoden: Die Versorgungsanalyse wurde via Mailing bei 4.400 Dermatologen und 6.000 Allgemeinärzten, Praktikern und Internisten (API) sowie in Fachzeitschriften der o.g. Fachrichtung in einer Gesamtauflage von 63.500 Beilegern angekündigt. Der Beobachtungszeitraum erstreckte sich von 1. Juli bis 31. Oktober 2010. 27 Ärzte und 96 Patienten wurden in die Auswertung aufgenommen. Ärzte und Patienten gaben Auskunft über die Dauer, die Hyperhidrosepatienten schon an der Erkrankung litten, bevor sie vorstellig wurden und wie lange sie bereits in Behandlung waren bzw. sie eine zufriedenstellende Therapie erhielten. Der behandelnde Arzt sollte Auskunft geben über die Einschränkung der Lebensqualität des Patienten je nach Lokalisation der Hyperhidrose, der Therapie-Compliance der Leitlinien basierten Therapieformen und der bisherigen Therapien der Patienten. Patienten wurden nach der Willingness-to-pay vor und nach der Therapie, einer genetischen Prädisposition, Comorbiditäten und dem Wissen zu ihrer Krankheit befragt. Der Patient Benefit Index (PBI) wurde ermittelt.

Ergebnisse: Eine positive Familienanamnese der befragten Hyperhidrotiker wurde, wie bereits in anderen Studien, mit ca. 40% ermittelt. Im Median litten Patienten zum Zeitpunkt der Befragung 60,0 Monaten (5,0 Jahre) unter Hyperhidrose. 71 der 96 Patienten gaben an, dass es im Median 12,0 Monate dauerte, bis die Diagnose Hyperhidrose gestellt wurde (0,5–240 Monate). 65 der 96 Patienten gaben Auskunft, eine zufriedenstellende Therapie seit 4,0 Monaten [Median] (0,3–144 Monate) zu erhalten.

Schlussfolgerung: Die Ermittlung der Versorgungssituation von Patienten mit übermäßigem Schwitzen aus Sicht der Betroffenen und der behandelnden Ärzte wurde in dieser Studie erstmals in Deutschland durchgeführt. Dabei sei vor allem auf die subjektive Wahrnehmung der Lebensqualität Hyperhidrotiker aus der Perspektive des Arztes und der Bekanntheit der aktuellen AWMF-Leitlinie „Primäre Hyperhidrose“ hingewiesen.

Trotz der hohen Auflage der Fachzeitschriftsbeileger und des direkten Ansprechens der Fachärzte forderte nur ein geringer Teil die Fragebögen an und war bereit selbst die Fragen zu beantworten bzw. die Fragebögen an Patienten mit übermäßigem Schwitzen weiter zu geben. Dies lässt im derzeitigen Arbeitsalltag der Ärzte auf ein geringes Interesse an der Versorgungsforschung der Hyperhidrose schließen.

Um die Versorgungsforschung in dieser Indikation voranzubringen, sollten die Ermittlung der Prävalenz in Deutschland durchgeführt und ein Outcomes-Instrument zur umfassenden Beurteilung des individuellen Patientennutzens aus jeglichen Therapiealternativen entwickelt werden.


Literatur

1.
Worle B, Rapprich S, Heckmann M. Definition and treatment of primary hyperhidrosis. J Dtsch Dermatol Ges. 2007 Jul;5(7):625-8.
2.
Lowe N, Campanati A, Bodokh I, Cliff S, Jaen P, Kreyden O, et al. The place of botulinum toxin type A in the treatment of focal hyperhidrosis. Br J Dermatol. 2004 Dec;151(6):1115-22.
3.
Strutton DR, Kowalski JW, Glaser DA, Stang PE. US prevalence of hyperhidrosis and impact on individuals with axillary hyperhidrosis: results from a national survey. J Am Acad Dermatol. 2004 Aug;51(2):241-8.