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10. Deutscher Kongress für Versorgungsforschung, 18. GAA-Jahrestagung

Deutsches Netzwerk Versorgungsforschung e. V.
Gesellschaft für Arzneimittelanwendungsforschung und Arzneimittelepidemiologie e. V.

20.-22.10.2011, Köln

Gesundheitsökonomische Evaluation von Software Assisted Medicine (SAM) bei Diabetes mellitus Patienten

Meeting Abstract

  • corresponding author presenting/speaker Florian Meier - Lehrstuhl für Gesundheitsmanagement, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Nürnberg, Deutschland
  • Oliver Schöffski - Lehrstuhl für Gesundheitsmanagement, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Nürnberg, Deutschland
  • Hans-Adolf Müller - Knappschaft Bahn-See, Bochum, Deutschland
  • Florian Fuhrmann - CompuGroup Medical Deutschland GmbH, Koblenz, Deutschland
  • Frank Ladendorf - Gesellschaft für integrierte Versorgungsformen mbH, Koblenz, Deutschland

10. Deutscher Kongress für Versorgungsforschung. 18. GAA-Jahrestagung. Köln, 20.-22.10.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11dkvf103

DOI: 10.3205/11dkvf103, URN: urn:nbn:de:0183-11dkvf1031

Veröffentlicht: 12. Oktober 2011

© 2011 Meier et al.
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Gliederung

Text

Hintergrund: Eine qualitativ hochwertige Versorgung von mittlerweile 7,5 Mio. Diabetes mellitus (DM)-Patienten fordert den Einsatz umfangreicher Ressourcen. Durch die komplexe interdisziplinäre, Sektor übergreifende Behandlung entstehen geschätzte Kosten in Höhe von jährlich 11 Mrd. €, die eine entsprechende Belastung für das Gesundheitswesen darstellen. Es wird erwartet, dass durch Software Assisted Medicine (SAM) Einsparpotenziale realisiert werden können, die dem beschriebenen Problem entgegenwirken. Das übergeordnete Ziel von SAM ist, die behandelnden Ärzte durch leistungsfähige IT-Strukturen und ergonomische Software bei der leitliniengerechten Behandlung durch aktuelles medizinisches Wissen und Prozesshilfen zu unterstützen, sie mit Kollegen zu vernetzen und damit eine evidenzbasierte und systematische Betreuung von Diabetes-Patienten zu gewährleisten.

Material und Methoden: Für die gesundheitsökonomische Evaluation von SAM standen stationäre Abrechnungsdaten sowie Apothekendaten von insgesamt 2.957 Patienten der Krankenkasse Knappschaft Bahn-See (KBS) im Zeitraum vom 1. Quartal 2007 bis zum 3. Quartal 2009 zur Verfügung. Da es für DM verschiedene Versorgungskonzepte gibt, wählte man für die Fall-Kontroll-Studie drei Referenzgruppen, die miteinander verglichen wurden. Die drei Gruppen sind Regelversorgung, Disease Management Programm (DMP) und eine spezielle SAM-Gruppe, wobei die DMP-Versicherten sowie die SAM-Patienten komplett in das prosper-Netz Saarland eingeschrieben waren und somit Effekte von regionalen Versorgungsunterschieden ausgeschlossen werden konnten. Die Gruppen wurden zwecks Vergleichbarkeit hinsichtlich relevanter Parameter (Alter, Geschlecht, Diagnosestruktur) optimiert. Um die Kosteneffekte zu messen, wurden die vorhandenen Daten der drei Gruppen in zwei Perioden aufgeteilt. Dabei wurden die jeweiligen durchschnittlichen Quartalskosten vor dem Start des SAM-Projektes (Q1 2007 – Q3 2008) mit den durchschnittlichen Quartalskosten im anschließenden Beobachtungszeitraum (Q4 2008 – Q3 2009) verglichen.

Ergebnisse: Die Ausgaben der beiden betrachteten Kostenarten sind im Evaluationszeitraum für alle drei Gruppen angestiegen, was sich auf die allgemein steigenden Gesundheitsausgaben und das zunehmende Patientenalter in den geschlossenen Referenzgruppen zurückführen lässt. Die SAM-Patienten liegen bei der prozentualen Veränderung der Gesamtausgaben mit einem Anstieg von 19,7% (von durchschnittlich 728,20€ auf durchschnittlich 871,47€), unterhalb des prozentualen Anstiegs der beiden anderen Vergleichsgruppen (DMP: 36,4% und Regelversorgung: 22,5%), die beim Evaluationsstart jeweils ein höheres Kostenniveau aufwiesen. Weitere Analysen haben gezeigt, dass bei der Arzneimittelversorgung sofortige Kosteneffekte erzielt werden können. So ist hier die SAM-Versorgung, trotz eines durchschnittlichen Anstiegs von 13,5%, im Vergleich zu den anderen beiden Gruppen prozentual und absolut gesehen vorteilhaft.

Schlussfolgerung: Das Evaluationsprojekt hat gezeigt, dass durch SAM positive Kosteneffekte bewirkt werden können. Somit kann die softwarebasierte Unterstützung der Ärzte bei der Betreuung von Diabetes-Patienten Einsparpotenziale generieren, und die Belastungen für das Gesundheitssystem im Allgemeinen und für Krankenkassen im speziellen senken. Der Einsatz von SAM sollte auch bei anderen komplexen und interdisziplinären Indikationen, die sich stark an Leitlinien orientieren, untersucht werden, um weitere Effizienzreserven zu identifizieren.