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10. Deutscher Kongress für Versorgungsforschung, 18. GAA-Jahrestagung

Deutsches Netzwerk Versorgungsforschung e. V.
Gesellschaft für Arzneimittelanwendungsforschung und Arzneimittelepidemiologie e. V.

20.-22.10.2011, Köln

Follow-up-Angaben zur Mortalität bei chirurgischen Tracern: Eine ökologische Studie zu AOK-Versicherten

Meeting Abstract

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10. Deutscher Kongress für Versorgungsforschung. 18. GAA-Jahrestagung. Köln, 20.-22.10.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11dkvf095

DOI: 10.3205/11dkvf095, URN: urn:nbn:de:0183-11dkvf0952

Veröffentlicht: 12. Oktober 2011

© 2011 Stausberg.
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Gliederung

Text

Hintergrund: Zur Bewertung der medizinischen Behandlungsqualität in der stationären Versorgung wird die routinemäßige Ermittlung von unerwünschten Ereignissen über eine längere Nachbeobachtungszeit diskutiert. Beispiele sind die Sterblichkeit ein Jahr nach stationärer Aufnahme wegen Schlaganfall oder die Revisionsrate im ersten Jahr nach Implantation einer Hüftendoprothese bei Coxarthrose. Eine längere Nachbeobachtungszeit ist sinnvoll, wenn sich die danach ermittelte Bewertung der medizinischen Behandlungsqualität von der Bewertung zum Zeitpunkt des Krankenhausaufenthaltes substantiell unterscheidet. In einer vorangehenden Untersuchung konnte bereits die Übereinstimmung der Krankenhaussterblichkeit mit der Sterblichkeit in Nachbeobachtungszeiträumen bis zu einem Jahr für konservative Tracer gezeigt werden. In einer größeren Stichprobe soll nun der Zusammenhang für chirurgische Tracer analysiert werden.

Material und Methoden: Im Rahmen einer ökologischen Studie wurden Sterblichkeitsraten aus öffentlich verfügbaren Berichten des Projekts „Qualitätsindikatoren der stationären Versorgung mit Routinedaten“ verwendet. Eingeschlossen wurden 78 Qualitätsberichte der Jahre 2006 bis 2008, darunter 70 Berichte der HELIOS Kliniken Gruppe. Für 8 Tracer werden dort beobachtete und erwartete Raten zur Mortalität im Krankenhaus sowie in 30, 90 und 360 Tagen nach Aufnahme ausgewiesen. Von den theoretisch möglichen 624 Verläufen (78 Krankenhäuser mit je 8 Tracern) standen Angaben zu 213 Verläufen aus 69 Krankenhäusern komplett zur Verfügung. Zusätzlich zu den veröffentlichten Angaben wurden Sterblichkeitsraten für die Zeiträume 31 bis 90 Tage sowie 91 bis 365 Tage nach Aufnahme berechnet. Die Übereinstimmung zwischen den verschiedenen Zeiträumen wurde für die rohen Raten sowie für die standardisierten Sterblichkeitsverhältnisse (SMR) mit dem nicht-parametrischen Korrelationskoeffizienten analysiert.

Ergebnisse: Für die nicht-chirurgischen Tracer Herzinsuffizient, Herzinfarkt und Hirninfarkt bestätigten sich die signifikanten (alle p<0,001) und relevanten (r zwischen 0,591 und 0,939) Korrelationen für die überlappenden Zeiträume ab Aufnahme. Im Gegensatz hierzu zeigt sich für die Tracer Kolon- bzw. Rektum-Operation bei kolorektalem Karzinom und Implantation einer Hüftgelenks-Endeprothese bei Hüftfraktur eine negative Korrelation der 30-Tages-Sterblichkeit zur Sterblichkeit 91 Tage bis 365 Tage nach Aufnahme (r=-0,724, p=0,012; r=-0,490, P=0,028).

Schlussfolgerung: Bei den chirurgischen Tracern zeigen Krankenhäuser mit niedriger 30-Tages-Sterblichkeit eine hohe Sterblichkeit im 2. Halbjahr nach Behandlung und umgekehrt. Sowohl eine aggressive Therapie als auch Qualitätsmängel könnten zu einem Vorziehen des Sterbezeitpunktes von Patienten mit erhöhtem Risiko führen. Für Patienten mit kolorektalem Karzinom ergibt sich ein Dilemma. Entscheiden sie sich für eines der fünf Krankenhäuser mit der niedrigsten SMR 30 Tage nach Aufnahme, treffen sie drei der fünf Krankenhäuser mit der schlechtesten SMR 1 Jahr nach Aufnahme. Entscheiden sie sich für eines der fünf Krankenhäuser mit der niedrigsten SMR 1 Jahr nach Aufnahme, treffen Sie nur eines der fünf Krankenhäuser mit der niedrigsten SMR 30 Tage nach Aufnahme. Es bedarf noch intensiver Diskussion und weiterer wissenschaftlicher Untersuchungen, um Sterblichkeitsraten für eine externe Bewertung von Krankenhäusern sinnvoll zu verwenden.


Literatur

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