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10. Deutscher Kongress für Versorgungsforschung, 18. GAA-Jahrestagung

Deutsches Netzwerk Versorgungsforschung e. V.
Gesellschaft für Arzneimittelanwendungsforschung und Arzneimittelepidemiologie e. V.

20.-22.10.2011, Köln

Evidenz-basierte aber Ethik-freie Leitlinien? Status quo und Lösungsansätze

Meeting Abstract

  • corresponding author presenting/speaker Hannes Knüppel - Medizinische Hochschule Hannover, Hannover, Deutschland
  • author Martina Schmidhuber - Medizinische Hochschule Hannover, Universität Salzburg, Salzburg, Deutschland
  • author Marcel Mertz - Medizinische Hochschule Hannover, Universität Mannheim, Mannheim, Deutschland
  • author Gerald Neitzke - Medizinische Hochschule Hannover, Hannover, Deutschland
  • author Daniel Strech - Medizinische Hochschule Hannover, Hannover, Deutschland

10. Deutscher Kongress für Versorgungsforschung. 18. GAA-Jahrestagung. Köln, 20.-22.10.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11dkvf092

DOI: 10.3205/11dkvf092, URN: urn:nbn:de:0183-11dkvf0923

Veröffentlicht: 12. Oktober 2011

© 2011 Knüppel et al.
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Gliederung

Text

Hintergrund: Klinische Leitlinien (KLL) übertragen aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse in klinische Standards und zielen damit auf eine Sicherung bzw. Verbesserung der Qualität der Patientenversorgung. Mit bestimmten Versorgungsfragen gehen z.T. spezifische klinisch-ethische Fragestellungen einher. Eine explizite und systematische Berücksichtigung dieser krankheitsspezifischen klinisch-ethischen Aspekte (KETA) ist in den gängigen Methodenmanualen zur Entwicklung von KLL kaum vorgesehen. Offen ist, ob KLL, trotz der fehlenden Vorgaben in den Methodenmanualen, Hilfestellungen für den adäquaten Umgang mit KETA geben. Weiter ist offen, wie eine angemessene Methodik für die systematische Integration von klinischer Ethik in S3- oder Nationale Versorgungsleitlinien ausgestaltet sein muss.

Material und Methoden: In einem DFG geförderten Projekt wurde zunächst eine systematische Recherche der Literatur zu KETA für Demenz und Niereninsuffizienz in Medline durchgeführt. Durch eine qualitative Themenanalyse der eingeschlossenen Literatur wurde das Spektrum von KETA für Demenz und Niereninsuffizienz dargestellt. In einer weiteren Literatursuche wurden KLL zu Demenz und Niereninsuffizienz in Medline sowie in 5 Leitlinien-spezifischen Datenbanken recherchiert (u.a. bei GIN, AWMF, US National Guideline Clearinghouse). Das qualitative Spektrum von KETA wurde als Rahmengerüst verwendet, um die gegenwärtige Berücksichtigung von ethischen Aspekten in den untersuchten Leitlinien zu evaluieren.

Ergebnisse: In der systematischen Recherche mit anschließender qualitativer Analyse wurden 56 KETA für Demenz und 18 KETA für Niereninsuffizienz ermittelt. Diese konnten fünf Hauptkategorien in dem Rahmengerüst zugeordnet werden (Indikation, Information, Entscheidungskompetenz, Soziale und Kontextabhängige Aspekte, Durchführung und Evaluation). Erste Untersuchungen der KLL ergaben eine sehr geringe Repräsentation von KETA. Die genauen Zahlen liegen nach Abschluss der Untersuchungen im Juli 2011 vor und werden im Vortrag vorgestellt und diskutiert. Neben den Ergebnissen der Auswertung werden methodische Ansätze zur Implementierung von KETA in KLL-Manuale vorgestellt.

Schlussfolgerung: Auf Grund der großen Bedeutung eines adäquaten Umgangs mit KETA liegt deren Integration in KLL nahe. Bislang fehlen jedoch evaluierte Methoden, um dies möglichst systematisch und transparent zu gestalten. Die hier vorgestellten Ergebnisse bilden einen Grundstein, von dem ausgehend es weiterer Konzept- und Evaluationsforschung zu Fragen der systematischen Berücksichtigung von KETA in der Leitlinienentwicklung bedarf.