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10. Deutscher Kongress für Versorgungsforschung, 18. GAA-Jahrestagung

Deutsches Netzwerk Versorgungsforschung e. V.
Gesellschaft für Arzneimittelanwendungsforschung und Arzneimittelepidemiologie e. V.

20.-22.10.2011, Köln

Erhöhung der Arzneimitteltherapiesicherheit bei nierentransplantierten Patienten durch Förderung der Compliance

Meeting Abstract

  • corresponding author presenting/speaker Katja Weber - Institut für Klinische Pharmakologie und Toxikologie, Charité - Universitätsmedizin Berlin, Berlin, Deutschland
  • author Sandra Gerlach - Apotheke der Charité - Universitätsmedizin Berlin, Berlin, Deutschland
  • author Susanne Schwickert - Apotheke der Charité - Universitätsmedizin Berlin, Berlin, Deutschland
  • author Ulrike Trost - Apotheke der Charité - Universitätsmedizin Berlin, Berlin, Deutschland
  • author Susan Bischoff - Apotheke der Charité - Universitätsmedizin Berlin, Berlin, Deutschland
  • author Ralf Schindler - Medizinische Klinik mit Schwerpunkt Nephrologie und internistische Intensivmedizin, Charité - Universitätsmedizin Berlin, Berlin, Deutschland
  • author Stefan Schwenzer - ID - Information und Dokumentation im Gesundheitswesen GmbH & Co. KGaA, Berlin, Deutschland
  • author Marion Schaefer - Institut für Klinische Pharmakologie und Toxikologie, Charité - Universitätsmedizin Berlin, Berlin, Deutschland

10. Deutscher Kongress für Versorgungsforschung. 18. GAA-Jahrestagung. Köln, 20.-22.10.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11dkvf085

DOI: 10.3205/11dkvf085, URN: urn:nbn:de:0183-11dkvf0858

Veröffentlicht: 12. Oktober 2011

© 2011 Weber et al.
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Gliederung

Text

Hintergrund: Für Patienten mit terminaler Niereninsuffizienz ist eine Nierentransplantation die Therapie der Wahl. Nach der Transplantation werden sie auf eine komplexe Arzneimitteltherapie eingestellt, wobei die meist lebenslange Einnahme der immunsuppressiven Arzneimittel mit einem erhöhten Risiko für Wechselwirkungen und unerwünschte Arzneimittelwirkungen einhergeht. Das Auftreten dieser arzneimittelbezogenen Probleme, aber auch fehlendes Wissen sowie das Gefühl der Überforderung sind vielfach Ursache für Non-Compliance [1], [2]. Ein hoher Grad an Komorbidität ist ebenso mit geringerer Compliance assoziiert [3]. Dabei ist eine gute Compliance, insbesondere hinsichtlich der immunsuppressiven Therapie, eine wichtige Voraussetzung für eine ordnungsgemäße Funktion und den Erhalt des transplantierten Organs. Untersucht wird, ob eine interdisziplinäre Betreuung, die den Apotheker an allen Schnittstellen der Versorgung einbezieht, die Compliance und das Patientenwissen verbessert sowie das Auftreten weiterer arzneimittelbezogener Probleme reduziert.

Material und Methoden: Die Studie ist eine im Rahmen des „Aktionsplans Arzneimitteltherapiesicherheit“ vom BMG geförderte monozentrische, prospektive, offene, randomisierte Interventionsstudie mit Kontrollgruppendesign. Die Interventionsgruppe erhält neben der ärztlichen Beratung stationär und ambulant über ein Jahr eine umfassende zusätzliche Betreuung durch den Apotheker. Die Kontrollgruppe wird ausschließlich ärztlich betreut. Die Maßnahmen zur Förderung der Compliance umfassen patientenindividuelle Schulungen, Verständnistests von Arzneimittelinformationen sowie die Unterstützung des Selbstmanagements in der Arzneimitteltherapie hinsichtlich der Immunsuppressiva und der Komedikation. Zur Erfassung der Compliance wird der Essener Compliance Score eingesetzt. Ergänzend dazu erhalten die Patienten Fragebögen zur Selbsteinschätzung bzw. Befürchtungen sowie zur Lebensqualität (SF-36 Health Survey). Darüber hinaus erfolgt eine EDV-gestützte Dokumentation arzneimittelbezogener Probleme mittels des in die Medikations-Software ID Diacos® Pharma integrierten PIE-Doc©-Formulars. Die Auswertung erfolgt im intra- und interindividuellen Vergleich.

Ergebnisse: Die Untersuchungen zum krankheitsbezogenen Patientenwissen, Verständnis und Selbstmanagement, die zu definierten Erhebungszeitpunkten dokumentiert werden, dienen als Indikator für die Umsetzung und Anwendbarkeit der Schulungsinhalte durch die Patienten. Zudem lassen sich anhand der Auswertung der erkannten arzneimittelbezogenen Probleme die Ursachen und deren Vermeidungspotenzial abschätzen. Mit der abschließenden Interpretation der Ergebnisse können Rückschlüsse auf den Erfolg der durchgeführten Maßnahmen und damit auf die Compliance gezogen werden.

Schlussfolgerung: Die Umsetzung der individuellen, strukturierten Betreuung nierentransplantierter Patienten, die den Apotheker an allen Schnittstellen einbezieht, ermöglicht eine nachhaltige Förderung der Compliance und dadurch eine Verbesserung der Arzneimitteltherapiesicherheit. Darauf basierend soll das Konzept der Studie etabliert und ausgebaut werden. Hierbei ist insbesondere der interdisziplinäre Ansatz eine optimale Voraussetzung für die Gestaltung der künftigen Zusammenarbeit.


Literatur

1.
Denhaerynck K, Schäfer-Keller P, Young J, Steiger J, Bock A, De Geest S. Examining assumptions regarding valid electronic monitoring of medication therapy: development of a validation framework and its application on a European sample of kidney transplant patients. BMC Med Res Methodol. 2008; 19(8): 5.
2.
Dobbels F, Vanhaecke J, Dupont L, Nevens F, Verleden G, Pirenne J, De Geest S. Pretransplant predictors of posttransplant adherence and clinical outcome: an evidence base for pretransplant psychosocial screening. Transplantation. 2009; 87(10): 1497-504.
3.
Goldfarb-Rumyantzev AS, Wright S, Ragasa R, Ostler D, Van Orden J, Smith L, Efimova E, Emerson L, Sandhu GS, Shihab F. Factors Associated with Nonadherence to Medication in Kidney Transplant Recipients. Nephron Clin Pract. 2010; 117(1): c33-c39.