gms | German Medical Science

10. Deutscher Kongress für Versorgungsforschung, 18. GAA-Jahrestagung

Deutsches Netzwerk Versorgungsforschung e. V.
Gesellschaft für Arzneimittelanwendungsforschung und Arzneimittelepidemiologie e. V.

20.-22.10.2011, Köln

Berufsalltagspraktische therapeutische Empfehlungen zur Steigerung der Adhärenz bei der Wiederaufnahme der beruflichen Tätigkeit

Meeting Abstract

Suche in Medline nach

  • corresponding author presenting/speaker Anke Menzel-Begemann - Universität Bielefeld - Fak. f. Gesundheitswissenschaften - AG Versorgungsforschung und Pflegewissenschaft, Bielefeld, Deutschland

10. Deutscher Kongress für Versorgungsforschung. 18. GAA-Jahrestagung. Köln, 20.-22.10.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11dkvf029

DOI: 10.3205/11dkvf029, URN: urn:nbn:de:0183-11dkvf0299

Veröffentlicht: 12. Oktober 2011

© 2011 Menzel-Begemann.
Dieser Artikel ist ein Open Access-Artikel und steht unter den Creative Commons Lizenzbedingungen (http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/deed.de). Er darf vervielfältigt, verbreitet und öffentlich zugänglich gemacht werden, vorausgesetzt dass Autor und Quelle genannt werden.


Gliederung

Text

Hintergrund: Die berufliche Wiedereingliederung ist für die meisten Betroffenen ein zentrales Anliegen. Nach erworbenen Hirnschädigungen stehen die Betroffenen oftmals jedoch vor einer großen Herausforderung, wenn sie in den Berufsalltag zurückkehren möchten. Dies gilt auch für leichter betroffene Patient(inn)en, die häufig Einschränkungen im Bereich der Aufmerksamkeit, des Gedächtnisses oder der Planungsfähigkeit anfangs gar nicht oder nur unzureichend wahrnehmen und die Bedeutung für die Bewältigung des Alltags unterschätzen ([1]). Diese mangelnde Krankheitseinsicht geht weiterhin damit einher, dass die Patient(inn)en ihre Leistungsfähigkeit überschätzen und versuchen, unmittelbar an gewohnte Abläufe anzuknüpfen. Therapeutische Empfehlungen, die ein Aufbrechen alter Gewohnheiten verlangen, werden daher nur unzureichend umgesetzt und damit die berufliche Reintegration behindert. Das Konzept BOMeN, das sich an Schlaganfall- und Schädelhirntraumapatient(inn)en bis 60 Jahre mit prognostisch positivem berufsbezogenen Leistungsprofi richtet, setzt daher auf eine beruflich orientierte Behandlung, die die individuellen beruflichen Kontexte berücksichtigt und im Rahmen einer intensiven Patientenschulung berufsalltagspraktische Handlungsempfehlungen gibt. So werden die „Patienten (...) mit notwendigen Informationen, Erfahrungen und Unterstützung versorgt, um ein bestmögliches Selbstmanagement [bei der Wiedereingliederung] zu gewährleisten“ ([2], S. 233).

Material und Methoden: Innerhalb der beruflich orientierten Intervention werden durch Wissensvermittlung und vor allem durch praktische Elemente klare Bezüge zu erwerbsbezogenen Anforderungen hergestellt und die Bedeutung der therapeutischen Empfehlungen für den Alltag verdeutlicht. Die Betroffenen werden dadurch in ihrer Krankheitsverarbeitung sowie beim Erwerb von Kompetenzen zur Bewältigung arbeitsrelevanter Folgen und bei der (Re)Aktivierung vorhandener Ressourcen unterstützt.

Das Konzept wird mittels kontrollierter, randomisierter Interventionsstudie evaluiert, bei der 297 Patient(inn)en in zwei Kliniken nach dem Standard- oder BOMeN-Konzept behandelt und zu fünf Zeitpunkten (Reha-Beginn, Reha-Ende, 6, 12, und 15 Monate nach der Reha) befragt wurden. Vor dem Hintergrund des Tagungsthemas soll der Frage nachgegangen, ob eine berufsalltagsnahe Behandlung die Umsetzung der Therapieempfehlungen erhöhen kann.

Ergebnisse: Die Ergebnisse zeigen sowohl sechs als auch 15 Monate nach der Behandlung keine Gruppenunterschiede in der Umsetzung allgemein auf den Alltag bezogener Empfehlungen. Ein signifikanter Unterschied hingegen zeigt sich sowohl mittel- als auch langfristig in der Umsetzung konkret auf den Beruf bezogener Empfehlungen (6 Monate: p=010, d=37; 15 Monate: p=46, d=29).

Schlussfolgerung: Aus den Ergebnissen kann geschlussfolgert werden, dass konkrete und (berufs-)kontextnahe Anregungen die Umsetzung und auch längerfristige Beibehaltung der therapeutischen Empfehlungen fördern und sie damit einen wichtigen Beitrag zur Nachhaltigkeit rehabilitativer Maßnahmen und zur Unterstützung einer erfolgreichen beruflichen Wiedereingliederung leisten.


Literatur

1.
Fischer S, Scholler I. Bank, Post, Metzgerei. Erinnern, Planen, Organisieren im Alltag – Umgang mit kognitiven Störungen. In: Fries W, Lössl H, Wagenhäuser S, eds. Teilhaben! Neue Konzepte der NeuroRehabilitation – für eine erfolgreiche Rückkehr in Alltag und Beruf. Stuttgart: Thieme; 2007. p. 99-114.
2.
Heesen C, Berger B, Hamann J, Kasper J. Empowerment, Adhärenz, evidenzbasierte Patienteninformation und partizipative Entscheidungsfindung bei MS – Schlagworte oder Wegweiser? Neurologie & Rehabilitation.2006;12 (4):232-238.