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10. Deutscher Kongress für Versorgungsforschung, 18. GAA-Jahrestagung

Deutsches Netzwerk Versorgungsforschung e. V.
Gesellschaft für Arzneimittelanwendungsforschung und Arzneimittelepidemiologie e. V.

20.-22.10.2011, Köln

Adjustierung für Patientenmerkmale bei der Auswertung von Patientenbefragungen

Meeting Abstract

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10. Deutscher Kongress für Versorgungsforschung. 18. GAA-Jahrestagung. Köln, 20.-22.10.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11dkvf004

DOI: 10.3205/11dkvf004, URN: urn:nbn:de:0183-11dkvf0047

Veröffentlicht: 12. Oktober 2011

© 2011 Kowalski et al.
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Gliederung

Text

Hintergrund: Systematische Patientenbefragungen sind ein verbreitetes Instrument im Rahmen des Qualitätsmanagements in der ambulanten und stationären Versorgung. Häufig ermöglichen derartige Befragungen den Vergleich von Versorgungseinrichtungen mit der Konsequenz, dass einzelne Versorgungseinrichtungen sichtbar besser oder schlechter abschneiden als andere. Dieses Vorgehen wiederum macht es erforderlich zu prüfen, ob die bei der Auswertung der Befragungen gefundenen Unterschiede tatsächlich die erlebte Versorgungsrealität angemessen wiedergeben und nicht lediglich Resultat der unterschiedlichen Zusammensetzung der Befragten in den Versorgungseinrichtungen sind. Obgleich häufig gefordert, werden in der Literatur nur selten das statistische Vorgehen und zugleich die Kriterien zur Auswahl der relevanten Variablen zur Adjustierung bei Patientenbefragungen beschrieben. Auch wird in bisherigen Untersuchungen kaum diskutiert, ob eine Case-Mix-Adjustierung bei Patientenbefragungen in sehr homogenen Stichproben überhaupt zu unterschiedlichen Ergebnissen führt. Dies versucht dieser Beitrag zu leisten.

Material und Methoden: Anhand der Befragungsdaten von 3856 Brustkrebspatientinnen aus 52 nordrhein-westfälischen Brustzentren aus dem Jahre 2010 wird untersucht, welche Patientenmerkmale zur Adjustierung von Zufriedenheitsratings sinnvollerweise herangezogen werden können und ob sich nach Adjustierung die Werte der Zentren sowie deren Position im Ranking für die unterschiedlichen Zufriedenheitsdimensionen ändern. Als Adjustorvariablen werden Alter, Bildungsabschluss, Muttersprache, die allgemeine Gesundheitswahrnehmung, das Stadium, Grading, ASA-Klassifikation, die betroffene Brust, die Art der Operation, der Versichertenstatus, der Partnerschaftsstatus sowie die Zeit zwischen Operationsdatum und Eingang des ausgefüllten Fragebogens berücksichtigt. Die Werte für die Brustzentren werden als risikoadjustierte Mittelwerte dargestellt und mit den beobachteten Werten verglichen.

Ergebnisse: Es zeigen sich lediglich geringfügige Unterschiede zwischen den (nicht-adjustierten) beobachteten und den adjustierten Mittelwerten. Auch die Rangfolge der Brustzentren ändert sich nach Adjustierung kaum.

Schlussfolgerung: Der Nutzen der Adjustierung bleibt in dieser Analyse ebenso wie in vorherigen Untersuchungen mit heterogeneren Studienpopulationen begrenzt. Die durch die Adjustoren erklärte Varianz der abhängigen Variablen ist klein, bei Verzicht auf den diskussionswürdigen subjektiven Gesundheitszustand nimmt diese weiter ab. Letztlich kann aus unserer Sicht keine klare Empfehlung für oder gegen eine Casemix-Adjustierung bei Patientenpopulationen wie der hier untersuchten ausgesprochen werden. Den – wenn auch kleinen – Effekten für eine gerechtere Berichterstattung von Patientenbefragungen stehen bislang ungelöste methodische Herausforderungen gegenüber, beispielsweise das Erfordernis umfangreicher Datenmanipulationen im Rahmen der Imputation fehlender Werte. Ebenfalls von Bedeutung und in der Diskussion bislang nur selten Gegenstand ist die inhaltliche Bedeutung der Assoziation von Patientenmerkmalen mit besserer oder schlechterer Bewertung in Befragungen. Eine Adjustierung für die betreffenden Merkmale würde diese Befunde verschwinden lassen und keinen Beitrag zur Verbesserung der Versorgung leisten können.