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10. Deutscher Kongress für Versorgungsforschung, 18. GAA-Jahrestagung

Deutsches Netzwerk Versorgungsforschung e. V.
Gesellschaft für Arzneimittelanwendungsforschung und Arzneimittelepidemiologie e. V.

20.-22.10.2011, Köln

10-Jahres-Trend in der Verordnung von Opioiden – Daten der Versichertenstichprobe AOK Hessen/KV Hessen der Jahre 2000 bis 2009

Meeting Abstract

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  • corresponding author presenting/speaker Peter Ihle - PMV foschungsgruppe, Universität zu Köln, Köln, Deutschland
  • author Rainer Sabatowski - UniversitätsSchmerzCentrum (USC), Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden, Dresden, Deutschland
  • author Ingrid Schubert - PMV foschungsgruppe, Universität zu Köln, Köln, Deutschland

10. Deutscher Kongress für Versorgungsforschung. 18. GAA-Jahrestagung. Köln, 20.-22.10.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11dkvf001

DOI: 10.3205/11dkvf001, URN: urn:nbn:de:0183-11dkvf0012

Veröffentlicht: 12. Oktober 2011

© 2011 Ihle et al.
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Gliederung

Text

Hintergrund: In den 1990er Jahren wurde eine Unterversorgung von Tumor- und Schmerzpatienten mit Opioiden problematisiert. Seit Mitte der 1990er Jahren ist nach Angaben des GKV-Arzneimittelindex eine kontinuierliche Zunahme der Opioidverordnungen zu beobachten: 2002 lag die Anzahl der abgegebenen Tagesdosen erstmals über den Nichtopioid-Analgetika [1]. Von Interesse sind jedoch nicht nur die Entwicklungen der Pro-Kopf-Verbräuche, sondern versichertenbezogene Analysen. Ziel der Studie ist deshalb die Untersuchung sowohl der Behandlungsprävalenz nach Art der Opioide als auch deren Einsatz bei Tumor- und Nichttumorerkrankungen über einen Zeitraum von zehn Jahren (2000 bis 2009).

Material und Methoden: Datenbasis ist die Versichertenstichprobe AOK Hessen/KV Hessen, eine 18,75%ige Zufallsstichprobe aller Versicherten der AOK Hessen. Im Jahr 2000 lag der Stichprobenumfang bei 326.599 Versicherten (51% Frauen, Durchschnittsalter 43,9 Jahre, Mortalitätsrate 1,5%) 2009 bei n=264.982 Personen (51,9% Frauen; Durchschnittsalter 46,4 Jahre, Mortalitätsrate 1,6%). Ausgewertet wurden die Opioide (ATC N02A), nicht berücksichtigt wurden Codein, Codeinkombinationen und Methadon. Die Ergebnisse werden auf die Stichtagsbevölkerung Deutschlands zum 31. Dez. des jeweiligen Jahres standardisiert. Es wurde von einer Opioidverordnung für eine Tumorerkrankung ausgegangen, wenn im Verordnungsjahr eine Tumordiagnose (ICD-10 Kapitel II, C00 bis C97 ohne C44) kodiert war.

Ergebnisse: Im Jahr 2000 erhielten 3,74% der Bevölkerung (M: 2,99%, F: 4,46%) mindestens eine Opioidverordnung. 2009 lag die Behandlungsprävalenz bei 4,55% (M: 3,78%, F: 5,3%). Die Behandlungsprävalenz nahm somit um 21,7%, die Zahl der Tagesdosen um 187,2% und die DDD/Empfänger um 138,8% zu. An erster Stelle steht die Verordnung von Tramadol (2000: 2,65%, 2009: 2,44%), gefolgt von Tilidin/Naloxon (2000: 0,78%, 2009: 1,4%). WHO-Stufe-3-Opioide erhielten im Jahr 2000 0,72% der Versicherten, in 2009 1,29%. Die Behandlungsprävalenz mit retardierten Präparaten nahm deutlich zu (2000: 1,04%, 2009: 2,58%), bei Pflasterzubereitungen stieg sie von 0,20% im Jahr 2000 auf 0,66% im Jahr 2009. Der Anteil der Opioidempfänger mit einer Einmalverordnung nahm deutlich ab (2000: 55,0%, 2009: 40,7%). Im Jahr 2000 war bei 83,8% der Opioidpatienten keine Tumordiagnose dokumentiert. Dieser Anteil lag im Jahr 2009 mit 79,6 % etwas niedriger. Zeigten sich im Jahr 2000 noch deutliche Unterschiede in der durchschnittlichen Anzahl an Opioid-Tagesdosen zwischen Opioid-Empfängern mit und ohne Tumordiagnose (kein Tumor: 61 DDD, Tumor: 88 DDD), lagen die durchschnittlichen Tagesdosen in 2009 in den beiden Gruppen deutlich höher und näher zusammen (kein Tumor: 154 DDD, Tumor: 164 DDD).

Schlussfolgerung: Im Beobachtungszeitraum von 10 Jahren nahm nicht nur die Zahl der Opioidempfänger, sondern auch die Zahl der Tagesdosen je Empfänger deutlich zu. Der Anstieg ist insbesondere bei retardierten Opioiden und Opioiden der WHO-Stufe 3 zu beobachten. Der überwiegende Anteil der Verordnungen erfolgt für Nichttumorschmerzen. Die durchschnittliche Anzahl an verordneten Tagesdosen hat sich weitgehend angeglichen. Hier scheinen heute im Vergleich zum Jahr 2000 längere und/oder intensivere Therapien durchgeführt zu werden.


Literatur

1.
Böger RH, Schmidt G. Analgetika. In: U Schwabe, D Paffrath, Hrsg. Arzneiverordnungs-Report 2010. Berlin, Heidelberg: Springer Verlag; 2010. p. 253-269.