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7. Deutscher Kongress für Versorgungsforschung des Deutschen Netzwerks für Versorgungsforschung

16. - 18.10.2008, Köln

Verbesserung der Arzneimittelsicherheit und Dosierungsoptimierung durch die elektronische Verordnungssoftware TheraOpt® – eine Pilotstudie auf einer internistischen Station

Meeting Abstract

  • Anke H. Bußmann - Medizinische Hochschule Hannover, Institut für Klinische Pharmakologie, Hannover
  • Monique K. Völkel - Medizinische Hochschule Hannover, Institut für Klinische Pharmakologie, Hannover
  • Anette Woermann - Marienhospital Gelsenkirchen, Gelsenkirchen
  • Jürgen Schirp - Marienhospital Gelsenkirchen, Gelsenkirchen
  • Jürgen C. Frölich - Medizinische Hochschule Hannover, Institut für Klinische Pharmakologie, Hannover

7. Deutscher Kongress für Versorgungsforschung des Deutschen Netzwerks für Versorgungsforschung. Köln, 16.-18.10.2008. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2008. DocP6.4

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dkvf2008/08dkvf177.shtml

Veröffentlicht: 6. Oktober 2008

© 2008 Bußmann et al.
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Gliederung

Text

Fragestellung: Kann die elektronische Verordnungssoftware TheraOpt® die häufigsten Medikationsfehler (Über- und Unterdosierung, Interaktionen, Allergien) zu verhindern helfen?

Methoden: Auf einer internistischen Station in einem allgemeinen 500-Betten-Krankenhaus wurden über einen Zeitraum von elf Wochen die Visiten begleitet und die ärztliche Therapie mit Hilfe von TheraOpt® erfasst. Die tatsächlich verordneten Dosierungen wurden mit den durch die Verordnungssoftware berechneten Dosierungen verglichen, welche die jeweiligen individuellen Patientenparameter Alter, Geschlecht, Größe, Gewicht, Leber- und Nierenfunktion berücksichtigt. Des Weiteren wurden aufgetretene Interaktionen und Allergien durch TheraOpt® erkannt, klassifiziert und dokumentiert. Die beschriebene Studie wurde von der Ethikkommission der Medizinischen Hochschule Hannover genehmigt.

Ergebnisse: Im Studienzeitraum wurden 123 Patienten mit insgesamt 1811 Verordnungen (14,7±8,0 Verordnungen pro Patient) beobachtet. Für 995 Verordnungen konnte eine Dosisberechnung durchgeführt werden. 432 der elektronisch berechneten Dosierungen (43%) waren identisch mit der vom Arzt verordneten Dosierung. Bei 415 Dosierungen (42%) war die Abweichung zwischen verordneter und berechneter Dosis größer/gleich 50% der berechneten Dosis. Davon waren 191 berechnete Dosierungen (46%) größer als die tatsächlich verordneten Dosierungen und 224 berechnete Dosierungen (54%) geringer als die verordneten Dosierungen. Die abweichenden Dosierungen sind unter anderem durch die fehlende Anpassung an Alter, Gewicht und Nierenfunktion zu erklären.

Pro Patient traten durchschnittlich 3,9 potentielle Interaktionen auf. Von den insgesamt 474 entdeckten potentiellen Interaktionen waren acht schwerwiegend, 135 mittelschwer, 321 geringfügig. Zehn Interaktionen konnten keiner Klasse zugeordnet werden.

Von 14 dokumentierten relevanten Allergien wurde bei neun Verordnungen vor einer nicht erkannten Kreuzallergie gewarnt. Somit bestand bei zwölf von 123 Patienten ein hohes Gefährdungspotential (schwerwiegende Interaktionen, Kreuzallergie).

Schlussfolgerung: Die Risiken der Arzneitherapie können durch TheraOpt® erheblich gesenkt werden: Über- und Unterdosierungen, Allergien und Kreuzallergien und Interaktionen können mit Hilfe dieser Software im Vergleich zur gängigen Praxis deutlich besser erkannt und vermieden werden.