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7. Deutscher Kongress für Versorgungsforschung des Deutschen Netzwerks für Versorgungsforschung

16. - 18.10.2008, Köln

Statinverschreibung und ihre Assoziation mit Muskelbeschwerden bei hausärztlichen Patienten – eine Querschnittsuntersuchung

Meeting Abstract

  • Dirk Moßhammer - Uni-Klinikum Tübingen, Lehrbrereich Allgemeinmedizin, Tübingen
  • Rainer Muche - Uni-Klinikum Ulm, Institut für Biometrie, Ulm
  • Klaus Mörike - Uni-Klinikum Tübingen, Klinische Pharmakologie, Tübingen
  • Sabine Meznaric - Uni-Klinikum Tübingen, Lehrbrereich Allgemeinmedizin, Tübingen
  • Janina Schwarz - Uni-Klinikum Tübingen, Lehrbrereich Allgemeinmedizin, Tübingen
  • Gernot Lorenz - Uni-Klinikum Tübingen, Lehrbrereich Allgemeinmedizin, Tübingen

7. Deutscher Kongress für Versorgungsforschung des Deutschen Netzwerks für Versorgungsforschung. Köln, 16.-18.10.2008. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2008. DocP6.1

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dkvf2008/08dkvf175.shtml

Veröffentlicht: 6. Oktober 2008

© 2008 Moßhammer et al.
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Gliederung

Text

Fragestellung: In Deutschland nehmen ca. 4 Mio. Patienten Statine ein [1], entsprechend ca. 5% der Gesamtbevölkerung. Die Marktrücknahme von Cerivastatin im Jahr 2001 weckte großes Interesse an den muskulären Nebenwirkungen von Statinen, die insgesamt sichere Medikamente sind. Die lebensbedrohliche Rhabdomyolyse als muskuläre Nebenwirkung ist sehr selten [2]. Es kommt hingegen bei bis zu 7 bis 11% der Patienten unter Statintherapie in klinischen Studien zu muskulären Nebenwirkungen. Die Vermutung liegt nahe, dass in der ambulanten Versorgung und unter normalen Dosierungen sowohl Ärzte als auch Patienten Muskelbeschwerden leicht übersehen oder nicht wahrnehmen [3]. Ziel der Studie war es, die Prävalenz von Muskelbeschwerden bei hausärztlichen Patienten im Zusammenhang mit der Verschreibung von Statinen zu untersuchen.

Methoden: Standardisierte Befragung auf Muskelbeschwerden von 1031 konsekutiven Patienten über 50 Jahre in 26 hausärztlichen Praxen. Nach Multikollinearitätsprüfung und Prüfung auf einflussreiche Beobachtungen logistische Regressionsanalyse (backward selection, p<0.1) mit Berechnung der Odds-ratios (OR) [4].

Ergebnisse: Die Prävalenz von Muskelbeschwerden belief sich auf 40% (n=411) und von Statineinnahme auf 23% (n=239). 44% der Patienten mit Muskelbeschwerden bekamen Statine verschrieben (n=106). Patienten ohne Statinverschreibung hatten in 39% (n=305) Muskelbeschwerden. Statinverschreibung und zehn weitere Einflussvariablen finden sich im Endmodell der logistischen Regressionsanalyse. Statinverschreibung ist assoziiert mit einer signifikanten 1,5-fachen Erhöhung an Muskelbeschwerden im Vergleich zur Nichtverschreibung (OR=1,5 [95%-Konfidenzinterval 1,1-2,0], p=0,02).

Schlussfolgerung: Diese Querschnittsstudie beweist keine kausale Beziehung zwischen Muskelbeschwerden und der Einnahme oder Verschreibung von Statinen. Unsere Daten implizieren jedoch, dass die Einnahme von Statinen als unabhängiger Faktor von Muskelbeschwerden bei hausärztlichen Patienten zu Tage tritt und häufiger ist als bislang angenommen wurde.


Literatur

1.
Klose G, Schwabe U. Lipidsenkende Mittel. In: Schwabe U, Paffrath D, Hrsg. Arzneiverordnungs-Report 2006. Heidelberg: Springer Verlag; 2007.
2.
Gotto AM Jr. Statins, cardiovascular disease, and drug safety. Am J Cardiol. 2006;97(8A):3C-5C.
3.
Corsini A. Statin-related muscle complaints: an underestimated risk. Cardiovasc Drugs Ther. 2005;19(6):379-81.
4.
Muche R, Ring C, Ziegler C. Entwicklung und Validierung von Prognosemodellen auf Basis der logistischen Regression. Aachen: Shaker Verlag; 2005.