gms | German Medical Science

7. Deutscher Kongress für Versorgungsforschung des Deutschen Netzwerks für Versorgungsforschung

16. - 18.10.2008, Köln

Effektivität der Hypertonieschulung in der Steiermark

Meeting Abstract

  • Ivo Rakovac - Joanneum Research, Institut für Medizinische Systemtechnik und Gesundheitsmanagement, Graz, Österreich
  • Peter Beck - Joanneum Research, Institut für Medizinische Systemtechnik und Gesundheitsmanagement, Graz, Österreich
  • Peter Mrak - LKH Hörgas - Enzenbach, Abteilung für Innere Medizin, Gratwein, Österreich
  • Robert Zweiker - Medizinische Universität Graz, Abteilung für Kardiologie, Graz, Österreich
  • Andrea Siebenhofer - Medizinische Universität Graz, EBM Review Center, Graz, Österreich
  • Thomas Pieber - Medizinische Universität Graz, Universitätsklinik für Innere Medizin, Diabetesambulanz, Graz, Österreich

7. Deutscher Kongress für Versorgungsforschung des Deutschen Netzwerks für Versorgungsforschung. Köln, 16.-18.10.2008. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2008. DocP3.8

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dkvf2008/08dkvf153.shtml

Veröffentlicht: 6. Oktober 2008

© 2008 Rakovac et al.
Dieser Artikel ist ein Open Access-Artikel und steht unter den Creative Commons Lizenzbedingungen (http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/deed.de). Er darf vervielf&aauml;ltigt, verbreitet und &oauml;ffentlich zug&aauml;nglich gemacht werden, vorausgesetzt dass Autor und Quelle genannt werden.


Gliederung

Text

Fragestellung: Hypertonie ist einer der verbreitetsten modifizierbaren Risikofaktoren für das Entstehen kardiovaskulärer Komplikationen. In diesem Abstract berichten wir über die Effektivität der Hypertonieschulung im österreichischen Bundesland Steiermark.

Methoden: Seit Sommer 2005 honoriert die Steiermärkische Gebietskrankenkasse Hypertonieschulungen nach Düsseldorfer Modell [1] in der Steiermark. Zusätzlich zur Schulung nach Düsseldorfer Modell ist vorgesehen, dass Patienten 12 bis 18 Monate nach der Grundschulung eine Nachschulung bekommen und nachuntersucht werden. Wegen der hohen Prävalenz der Hypertonie wurde die Schulung vorerst nur für Hochrisiko-Patienten mit New Zealend Risk Score >=15% und Blutdruckwerten >=160/95 mmHg trotz einer medikamentösen antihypertensiven Therapie honoriert.

Ergebnisse: Bis Mai 2008 wurden 722 Patienten in 26 Zentren (Praxen oder Spitälern) geschult, wobei 229 Patienten nachuntersucht wurden. Die Nachuntersuchungsrate lag nach 2 Jahren bei 50%. Das durchschnittliche Alter lag bei 63 ± 12 Jahren, 53% der Patienten waren weiblich. Der Vergleich zwischen Basis- und Nachschulung (Mittlerer Zeitabstand ein Jahr) ergab folgende Verbesserungen: Blutdruck sank von 161 ± 19 / 90 ± 11 mmHg auf 142 ± 18 / 82 ± 11 mmHg (p<0,001), BMI von 29,4 ± 5,1 kg/m2 auf 29,1 ± 5,1 kg/m2 (p=0.005, entspricht einem Gewichtsverlust von 1 ± 4 kg, p<0,001). Die folgenden Änderungen der antihypertensiven Therapie waren bemerkbar: Der Anteil jener Patienten, die ihren Lebensstil zur Therapie der Hypertonie umstellten, nahm von 29% vor der Basisschulung auf 73% (p<0,001) bei der Nachschulung zu. Bei der Nachuntersuchung war auch eine Zunahme der Verordnung von Diuretika (von 61% auf 68%, p=0,003) und Ca-Antagonisten (von 30% auf 39%, p<0,001) bemerkbar. Die Änderungen in der Verschreibung anderer Substanzklassen der blutdrucksenkenden Medikamente waren nicht statistisch signifikant.

Schlussfolgerung: Die Hypertonieschulung in der Steiermark ist effektiv, und die erreichte Blutdrucksenkung ist groß und klinisch relevant. Es wurde jedoch bislang nur eine geringe Anzahl an Patienten geschult, was sicherlich auch auf die restriktiven Einschlusskriterien zurückzuführen ist. In Zukunft sollen Strategien erarbeitet werden, um die Anzahl der geschulten Patienten zu steigern.


Literatur

1.
Mühlhauser I, Sawicki PT, Didjurgeit U, Jörgens V, Trampisch HJ, Berger M: Evaluation of a structured treatment and teaching programme on hypertension in general practice. Clin Exp Hypertens. 1993, 15(1):125-42