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7. Deutscher Kongress für Versorgungsforschung des Deutschen Netzwerks für Versorgungsforschung

16. - 18.10.2008, Köln

Innovationsinduzierte neue Krankheitsbilder im Rahmen der klassischen Nutzenbewertung: Werden diese angemessen erfasst und in der ethisch motivierten Nutzen-Schaden-Abwägung berücksichtigt?

Meeting Abstract

  • Charalabos-Markos Dintsios - Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen, Gesundheitsökonomie, Köln
  • Annegret Herrmann-Frank - Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen, Nichtmedikamentöse Verfahren, Köln
  • Fritz Fülöp Scheibler - Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen, Nichtmedikamentöse Verfahren, Köln
  • Sigrid Droste - Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen, Nichtmedikamentöse Verfahren, Köln

7. Deutscher Kongress für Versorgungsforschung des Deutschen Netzwerks für Versorgungsforschung. Köln, 16.-18.10.2008. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2008. DocP1.6

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dkvf2008/08dkvf131.shtml

Veröffentlicht: 6. Oktober 2008

© 2008 Dintsios et al.
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Gliederung

Text

Fragestellung: Ziel ist die Prüfung von Innovationen hinsichtlich ihres Potentials, technologieinduzierte Erkrankungen zu verursachen sowie deren Erfassung und Berücksichtigung im Rahmen von ethischen Nutzen/Schaden-Abwägungen in HTA-Berichten bzw. systematischen Reviews.

Methoden: In bibliografischen Datenbanken wurde eine systematische Recherche durchgeführt und deren Ergebnisse gescreent. Technologieassoziierte Krankheiten wurden eingeschlossen, Arzneimittelnebenwirkungen jedoch nicht. Danach wurde das Schadenpotenzial für die identifizierten Technologiefolgen durch zusätzliche Recherchen abgeschätzt und relevante systematische Reviews hinsichtlich der Einbeziehung von technologiegetriebenen Schäden überprüft.

Ergebnisse: Im ersten Arbeitsschritt wurden unter Verwendung der Suchbegriffe "technology-driven", "therapy-induced", "treatment-induced" 1.400 Dokumente gescreent. Die Bandbreite neuer Technologien mit einem assoziierten Risiko für neue Erkrankungen ist groß. Neben risikobehafteten Therapien (Nephropathie bei HAART) sind auch erst durch Technologien selbst geschaffene Krankheitsbilder zu beobachten wie In-Stent-Stenosen oder Graft-versus-Host-Disease (GvHD) nach allogenen Stammzelltransplantationen. Das Gesamtbild der Schaden-Nutzen-Relation der identifizierten Interventionen fällt jeweils sehr unterschiedlich aus. Beispielsweise werden in vorliegenden Nutzenbewertungen zu Stents In-Stent-Stenosen und deren Restenosen aufgegriffen und über den Parameter Zielgefäßrevaskularisation oder In-Stent-Stenting dem durch die primäre Koronargefäßdilatation erzielten Nutzen gegenübergestellt. Ethische Implikationen im engeren Sinne bleiben aber in den Übersichtsarbeiten zu Stenting meist ausgespart. Sowohl die akute als auch die chronische GvHD stellen eine der schwerwiegendsten Komplikationen der allogenen Stammzelltransplantation dar, die im fortgeschrittenen Stadium tödlich verlaufen können. Nutzen und Schaden werden auch bei dieser Technologie in vorliegenden Nutzenbewertungen gegenübergestellt, ethische Aspekte jedoch nur selten diskutiert. Die Ergebnisse der Prüfung der relevanten systematischen Reviews auf die genannten Schäden werden tabellarisch zusammengestellt.

Schlussfolgerung(en): In einem nicht unerheblichen Anteil der identifizierten systematischen Übersichtsarbeiten werden auch bekannte technologieinduzierte Erkrankungen nicht erfasst oder zum Teil nicht in die Bewertung einbezogen. Eine Nutzen-Schaden-Abwägung nach den Methoden zur Erfassung ethischer Aspekte ist deshalb bei der Nutzenbewertung neuer Technologien empfehlenswert.