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7. Deutscher Kongress für Versorgungsforschung des Deutschen Netzwerks für Versorgungsforschung

16. - 18.10.2008, Köln

Arzneimittelerhebung bei älteren Hausarztpatienten mittels Telefoninterviews

Meeting Abstract

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  • Heinz G. Endres - Ruhr-Universität Bochum, Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie, Bochum
  • Stefanie Holt - Private Universität Witten/Herdecke gGmbH, Witten
  • Petra A. Thürmann - HELIOS Klinikum Wuppertal, Philipp Klee-Institut für Klinische Pharmakologie, Wuppertal

7. Deutscher Kongress für Versorgungsforschung des Deutschen Netzwerks für Versorgungsforschung. Köln, 16.-18.10.2008. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2008. DocE2.6

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dkvf2008/08dkvf089.shtml

Veröffentlicht: 6. Oktober 2008

© 2008 Endres et al.
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Gliederung

Text

Die Verschreibung von Medikamenten ist eine alltägliche Aufgabe der Versorgung älterer Patienten beim Hausarzt. Die Problematik einer „inappropriate medication“ bei den häufig multimorbiden Patienten ist bekannt, wenn auch noch nicht mit konkreten Empfehlungen für die Versorgungssituation in Deutschland hinterlegt. Fragestellung: Welche Medikamente, einschließlich OTC-Präparate, werden von älteren Hausarztpatienten (70+) tatsächlich eingenommen?

Methoden: Basierend auf einer Patienten-Kohorte (getABI), die im Oktober 2001 in 344 repräsentativ (nach PLZ) über Deutschland verteilten Hausarztpraxen rekrutiert werden konnte, wurden im Rahmen des 5-Jahres Follow-Up rund 2200 Patienten (70+) in einem Telefoninterview zu verschiedenen Aspekten ihres Gesundheitsstatus befragt, unter anderem zu Begleiterkrankungen, Krankenhausaufenthalten, Lebensqualität und Arzneimitteleinnahme. Vor dem Interview-Wunschtermin wurden die Patienten mit Informationen zu den Interviewfragen und zur Pharmazentralnummer (PZN) auf den Arzneimittelpackungen versorgt. Im Telefoninterview wurde die Art der Arzneimitteleinnahme (Dauer- oder Bedarfsmedikation), die PZN, und der auf der Packung stehende vollständige Handelsname erfasst.

Ergebnisse: Zum Zeitpunkt des Interviews waren die Patienten im Median 76 Jahre alt (70-94). Rund 97% aller Interviewpatienten gaben die Einnahme von Medikamenten an. Insgesamt wurden über 13.000 Medikamente genannt, rund 95% davon mit PZN. Im Median nahmen die 70-80jährigen Patienten 5 Medikamente ein (4 als Dauermedikation), die über 80jährigen Patienten 6 Medikamente (5 als Dauermedikation). Inappropriate medications gemäß der Publikation von Fialová (aktualisierte Beers Liste) wurden von weniger als 10% der interviewten Patienten genannt [1], [2].

Schlussfolgerungen: Telefoninterviews erweisen sich als geeignetes Instrument, auch bei älteren Hausarztpatienten (70+) alle tatsächlich eingenommenen Medikamente einschließlich der OTC-Präparate zu erfassen. Bei rund 95% der Medikamente konnte von den Patienten die PZN angegeben werden. Damit kann eine sehr genaue Informationsbasis zur Erfassung einer potentiell ungeeigneten Medikation erhoben werden.

Projekt im Rahmen des PRISCUS Verbundes, gefördert durch das BMBF („Gesundheit im Alter“), Förderkennzeichen 01ET0720


Literatur

1.
Fialová D, Topinková E, Gambassi G, Finne-Soveri H, Jónsson PV, Carpenter I, Schroll M, Onder G, Sørbye LW, Wagner C, Reissigová J, Bernabei R; AdHOC Project Research Group. Potentially inappropriate medication use among elderly home care patients in Europe. JAMA. 2005;293(11):1348-58.
2.
Fick DM, Cooper JW, Wade WE, Waller JL, Maclean JR, Beers MH. Updating the Beers criteria for potentially inappropriate medication use in older adults: results of a US consensus panel of experts. Arch Intern Med. 2003;163(22):2716-24. Erratum in: Arch Intern Med. 2004;164(3):298.