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7. Deutscher Kongress für Versorgungsforschung des Deutschen Netzwerks für Versorgungsforschung

16. - 18.10.2008, Köln

Modellprojekte zur Delegation hausärztlicher Tätigkeiten – Akzeptanz, Qualität und Auswirkungen auf die Praxis

Meeting Abstract

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  • Neeltje van den Berg - Ernst-Moritz-Arndt-Universität, Institut für Community Medicine, Greifswald
  • Wolfgang Hoffmann - Ernst-Moritz-Arndt-Universität, Institut für Community Medicine, Greifswald

7. Deutscher Kongress für Versorgungsforschung des Deutschen Netzwerks für Versorgungsforschung. Köln, 16.-18.10.2008. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2008. DocD9.114

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dkvf2008/08dkvf078.shtml

Veröffentlicht: 6. Oktober 2008

© 2008 van den Berg et al.
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Gliederung

Text

Im Hinblick auf drohende Versorgungslücken im hausärztlichen Bereich in ländlichen Regionen wurde das AGnES-Konzept entwickelt (AGnES = Arztentlastende, Gemeindenahe, E-Healthgestützte, Systemische Intervention). Speziell qualifizierte Praxismitarbeiter(innen) sollen Hausärzte in der Häuslichkeit des Patienten unterstützen und damit der Hausarztpraxis einen erhöhten Versorgungsradius ermöglichen. Hausärzte können medizinische Tätigkeiten an ihre für AGnES qualifizierten Mitarbeiter(innen) delegieren.

Im Rahmen des AGnES-Konzeptes werden seit 2005 Praxisprojekte in verschiedenen Bundesländern (Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt) mit jeweils unterschiedlichen Schwerpunkten durchgeführt.

Alle Tätigkeiten der AGnES werden mit einer speziell entwickelten Dokumentationssoftware standardisiert dokumentiert. Zum Ende der abgeschlossenen Projekte auf Rügen und in Neubrandenburg sowie zwischen November 2007 und März 2008 in den aktuellen Projekten in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen wurden jeweils Evaluationen mit standardisierten Befragungen der teilnehmenden Ärzte, Praxismitarbeiterinnen und Patienten durchgeführt. Themen der Befragung waren die Akzeptanz des Konzeptes, die tatsächliche Arztentlastung durch die AGnES, Kompetenzen der AGnES und die Qualität der medizinischen Versorgung innerhalb des Projektes.

Bisher nahmen insgesamt 1.462 Patienten an den AGnES-Projekten teil (Stand 8.7.2008). Das Durchschnittsalter der Patienten beträgt 78,6 Jahre (SD 10,6, Range 21-107 Jahre). 91% der teilnehmenden Patienten sind nicht oder nur eingeschränkt mobil. Die meisten Patienten sind multimorbide (durchschnittlich 6 Diagnosen/Patient). Es wurden bisher 8.386 Hausbesuche durchgeführt, dabei wurden etwa 300 unterschiedliche delegierte Tätigkeiten erfasst (Stand 8.7.2008). Eine aktuelle Evaluation der Modellprojekte zeigt eine hohe Akzeptanz des Konzeptes: 94,5% der befragten Patienten können sich vorstellen, dass eine AGnES Hausbesuche und spezielle Themen (z.B. Sturzprophylaxe, Telemedizin) übernimmt und der Hausarzt Hausbesuche bei dringendem medizinischem Bedarf durchführt. Der Einsatz der AGnES führte zu einer tatsächlichen Arztentlastung. In einigen Bereichen wurde die Versorgungsqualität verbessert.

Auf der Basis einer Gesetzesänderung im Rahmen des Pflegeweiterentwicklungsgesetzes soll das AGnES-Konzept ab dem 1.1.2009 in die Regelversorgung überführt werden.