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7. Deutscher Kongress für Versorgungsforschung des Deutschen Netzwerks für Versorgungsforschung

16. - 18.10.2008, Köln

Ambulant erworbene Pneumonie - Versorgungsrelevante Ergebnisse der Analyse von über 380.000 Patienten

Meeting Abstract

  • E. Schäfer - BQS Bundesgeschäftsstelle Qualitätssicherung gGmbH, Düsseldorf
  • N. Birkner - BQS Bundesgeschäftsstelle Qualitätssicherung gGmbH, Düsseldorf
  • B. Fischer - BQS Bundesgeschäftsstelle Qualitätssicherung gGmbH, Düsseldorf
  • P. Schräder - BQS Bundesgeschäftsstelle Qualitätssicherung gGmbH, Düsseldorf

7. Deutscher Kongress für Versorgungsforschung des Deutschen Netzwerks für Versorgungsforschung. Köln, 16.-18.10.2008. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2008. DocB6.4

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dkvf2008/08dkvf041.shtml

Veröffentlicht: 6. Oktober 2008

© 2008 Schäfer et al.
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Gliederung

Text

Zielsetzung: Der Beitrag widmet sich der Frage, inwieweit durch die sekundäre Analyse von Daten der externen Qualitätssicherung Fragen der Versorgungsforschung und zur Versorgungswirklichkeit beantwortet werden können. Die ambulant erworbene Pneumonie führt häufig zu einer Krankenhauseinweisung (200.000 pro Jahr) und geht mit einer hohen Letalitätsrate einher (13,9%). Die in der Qualitätssicherung erfasste Versorgungswirklichkeit weicht nicht unerheblich von Ergebnissen internationaler Studien ab. Diese Tatsache macht die QS-Daten zu einer interessanten/wichtigen Datenbasis für Fragen zur Versorgung von Patienten mit ambulant erworbener Pneumonie. Im Beitrag wird die Frage sowohl aus medizinische als auch methodischer Sicht betrachte.

Materialien und Methoden: Die Daten der externen stationären Qualitätssicherung der Behandlung von Patienten mit ambulant erworbener Pneumonie in den Jahren 2005 bis 2007 umfassen 598.705 Fälle aus 1.377 Krankenhäusern. Der Datensatz erfasst aktuell mit 34 Datenfeldern Angaben zum Gesundheitszustand bei der Aufnahme, zur initialen Diagnostik und Therapie, zum weiteren Verlauf der Behandlung sowie zur klinischen Stabilität vor Entlassung. Hinzu kommen Angaben zur Versorgungskette, insbesondere woher die Patienten ins Krankenhaus aufgenommen und wohin sie entlassen werden. Die primäre Auswertung für die Qualitätssicherung erfolgt anhand von neun Qualitätsindikatoren [1] und einer deskriptiven Auswertung der 34 Datenfelder [2], [3], [4]. Für Sekundärdatenanalysen werden die Daten nach den Endpunkten Mortalität und klinische Stabilität bei Entlassung, aber auch bezüglich der Übereinstimmung der Versorgung mit Empfehlungen zur Diagnostik und Therapie ambulant erworbener Pneumonien in Leitlinien untersucht.

Ergebnisse: Mit den BQS-Bundesauswertungen liegen erstmals seit dem Jahr 2006 umfangreiche Daten zu Risiken, Versorgung und Behandlungsergebnissen zu im Krankenhaus behandelten ambulant erwobenen Pneumonien vor [2], [5], [3], [6], [4], [7]. Die Krankenhausletalität liegt in allen drei Erfassungsjahren bei 14% (13,7% bis 14,4%). Sie steigt kontinuierlich mit zunehmendem Patientenalter an. Die Raten der Patienten, die aus stationären Pflegeeinrichtungen bzw. aus anderen Krankenhäusern aufgenommen wurden, lagen durchweg höher (24,7% bzw. 18,4%). Mittels Überlebendzeitanalyse konnte eine bisher so nicht beschriebene hohe initiale Sterblichkeit nach Krankenhausaufnahme dargestellt werden [8]. Von insgesamt 83.984 im Krankenhaus verstorbenen Patienten starben 16.567 (19,7%) innerhalb der ersten beiden Tage, 41.783 innerhalb der ersten 5 Tage (49,8%). Die Ergebnisse haben Fachdiskussionen über z. B. palliative Betreuung von Patienten ausgelöst oder verstärkt [9]. Im Hinblick auf die Klinische Stabilität der Patienten bei der Entlassung wurde in allen Erfassungsjahren eine gute Qualität erreicht. Bei mehr als 95% der regulär entlassenen Patienten waren mindestens sechs von sieben klinischen Stabilitätskriterien positiv befundet worden. Jedoch werden bei nur 44,5% (2005) bis 64,4% (2007) aller regulär entlassenen Patienten die Kriterien vollständig gemessen. Die Empfehlung der deutschen S3-Leitllinie [10], die Kriterien vor der Entlassung vollständig zu messen, wird noch nicht flächendeckend umgesetzt. Ebenfalls noch nicht ausreichend etabliert scheint die Durchführung der Blutgasanalyse oder Pulsoxymetrie innerhalb der ersten 8 Stunden nach der Aufnahme in das Krankenhaus. Die Raten haben sich von 67,3% (2005) auf 84,1% (2007) verbessert, weichen aber immer noch erheblich von dem Zielwert von mindestens 95% ab. Leitliniengerechte Ergebnisse wurden bei der initialen antimikrobiellen Therapie innerhalb von 8 Stunden nach Aufnahme konstatiert (2005: 87,8%, 2007: 91,2%).

Schlussfolgerungen: Der Beitrag zeigt, dass mit sekundären Analysen ohne zusätzlichen Erhebungsaufwand Unterschiede zwischen Studienergebnissen und Leitlinienempfehlungen auf der einen Seite und der Versorgungswirklichkeit auf der anderen Seite untersucht werden können. Mithilfe der Qualitätssicherungsdaten kann die Übertragbarkeit von Studienergebnissen auf die erkrankte Bevölkerung und ihre Versorgung eingeschätzt und der Grad der Umsetzung von Leitlinien untersucht werden.


Literatur

1.
Bundesgeschäftsstelle Qualitätssicherung gGmbH (BQS). BQS-Qualitätsindikatorendatenbank 2007. http://www.bqs-qualitaetsindikatoren.de/ (Recherchedatum: 27.05.2008). Externer Link
2.
Bundesgeschäftsstelle Qualitätssicherung gGmbH (BQS). Bundesauswertung 2005. http://www.bqs-outcome.de/Webs/bqs/outcome/2005/ergebnisse/ (Recherchedatum: 27.05.2008).
3.
Bundesgeschäftsstelle Qualitätssicherung gGmbH (BQS). Bundesauswertung 2006. http://www.bqs-outcome.de/Webs/bqs/outcome/2006/ergebnisse/ (Recherchedatum: 27.05.2008). Externer Link
4.
Bundesgeschäftsstelle Qualitätssicherung gGmbH (BQS). Bundesauswertung 2007. http://www.bqs-outcome.de/Webs/bqs/outcome/2007/ergebnisse/ (online ab Ende Juni 2008). Externer Link
5.
Bundesgeschäftsstelle Qualitätssicherung gGmbH (BQS). Qualität sichtbar machen. BQS-Qualitätsreport 2005. Mohr VD, Bauer J, Döbler K, Woldenga C, Eckert O, Fischer B, (Hrsg.). Düsseldorf; 2006. http://www.bqs-qualitaetsreport.de/2005/ergebnisse/pdf/qr2005.pdf (Recherchedatum: 27.05.2008). Externer Link
6.
Bundesgeschäftsstelle Qualitätssicherung gGmbH (BQS). Qualität sichtbar machen. BQS-Qualitätsreport 2006. Veit C, Bauer J, Döbler K, Woldenga C, Eckert O, Fischer B, (Hrsg.). Düsseldorf; 2007. http://www.bqs-qualitaetsreport.de/2006/ergebnisse/pdf (Recherchedatum: 27.05.2008). Externer Link
7.
Bundesgeschäftsstelle Qualitätssicherung gGmbH (BQS). Veit C, Bauer J, Döbler K, Woldenga C, Eckert O, Fischer B (Hrsg.). Qualität sichtbar machen. BQS-Qualitätsreport 2007. Düsseldorf; 2008. http://www.bqs-online.com/qualrep/2007/ergebnisse/down/QR2007.pdf Externer Link
8.
Ewig S, Birkner N, Schäfer E, BQS-Fachgruppe Pneumonie. Analyse der BQS-Daten zur Pneumonie: Einflussgrößen auf die Letalität. Qualität sichtbar machen. Ergebniskonferenz Externe stationäre Qualitätssicherung. Workshop 9: Versorgungsforschung / Sekundäre Nutzung von BQS-Daten. Berlin, 30.10.2007. http://www.bqs-online.com/download/ergebniskonferenz-2007/beitrag/9-2ewig.pdf (Recherchedatum: 27.05.2008). Externer Link
9.
Ewig S. Therapiebegrenzung. Herausforderung für die ärztliche Urteilskraft. Deutsches Ärzteblatt 2008; 105 (17): A878-A880.
10.
Höffken G, Lorenz J, Kern W, Welte T, Bauer T, Dalhoff K, Dietrich E, Ewig S, Gastmeier P, Grabeln B, Halle E, Kolditz M, Marre R, Sitter H. Epidemiologie, Diagnostik, antimikrobielle Therapie und Management von erwachsenen Patienten mit ambulant erworbenen tiefen Atemwegsinfektionen (akute Bronchitis, akute Exazerbation einer chronischen Bronchitis, Influenza und andere respiratorische Virusinfektionen) sowie ambulant erworbener Pneumonie. S3-Leitlinie. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 082/001. 2005. http://www.uni-duesseldorf.de/AWMF/ll/082-001.htm (Recherchedatum: 27.05.2008). Externer Link