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7. Deutscher Kongress für Versorgungsforschung des Deutschen Netzwerks für Versorgungsforschung

16. - 18.10.2008, Köln

Patienten mit Ulcus cruris zur Selbstpflege befähigen: Tandempraxen als Modell der interdisziplinären Begleitung

Meeting Abstract

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  • Oliver R. Herber - Universität Witten/Herdecke, Institut f. Allgemeinmed. u. Familienmed., Fakultät f. Med., Witten
  • Herbert Mayer - Universität Witten/Herdecke, Institut f. Pflegewissenschaft, Fakultät f. Medizin, Witten
  • Wilfried Schnepp - Universität Witten/Herdecke, Lehrstuhl f. familienorientierte u. gemeindenahe Pflege, Witten
  • Monika A. Rieger - Universität Witten/Herdecke, Institut f. Allgemeinmed. u. Familienmed., Fakultät f. Med., Witten

7. Deutscher Kongress für Versorgungsforschung des Deutschen Netzwerks für Versorgungsforschung. Köln, 16.-18.10.2008. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2008. DocA9.61

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dkvf2008/08dkvf021.shtml

Veröffentlicht: 6. Oktober 2008

© 2008 Herber et al.
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Gliederung

Text

Fragestellung: Lässt sich bei Patienten mit Ulcus cruris venosum (U.c.v.) durch „Tandempraxen“ die Wundheilung und die Lebensqualität verbessern?

Methoden: Im Rahmen eines BMBF-Vorhabens (FKZ 01GL0507) wurde die ärztliche Behandlung von U.c.v.-Patienten ergänzt durch eine intensive pflegerische Beratung, deren Ziel die Erhöhung der Selbstpflege war (=Tandempraxis). In den Kontrollpraxen erhielten die Patienten die übliche medizinische Behandlung. Die Evaluation erfolgte in einem mixed-method-design: neben der randomisiert-kontrollierten Studie mit quantitativer Auswertung standardisiert erhobener Daten (n=300 Patienten, konsekutiver Einschluss durch Ärzte, Assessment 3 Monate nach Intervention (t2), Instrumente für Hauptzielgrößen: digitale Planimetrie, LUMT (deutsche Version), FLQA) wurden Interviews mit Patienten, Pflegeexperten und Ärzten aus Tandempraxen durchgeführt und induktiv-deduktiv ausgewertet. Für die Untersuchung liegt ein positives Votum der Ethikkommission der Universität Witten/Herdecke vor.

Ergebnisse: An der Studie nahmen 38 der 1822 angesprochenen Ärzte teil. Mögliche Gründe für den geringen Rekrutierungserfolg sind die niedrige Prävalenz des Ulcus cruris und der interdisziplinäre Ansatz der Studie. 45 Patienten wurden in die Studie eingeschlossen (Intervention: 20, Kontrolle: 25) – ohne Verzerrung bei z.B. Alter, Geschlecht oder Ulcus-Dauer. Obwohl die Ulcera bei den Tandem-Patienten zu Studienbeginn signifikant größer waren als bei den Kontrollen, lag die mittlere Größe zu t2 auf dem niedrigeren Niveau der Kontrollgruppe. In den qualitativen Daten wurde deutlich, dass unter den Beteiligten die Patienten den größten Nutzen aus dem Tandempraxen-Modell zu haben scheinen. Diese erlebten die psychosoziale Unterstützung und die Vermittlung von Wissen zur Wundheilung durch den Pflegeexperten als sehr hilfreich und berichteten über eine Zunahme von alltagsorientierten Selbstpflegekompetenzen. Die Ärzte standen dem Konzept Tandem generell positiv gegenüber und wollten mehr von der Fachkenntnis des Pflegeexperten profitieren. Letztere sahen die Beratung der Patienten sehr positiv, äußerten jedoch Verbesserungsbedarf im Hinblick auf die Zusammenarbeit mit den Ärzten. Nichtsdestotrotz beschrieben die Pflegeexperten auch, dass sich Tandempraxen i.e.S. entwickelten, d.h. Praxen mit partnerschaftlicher Absprache zwischen Arzt und Pflegeexperte.

Schlussfolgerungen: Bei unterschiedlichen Erkrankungen können Patienten mit eingeschränkter Selbstpflegekompetenz vom Konzept der Tandempraxis profitieren. Hier sollten zukünftige Forschungsvorhaben ansetzen.