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7. Deutscher Kongress für Versorgungsforschung des Deutschen Netzwerks für Versorgungsforschung

16. - 18.10.2008, Köln

Innovation in der Prävention – das Beispiel der CHAMP Ambulanz

Meeting Abstract

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  • J. Müller-Nordhorn - Charité - Universitätsmedizin Berlin, Charité Ambulanz für Prävention und Integrative Medizin, Berlin
  • M. Teut - Charité - Universitätsmedizin Berlin, Institut für Sozialmedizin, Berlin
  • S. N. Willich - Charité - Universitätsmedizin Berlin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie, Berlin

7. Deutscher Kongress für Versorgungsforschung des Deutschen Netzwerks für Versorgungsforschung. Köln, 16.-18.10.2008. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2008. DocA7.103

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dkvf2008/08dkvf016.shtml

Veröffentlicht: 6. Oktober 2008

© 2008 Müller-Nordhorn et al.
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Gliederung

Text

Fragestellung: Bei der zunehmenden Anzahl an älteren Menschen gewinnt die Prävention chronischer Erkrankungen und die Verbesserung der Lebensqualität zunehmend an Bedeutung. Präventive Maßnahmen reichen von Lebensstilinterventionen zu Stressmanagement, gesunder Ernährung, körperlicher Aktivität und Rauchentwöhnung bis hin zur Ermittlung des Risikos jedes Einzelnen, später eine bestimmte Erkrankung zu bekommen. Es gibt in Deutschland eine Vielzahl an Anbietern für präventive Maßnahmen, allerdings ist häufig die Effektivität der Angebote nicht ausreichend belegt. Herausforderungen im Bereich der Prävention liegen daher u.a. in der wissenschaftlichen Evaluation von Programmen, der Erstellung von Standards, in der Untersuchung von Zugangswegen von sozial benachteiligten Personen, in der Koordination unterschiedlicher Angebote und in der Informationen der Bevölkerung über Kosten und Zugangsmöglichkeit der Angebote. Hier können krankenhausbasierte, wissenschaftlich arbeitende Präventionszentren die notwendigen Impulse und die entsprechende Koordination und Evaluation übernehmen.

Methodik: In der Charite Ambulanz für Prävention und Integrative Medizin (CHAMP) werden seit Juli 2007 Patienten präventiv versorgt. Patienten werden sowohl in der Primärprävention ohne erhöhtes Risiko für definierte Krankheiten wie z.B. Herz-Kreislauferkrankungen oder Diabetes als auch mit bereits erhöhtem Risiko behandelt. Für die Ermittlung von Risiken werden validierte Risikoscores aus aktuellen Leitlinien wie z.B. der Risikoscore der European Society of Cardiology (SCORE) oder der Deutsche Diabetes-Risiko-Test des Deutschen Institutes für Ernährungsforschung eingesetzt. Präventive Maßnahmen schließen Entspannungskurse (u.a. „Qi Gong“ mit 8 x 90 min, progressive Muskelrelaxation, autogenes Training, aktive Entspannung), Stressmanagementkurse nach Kaluza (12 x 90 min), Ernährungskurse nach den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung („Gesund abnehmen“ mit 10 x 90 min inklusive Nachbetreuungstermine) und körperliche Aktivität („Nordic Walking“ mit 6 x 90 min) ein.

Ergebnisse: Insgesamt haben 224 Teilnehmer an den Kursen teilgenommen, zusätzlich haben 16 Teilnehmer ein Einzel-Gesundheitscoaching in Anspruch genommen. Seit März 2008 erfolgt eine standardisierte Erfassung, bei der Teilnehmer mithilfe validierter Instrumente nach ihrer Zufriedenheit mit den Präventionsmaßnahmen, dem Behandlungserfolg und nach Abschluss des Programms zu dessen Nachhaltigkeit befragt werden.

Schlussfolgerungen: Die standardisierte Erfassung des Behandlungserfolges nach den Regeln der evidenzbasierten Medizin ist für den Bereich der Prävention ebenso erforderlich wie für den klinischen Bereich. Für die Ermittlung von Standards und Gütekriterien sind Präventionszentren an wissenschaftlich arbeitenden Einrichtungen unerlässlich. Die Vernetzung mit dem ambulanten Bereich, setting-spezifische Ansätze in Schulen oder Betrieben und die aktive Einbeziehung sozial benachteiligter Schichten stellen hier aktuell die dringendsten Herausforderungen dar.