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Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU 2012)

23.10. - 26.10.2012, Berlin

Extremsport Parkour – Analyse der Verletzungen einer urbanen Trendsportart

Meeting Abstract

  • presenting/speaker Kai Fehske - Universitätsklinikum Würzburg, Klinik und Poliklinik für Unfallchirurgie, Würzburg, Germany
  • Frank Rufenach - Universitätsklinikum Würzburg, Klinik und Poliklinik für Unfallchirurgie, Würzburg, Germany
  • Reinhard Roth - Julius Maximilians - Universität, Institut für Sportwissenschaft und Sportzentrum, Würzburg, Germany
  • Hendrik Jansen - Universitätsklinikum Würzburg, Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie, Würzburg, Germany
  • Rainer Meffert - Universitätsklinikum Würzburg, Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie, Würzburg, Germany

Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU 2012). Berlin, 23.-26.10.2012. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2012. DocWI53-535

DOI: 10.3205/12dkou302, URN: urn:nbn:de:0183-12dkou3021

Veröffentlicht: 2. Oktober 2012

© 2012 Fehske et al.
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Gliederung

Text

Fragestellung: Parkour ist eine Sportart bei der auf kürzestem Weg ein Ziel erreicht werden muss. Der Läufer (Traceur, frz. der den Weg ebnet) muss dabei Hindernisse so effizient wie möglich überwinden. Da Parkour zumeist im urbanen Raum ausgeführt wird, können dies Mülltonnen, Bänke, Treppen, aber auch ganze Gebäude bis hin zu Hochhausschluchten sein. Dazu werden Techniken aus der Leichtathletik, dem Turnen und dem Kampfsport verwendet. Charakteristisch sind vor allem weite und präzise Distanzsprünge sowie Sprünge aus großer Höhe mit anschließendem Abrollen, bei dem die potentielle Energie in kinetische umgewandelt werden soll. Parkour entwickelte sich von Frankreich ausgehend überwiegend in den 90er Jahren. Mit der zunehmenden Verbreitung der sozialen Medien, allen voran der Videoplattform Youtube, wurde Parkour eine internationale Trendsportart. Aufgrund der dezentralen Infrastruktur und den teilweise nicht legalen Orten an denen Parkour ausgeführt wird, fehlen Studien zu Verletzungshäufigkeiten, -arten und -mustern.

Methodik: Mit Hilfe diverser Internetforen und sozialer Netzwerke wurden Probanden aquiriert, welche wiederum einen Internet-basierten Fragebogen ausfüllten.

Ergebnisse und Schlussfolgerungen: In der Vorabanalyse der deutschsprachigen Probanden (n=314, 293 männlich, 21 weiblich, 21,1±5,4 Jahre; 70,9±14,0 Kg; 178,1±8,2 cm) gaben 22,6% der Befragten an, gerade erst mit dem Sport begonnen zu haben, 63,7% trainierten schon 1 bis 4 Jahre, 13,7% trainierten 5 oder mehr Jahre. 67,5% der Probanden erlitten beim Parkour bereits eine Verletzung. Am häufigsten waren die Verletzungen der unteren Extremität (50,1%), wobei davon 26,3% auf das Knie und 23,2% auf das Sprunggelenk entfielen. Bei der oberen Extremität (39,3%) zeigte sich eine Zunahme der Verletzungen von proximal nach distal (Schulter 19,1%; Arm 33,2%; Hand 47,6%). Kopf (2,8%), Rumpf (5,5%), Wirbelsäule (1,8%, davon 32,3% Nerveneinklemmungen und Verrenkungen, 9,7% Schnittwunden und 25,8% Prellung) und innere Organe (0,4%) waren deutlich weniger betroffen. Insgesamt standen Schnittwunden (25,6%) und Prellungen (33,3%) im Vordergrund. Frakturen (4,3%), Luxationen (3,0%) und Ligamentrupturen (3,2%) treten dem gegenüber in den Hintergrund.

Insgesamt präsentierte sich Parkour als Sportart mit einem hohen Risikopotential, bei der allerdings leichtere Verletzungen dominieren. Beansprucht werden vor allem die obere und untere Extremität. Ausschlaggebend kann hier sein, dass die Athleten allesamt über ausgeprägte Vorerfahrung in Sportarten mit hohem Anforderungsprofil an die motorischen Grundeigenschaften verfügen. Eine aktuell andauernde prospektive Studie mit europaweit 506 Probanden wird mehr Aufschluss über die exakten Verletzungen (pro 1.000 Stunden) und Überlastungsschäden liefern.