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Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU 2012)

23.10. - 26.10.2012, Berlin

Risiken der orthopädisch-operativen Therapieverfahren für die medizinische Versorgung – Bedeutend mehr Ressourcen im Fachgebiet der Orthopädie werden zukünftig für Revisionseingriffe benötigt

Meeting Abstract

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  • presenting/speaker Hannes Müller-Ehrenberg - Praxis, Orthopädie, Münster, Germany

Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU 2012). Berlin, 23.-26.10.2012. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2012. DocWI42-1273

DOI: 10.3205/12dkou221, URN: urn:nbn:de:0183-12dkou2212

Veröffentlicht: 2. Oktober 2012

© 2012 Müller-Ehrenberg.
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Gliederung

Text

Fragestellung: Laut Gesundheitsberichterstattung des Bundes hat sich die Gesamtzahl der Operationen am Bewegungsapparat in Deutschland von 3,1 Mio im Jahr 2005 auf 4,2 Mio im Jahr 2010 um über ein Drittel erhöht. Vor allem Total-Endoprothesen-Operationen (TEP) an Knie und -Hüftgelenken sind in den letzten Jahren deutlich angestiegen. Ebenfalls kam es zu einer erheblichen Zunahme der offenen chirurgischen Revisionen eines Gelenkes von 106.604 im Jahr 2005 auf 157.462 im Jahr 2010 um nahezu 50%.

Bisher wurde die Diskussion lediglich bezogen auf die Kostenentwicklung geführt, aber die Gefahren für die gesundheitliche Versorgung unserer Patienten, die sich zukünftig aus den benötigten Revisions- und TEP-Wechsel-OPs ergeben werden, sind bisher nicht bedacht worden.

Methodik: Recherche der Daten des statistischen Bundesamtes, der Publikationen der Fachgesellschaften, und des Prothesenregisters in Deutschland

Ergebnisse und Schlussfolgerungen: Eine medizinische Erklärung oder eine demografische Ursache der Erhöhung der TEP-OPs an Knie und -Hüftgelenken ist nicht bekannt. Am ehesten ist diese erhebliche Steigerung mit wirtschaftlichen Anreizen zu begründen. So ist es mit der Einführung der DRGs im Jahre 2002 im Bereich der elektiven Hüft-TEP-OPs zu einer Steigerung auf 46% zum Jahr 2008 gekommen. Kurzfristig haben diese Daten die gesundheitliche Versorgung unserer Patienten bisher wenig beeinträchtigt, obschon Frühlockerungen von Hüft-TEPs von einigen Autoren mit einer Häufigkeit von bis zu 10% angegeben werden. Die mittel- und langfristig sich einstellenden Probleme sind aber absehbar. So muß bei einer durchschnittlichen Standzeit für eine Knie- oder Hüft-TEP nach ca. 15 Jahren mit einer gewissen Dringlichkeit eine Wechseloperation erfolgen, die sowohl deutlich mehr zeitliche (OP-Dauer 2.5-5 Std.) als auch medizinische Ressourcen bindet. Ebenfalls erhöht sich die Komplikationsrate im Vergleich zur Erst-TEP von ca. 1-2% auf ca. 10% für eine Wechsel-OP.

Die Zahlen der Hüft-TEP-Wechsel -OPs sind im Zeitraum von nur drei Jahren von 32074 im Jahr 2006 auf 38004 im Jahr 2009 um 18% (ca. 6000) gestiegen.

Diese Zahlen und die demografischen Daten mit einer weiterhin steigenden Lebenserwartung sowie die geburtenstarken Jahrgänge der 1960er Jahre und dann einer noch deutlich erhöhten Zahl an benötigten Erst-TEP-OPs, werden in der nahen Zukunft zu einer dramatischen Unterversorgung unserer Patienten führen, weil Revisions-OPs vermehrt durchgeführt werden müssen. Dem entsprechend wird auch der Tätigkeitsbereich des orthopädisch- tätigen Berufskollegen im Krankenhaus sich erheblich in Richtung Behandlung von Komplikationen nach OP und Wechsel-OPs bewegen. Es ist wahrscheinlich, dass im Fachgebiet der Orthopädie die Ressourcen noch vermehrt für operative Eingriffe genutzt werden und eine Medizin, die die gesamte Breite der sinnvollen Therapie des Bewegungsapparates abbildet, vernachlässigt wird.