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Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU 2012)

23.10. - 26.10.2012, Berlin

Entwicklung eines klinischen Diagnostikpfades bei stumpfen Abdominaltraumata des Kindes – ein systematisches Review

Meeting Abstract

  • presenting/speaker Carsten Schöneberg - Universitätsklinikum Essen, Klinik für Unfallchirurgie, Essen, Germany
  • Sonja Tampier - Universitätsklinikum Essen, Klinik für Unfallchirurgie, Essen, Germany
  • Judith Keitel - Universitätsklinikum Essen, Klinik für Unfallchirurgie, Essen, Germany
  • Björn Hußmann - Universitätsklinikum Essen, Klinik für Unfallchirurgie, Essen, Germany
  • Dieter Nast-Kolb - Universitätsklinikum Essen, Klinik für Unfallchirurgie, Essen, Germany
  • Sven Lendemans - Universitätsklinikum Essen, Westdeutsches Tumorzentrum, Klinik f. Unfall- und muskuloskelettale Tumorchirurgie, Essen, Germany
  • Christian Waydhas - Universitätsklinikum Essen, Klinik für Unfallchirurgie, Essen, Germany

Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU 2012). Berlin, 23.-26.10.2012. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2012. DocWI39-262

DOI: 10.3205/12dkou199, URN: urn:nbn:de:0183-12dkou1996

Veröffentlicht: 2. Oktober 2012

© 2012 Schöneberg et al.
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Gliederung

Text

Fragestellung: Entwicklung eines klinischen Behandlungspfades zur Diagnostik eines kindlichen, stumpfen Abdominaltraumas.

Methodik: Systematischen Review von 1069 Arbeiten, die mittels systematischer Literaturrecherche in pubmed, Embase und Cochrane detektiert wurden. Nach Durchsicht und Bewertung der Abstracts bildeten letztlich 28 Artikel die Grundlage dieser Arbeit. Das Review wurde nach den von Khan et al. (Systematic reviews to support evidence-based medicine, 2011 Hodder Arnold) publizierten Kriterien durchgeführt.

Insgesamt wurden 4 Unterfragen formuliert.

Ergebnisse und Schlussfolgerungen: Die Prevalenz intraabdomineller Verletzungen bei negativen CT lag bei 0,28%. Der NPV des CT lag bei 99,72%. Bei 5987 Patienten konnte bei 17 Patienten eine intraabdominelle Verletzung nachgewiesen werden. Bei 5 Patienten erfolgte eine Laparotomie.

Beim Nachweis von isolierter freier Flüssigkeit im CT war die Laparotomierate 8,93%. Die Unterscheidung der Operationsnotwendigkeit bei Vorliegen von freier Flüssigkeit in nur einer Lokalisation (7 von 201 Patienten) mit der von freier Flüssigkeit in mehr als einer Lokalisation (13 von 23 Patienten) war statistisch signifikant. Alle Laparotomien wurden aufgrund von Darm- oder Mesenterialverletzungen durchgeführt.

Die Metaanalyse zur Beurteilung der FAST Untersuchung wurde anhand der Daten von 1514 Patienten durchgeführt. Hierbei zeigte sich eine Sensitivität von 56,5%, eine Spezifität von 94,68%, ein positiver Wahrscheinlichkeitsquotient von 10,63 und ein negativer Wahrscheinlichkeitsquotient von 0,46. In der Subgruppe hämodynamisch instabiler Kinder betrug die Sensitivität und Spezifität 100%.

Als unabhängige Indikatoren für eine intraabdominelle Verletzung konnten erhöhte Leberenzyme, eine pathologische abdominelle Untersuchung, ein erniedrigter systolischer Blutdruck, ein reduzierter Hämatokrit und eine Mikrohämaturie gefunden werden. Erhöhte Leberwerte hatten die höchste Korrelation mit intraabdominellen Verletzungen.

Zeigt die initial durchgeführte CT nach stumpfem Bauchtrauma keinen pathologischen Befund ist eine relevante intraabdominelle Verletzung nahezu ausgeschlossen.

Wenn mehr als eine Lokalisation isolierter freier Flüssigkeit im CT nachgewiesen wird ist eine intraabdominelle Verletzung sehr wahrscheinlich.

FAST besitzt als Screeningtest beim stumpfen, kindlichen Abdominaltrauma aufgrund der geringen Sensitivität nur eine sehr eingeschränkte Aussagekraft. In der Subgruppe der hämodynamisch instabilen Kindern ist FAST jedoch möglicherweise ausreichend zur Diagnostik einer relevanten intraabdominellen Verletzung.

Wird die FAST mit den o.g. unabhängigen Indikatoren ergänzt, erhöhen sich die statischen Parameter signifikant.

Aus den hier dargestellten Ergebnissen wurde ein klinischer Diagnostikpfad abgeleitet. Dieser sollte in einer prospektiven Untersuchung bestätigt werden.

Die CT bleibt der Goldstandard in der Diagnostik, sollte jedoch aufgrund der Strahlenbelastung nur dann eingesetzt werden, wenn eine intraabdominelle Verletzung wahrscheinlich ist.