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Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU 2012)

23.10. - 26.10.2012, Berlin

Prädiktion bestehender Blutungen und einer damit einhergehenden Massentransfusion beim polytraumatisierten Patienten: Eine Validierung von sechs Scores und Algorithmen durch das Traumaregister der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie®

Meeting Abstract

  • presenting/speaker Thomas Brockamp - Kliniken der Stadt Köln gGmbH, Klinikum Köln-Merheim, Klinik für Unfallchirurgie und Sporttraumatologie, Lehrstuhl der Privaten Universität Witten/Herdecke, Köln, Germany
  • Ulrike Nienaber - Akademie der Unfallchirurgie GmbH, TraumaRegister DGU, Köln, Germany
  • Manuel Mutschler - Kliniken der Stadt Köln gGmbH, Klinikum Köln-Merheim, Klinik für Unfallchirurgie und Sporttraumatologie, Lehrstuhl der Privaten Universität Witten/Herdecke, Köln, Germany
  • Arasch Wafaisade - Kliniken der Stadt Köln gGmbH, Klinikum Köln-Merheim, Klinik für Unfallchirurgie und Sporttraumatologie, Lehrstuhl der Privaten Universität Witten/Herdecke, Köln, Germany
  • Sigune Peiniger - Kliniken der Stadt Köln gGmbH, Klinikum Köln-Merheim, Klinik für Unfallchirurgie und Sporttraumatologie, Lehrstuhl der Privaten Universität Witten/Herdecke, Köln, Germany
  • Rolf Lefering - Private Universität Witten/Herdecke, Institut für Forschung in der operativen Medizin (IFOM), Köln, Germany
  • Bertil Bouillon - Kliniken der Stadt Köln gGmbH, Klinikum Köln-Merheim, Klinik für Unfallchirurgie und Sporttraumatologie, Lehrstuhl der Privaten Universität Witten/Herdecke, Köln, Germany
  • Marc Maegele - Kliniken der Stadt Köln gGmbH, Klinikum Köln-Merheim, Klinik für Unfallchirurgie und Sporttraumatologie, Lehrstuhl der Privaten Universität Witten/Herdecke, Köln, Germany

Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU 2012). Berlin, 23.-26.10.2012. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2012. DocWI39-1409

DOI: 10.3205/12dkou198, URN: urn:nbn:de:0183-12dkou1981

Veröffentlicht: 2. Oktober 2012

© 2012 Brockamp et al.
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Gliederung

Text

Fragestellung: Die frühe aggressive Behandlung bestehender Blutungen ist mit ausschlaggebend für das Überleben des polytraumatisierten Patienten. Allerdings bleibt die rechtzeitige Erkennung dieser Entität weiterhin eine Herausforderung. Diese Studie validiert anhand der Datenbank des TR-DGU® (Traumaregister Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie) sechs Scoring-Systeme und Algorithmen, die darauf abziehlen, eine beim polytraumatisierten Patienten entstehende Blutung zeitnah zu erkennen, sowie die Gabe eventuell notwendiger Transfusionen abzuschätzen. Es wurde analysiert, welcher Score die beste Vorhersagekraft in Bezug auf die Massentransfusion beim schwerverletzten Patienten hat und worin die Unterschiede der einzelnen Scores bestehen.

Methodik: Es handelt sich um eine retrospektive Datenanalyse des TR-DGU (2002-2010) bei der 56.573 Datensätze ausgewertet wurden, um sodann einen kompletten Datensatz von 5.147 Patienten in die vorliegende Analyse mit einzuschließen. Es wurden folgende Scores in die Auswertung mit einbezogen: TASH (Trauma-Associated Severe Hemorrhage)-Score, PWH (Prince of Wales Hospital/Rainer)-Score, Vandromme-Score, ABC (Assessment of Blood Consumption/Nunez)-Score sowie zwei im militärischen Bereich entwickelte Scores nach Schreiber und Larson. Es wurde für jeden Score die Area-Under-the-Receiver-Operating-Characteristic Kurve (AUROCs) berechnet. Die einzelnen 'cut-off' Punkte errechneten sich aus dem jeweils besten Ergebnis der Sensitivität und Spezifität. Zusätzlich wurden für alle Scores der positive (PPV) sowie negative (NPV) prädiktive Wert berechnet.

Ergebnisse und Schlussfolgerungen: Insgesamt 5.147 Patienten (95% mit stumpfem Trauma) wurden aus dem TR-DGU® extrahiert. 5.6% (n=289) dieser Patienten wurden Massentransfundiert. Der TASH- Score zeigte die höchste Genauigkeit bei der Vorhersage einer Massentransfusion (AUROC 0,889) gefolgt vom PWH- Score (AUROC 0,860). Der Schreiber-Score zeigte die höchste Sensitivität (85,8%), jedoch ebenfalls die niedrigste Spezifität (61,7%). Bei einem 'cut-off' Wert von > 8,5 zeigte der TASH- Score eine Sensitivität von 84,4% sowie ebenfalls eine hohe Spezifität (78,4%). Der PWH- Score zeigte eine geringere Sensitivität (80,6%) bei vergleichbarer Spezifität. Der Larson-Score zeigte die niedrigste Sensitivität (70,9%) bei einer Spezifität von 80,4%.

Scores, die zum einen über eine größere Anzahl verschiedener Variablen verfügen und zum anderen eine Gewichtung für diese Variablen festlegen sind bei unserer Auswertung denjenigen überlegen, die nur wenige, nicht-gewichtete Variablen verwenden. Die Anwendung solcher Scores sollte bereits in der frühen klinischen Phase stattfinden um eventuelle Blutungen frühzeitig zu erkennen und um die Notwendigkeit einer eventuellen Massentransfusion abschätzen zu können. Zukünftig sollten vermehrt Scores anhand von prospektiven Analysen entwickelt und validiert werden.