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Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU 2012)

23.10. - 26.10.2012, Berlin

Das zuverlegte Polytrauma – Ein verlorenes Spiel?

Meeting Abstract

  • presenting/speaker Antonio Ernstberger - Universitätsklinikum Regensburg, Unfallchirurgie, Regensburg, Germany
  • Tobias Friedrich - Universitätsklinikum Regensburg, Unfallchirurgie, Regensburg, Germany
  • Christian Hainz - Universitätsklinikum Regensburg, Unfallchirurgie, Regensburg, Germany
  • Michael Nerlich - Universitätsklinikum Regensburg, Unfallchirurgie, Regensburg, Germany

Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU 2012). Berlin, 23.-26.10.2012. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2012. DocWI29-1424

DOI: 10.3205/12dkou120, URN: urn:nbn:de:0183-12dkou1205

Veröffentlicht: 2. Oktober 2012

© 2012 Ernstberger et al.
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Gliederung

Text

Fragestellung: Die Verbesserung der Schwerverletztenversorgung ist die Basis der TraumaNetzwerk-Philosophie, nicht zuletzt durch die Verbesserung der Verlegungsmöglichkeiten innerhalb eines TraumaNetzwerks. Wer ist aber der zuverlegte Patient und was hat dieser für ein Outcome? Ist nicht zu befürchten, dass aufgrund von Transportzeiten etc. das Outcome des Patienten von vorneherein massiv limitiert ist?

Methodik: An einem überregionalen TraumaZentrum wurden für den Zeitraum von 12 Monaten schwerstverletzte Patienten sowohl mit dem TraumaRegister als auch mit einem erweiterten Datensatz erfasst. Die Dokumentation erfolgte initial direkt im Schockraum über Doktoranden. Die Datensätze wurden im Nachgang einer ärztlichen Qualitätskontrolle unterzogen. Erfasst wurden Patienten nach den Einschlusskriterien des TraumaRegisters.

Ergebnisse: Innerhalb des 12-Monats-Zeitraums wurden 174 Patienten erfasst. 134 Patienten zeigten einen ISS ≥ 16, hiervon waren 107 Patienten primär (Gruppe D16, 79,9%) und 27 zuverlegt (Gruppe S16, 20,1%). Das mittlere Alter betrug bei D16 36,5 Jahre, bei S16 39,0 Jahren. In S16 fanden sich keine Patienten > 75 Jahre. 59,3% der S16 Zuverlegungen erfolgten Fr-So, während für den gleichen Zeitraum 47,7% der primären Aufnahmen zu verzeichnen sind. Die Aufnahme der S16 Patienten erfolgte im Mittel 7,6 Stunden nach Unfall, 11% wurden nach 24h verlegt. Der Median betrug 4:45 h. 37% der Zuverlegungen erfolgten zwischen 08:00-16:00 Uhr. Hauptverlegungsgrund (52% der Gruppe S16) war ein SHT. 70% (D16 und S16) wurden luftgebunden transportiert. Der mittlere ISS betrug 34,7 (D16) bzw. 38,2 (S16), die mittlere Dauer der Schockraumbehandlung 70,2 min. (D16) bzw. 69,4 min. (S16). 15,9% der Patienten D16 verstarben, 22,2% S16. Betrachtet man die Liegedauern der Patienten, zeigt sich eine signifikant längere Liegezeit der S16 Patienten. Beim GOS (ohne Verstorbene), bezogen auf die cerebrale Leistung, sind 81,4% D16 und 76,2% S16 als "Gut" zu bezeichnen. Bis auf die Liegedauern zeigen sich in dem Patientengut keiner der Unterschiede signifikant.

Schlussfolgerungen: Der zuverlegte Patient erscheint in dem betrachteten Patientengut tendentiell älter und schwerer verletzt. Die Mortalitätsrate ist tendenziell höher und das Outcome (GOS) der Überlebenden tendenziell schlechter.

Beim Hauptverlegungsgrund SHT erscheint die mittlere Verlegungszeit von 7,6h bzw. 4:45h im Median als zu lange.

Das zuverlegte Polytrauma ist als besonders kritisch zu bewerten. Eine Verkürzung der Zuverlegungszeit und der Einsatz einer elektronischen Bildübermitlung zur Minimierung der Schockraumzeit der Zuverlegten könnte einen positiven Effekt auf das Outcome haben.