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Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU 2012)

23.10. - 26.10.2012, Berlin

Extremitätenamputationen im Kindesalter: Kausalität, Modalität und psychosoziale Entwicklung

Meeting Abstract

  • presenting/speaker Melanie Horter - Westfälische Wilhelms-Universität, Klinik für Technische Orthopädie und Rehabilitation, Münster, Germany
  • Wiebke Ada de Boer - Westfälische Wilhelms-Universität, Klinik für Technische Orthopädie und Rehabilitation, Münster, Germany
  • Heide Kirch - Diakonie-Klinikum Stuttgart, Sektion Fuß und Sprunggelenk, Stuttgart, Germany
  • Tymo Budny - Westfälische Wilhelms-Universität, Klinik für Technische Orthopädie und Rehabilitation, Münster, Germany
  • Stefan Schüling - Klinik für Technische Orthopädie, Klinische Prüfstelle f. orthopädische Hilfsmittel, Albert-Schweitzer-Campus 1, Münster, Germany
  • Kiriakos Daniilidis - Westfälische Wilhelms-Universität, Klinik für Technische Orthopädie und Rehabilitation, Münster, Germany
  • Heinzl-Günther Büsch - Westfälische Wilhelms-Universität, Klinik für Technische Orthopädie und Rehabilitation, Münster, Germany
  • Hans H. Wetz - Westfälische Wilhelms-Universität, Klinik für Technische Orthopädie und Rehabilitation, Münster, Germany

Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU 2012). Berlin, 23.-26.10.2012. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2012. DocWI20-513

DOI: 10.3205/12dkou066, URN: urn:nbn:de:0183-12dkou0664

Veröffentlicht: 2. Oktober 2012

© 2012 Horter et al.
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Gliederung

Text

Fragestellung: Extremitätenamputationen im Kindesalter sind glücklicherweise selten, bedeuten aber einen irreversiblen und großen Einschnitt in das Leben des Kindes und seiner Eltern. Was sind die häufigsten Ursachen? Wie sehen die Nachbehandlung, die Hilfsmittel- und Prothesenversorgung dieser Pat. aus und in wie weit werden z.B. die Eltern-Kind-Beziehung, Berufswahl und Hobbies beeinträchtigt? [1]

Methodik: 124 im Kindesalter extremitätenamputierte Patienten (42 Mädchen, 82 Jungen) unserer Klinik wurden mittels einer retrospektiven Aktenanalyse und eines eigens konzipierten Fragebogens zur psychosozialen Entwicklung nachuntersucht. Es erfolgte der Vergleich mit ähnlichen Untersuchungen, wobei sich kaum eine Arbeitsgruppe mit den psychosozialen Aspekten auseinander gesetzt hat [2], [3], [4], [5].

Ergebnisse und Schlussfolgerungen: Traumata (77 Patienten) waren vor Krebserkrankungen (39 Patienten), arteriellen Durchblutungsstörungen und Infektionen die häufigsten Amputationsursachen. Jungen waren von traumatischen Amputationen häufiger betroffen als Mädchen. Zum Zeitpunkt der Datenerhebung wurden 88 Prothesen getragen, 8 Patienten hatten ihre Prothesen abgelegt. Das Prothesentrageverhalten war unabhängig von Ätiologie und Geschlecht, jedoch abhängig von der Lokalisation der Amputation.

Obwohl die Amputation als einschneidendes Ereignis gewertet wurde sah die Hälfte der Patienten keine Veränderung ihres Selbstbewusstseins.

Kindern war nicht nur die Funktion der Prothese wichtig, ebenso legten sie Wert auf die Kosmetik. Das äußere Erscheinungsbild erschien für soziale Bindungen von großer Bedeutung und beeinflusste wiederum die emotionale Situation der Patienten.

Die Mehrheit der Patienten, die sich in einem Arbeitsverhältnis befanden, sah ihren Beruf nicht als Wunschberuf an. In 59% der Fälle wurde die Amputation als ursächlich angesehen. Der Patient sollte bezüglich sozialem Umgang, der Freizeitgestaltung und den beruflichen Perspektiven beraten werden.

Da die Familie als bedeutsamste Unterstützung während der Krankenhausaufenthalte angesehen wurde, muss der Familienzusammenhalt unterstützt werden, um eine erfolgreiche Therapie und soziale Reintegration des Patienten zu ermöglichen. Hilfreich ist dabei der Austausch der Patienten und Eltern untereinander, z.B. durch Selbsthilfegruppen.


Literatur

1.
Baumgartner R. Amputation und Prothesenversorgung beim Kind. Ferdinand und Enke Verlag; 1977. S. 185.
2.
Krebs D E, Fishman S. Characteristics of the child amputee population. J Pediatr Orthop. 1984:89-95.
3.
Al-Turaiki HS, Al-Falahi LA. Amputee population in the Kingdom of Saudi Arabia. Prosthet Orthot Int. 1993:147-56.
4.
Kuyper M A. Prosthetic management of children in The Netherlands with upper limb deficiencies. Prosthet Orthot Int. 2001:228-34.
5.
Lange C, Heuft G. Coping with illness and psychotherapy for patients after amputation. Orthopade. 2001;30:155-60.