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Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie, 75. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie, 97. Tagung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie, 52. Tagung des Berufsverbandes der Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie

25. - 28.10.2011, Berlin

Etablierung einer indikationsgestützten Identifikation und Betreuung hochbelasteter Tumorpatienten in der Orthopädie

Meeting Abstract

  • U. Lenze - TU München, Klinikum rechts der Isar, Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie, München, Germany
  • C. Kirchhoff - TU München, Klinikum rechts der Isar, Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie, München, Germany
  • P. Herschbach - Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psych, Sektion Psychosoziale Onkologie, München, Germany
  • H. Rechl - Technische Universität München, Klinik für Orthopädie und Sportorthopädie, München, Germany
  • R. Gradinger - TU München, Klinikum rechts der Isar, Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie, München, Germany
  • R. von Eisenhart-Rothe - TU München, Klinikum rechts der Isar, Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie, München, Germany

Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie. 75. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie, 97. Tagung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie, 52. Tagung des Berufsverbandes der Fachärzte für Orthopädie. Berlin, 25.-28.10.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. DocWI66-1401

DOI: 10.3205/11dkou421, URN: urn:nbn:de:0183-11dkou4216

Veröffentlicht: 18. Oktober 2011

© 2011 Lenze et al.
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Gliederung

Text

Fragestellung: Psychosoziale Belastungsreaktionen repräsentieren ein relevantes klinisches Problem, unter dem bis zu 66 Prozent aller Krebspatienten im Verlauf ihrer Krankheit leiden. Die Versorgung fokussiert sich jedoch bislang fast ausschließlich auf biomedizinische Aspekte. Hieraus resultiert eine Untererfassung und in Folge eine Unterversorgung von Krebspatienten mit psychosozialen Belastungen oder psychiatrischen Begleitmorbiditäten. Internationale Richtlinien fordern daher Screeninguntersuchungen aller Krebspatienten in Bezug auf psychosoziale Belastungen sowie das Angebot einer adäquaten Therapie. Ziel war es, einen indikationsgestützten Algorithmus zur Erfassung von Belastungsmustern bei Patienten mit Erstdiagnose eines malignen Knochen- oder Weichteiltumors bzw. einer muskuloskelettal metastasierten Malignomerkrankung zu etablieren sowie eine psychoonkologische Mitbetreuung von hochbelasteten Tumorpatienten in den klinischen Alltag zu integrieren.

Methodik: Zum Zeitpunkt der stationären Aufnahme vor Tumor-/Metastasenresektion erfolgt eine standardisierte Fragebogenerhebungen zur Erfassung des psychosozialen Befindens bzw. psychosozialer Belastungen sowie zur Identifikation einer depressiven Verstimmung. Eingesetzt werden standardisierte Instrumente zum psychoonkologischen Screening (Psychoonkologische Basisdiagnostik (PO-Bado), der Fragebogen zur Belastung von Krebskranken (FBK-R10) und eine modifizierte Form des Patient Health Questionnaire (PHQ)). Bei Patienten, die bei stationärer Aufnahme in der psychoonkologischen Basisdiagnostik (PO-Bado) einen definierten Cut-off-Wert, der als Indikator für eine Betreuungsbedürftigkeit angenommen wird überschreiten, erfolgt die konsiliarische Mitbehandlung durch die Psychoonkologie.

Zur Beurteilung von Kurzzeiteffekten der stationären psychoonkologischen Mitbetreuung erfolgt eine Reevaluation der psychosozialen Belastungssituation vor stationärer Entlassung. Die erhobenen Befunde werden gemeinsam mit einer hierauf abgestimmten psychoonkologischen Weiterbehandlungsempfehlung in den orthopädischen Entlassungsbrief integriert. Zur Ermittlung von Langzeiteffekten der psychoonkologischen Mitbetreuung erfolgt eine erneute Fragebogenerhebung im Rahmen der orthopädischen Nachuntersuchungen 3 und 12 Monate postoperativ.

Ergebnisse und Schlussfolgerungen: Ein relevanter Anteil der tumororthopädischen Patienten erhält bislang aufgrund fehlender oder zu später Identifikation des Behandlungsbedarfs keine ausreichende psychoonkologische Betreuung. Die Etablierung eines systematischen Selektionsalgorithmus sowie die Integration dieser Screeninguntersuchungen in den klinischen Alltag erscheint somit als ein zuverlässiger Weg, um das frühzeitige Erkennen einer Betreuungsbedürftigkeit sicherzustellen und eine adäquate Therapie zu gewährleisten.