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Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie
74. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie
96. Tagung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie
51. Tagung des Berufsverbandes der Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie

26. - 29.10.2010, Berlin

Risiken und Herausforderungen in der Behandlung älterer Traumapatienten – eine Analyse anhand 1.798 schwerstverletzter Patienten

Meeting Abstract

  • M. Turina - Universitätsspital Zürich, Unfallchirurgie, Zürich, Switzerland
  • A. Schönenberger - Universitätsspital Zürich, Unfallchirurgie, Zürich, Switzerland
  • G. Wanner - Universitätsspital Zürich, Unfallchirurgie, Zürich, Switzerland
  • H.-P. Simmen - Universitätsspital Zürich, Unfallchirurgie, Zürich, Switzerland
  • A. Billeter - Universitätsspital Zürich, Unfallchirurgie, Zürich, Switzerland

Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie. 74. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie, 96. Tagung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie, 51. Tagung des Berufsverbandes der Fachärzte für Orthopädie. Berlin, 26.-29.10.2010. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2010. DocWI38-1563

DOI: 10.3205/10dkou348, URN: urn:nbn:de:0183-10dkou3482

Veröffentlicht: 21. Oktober 2010

© 2010 Turina et al.
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Gliederung

Text

Fragestellung: Die initiale Abklärung und Behandlung schwerstverletzter Patienten erfolgt heute gemäss standardisierten Algorithmen, obschon verschiedene Subgruppen von Traumapatienten von einer entsprechenden Anpassung dieser Abläufe profitieren könnten. Ziel dieser Studie ist, die Gruppe älterer Traumapatienten hinsichtlich spezifischer Risiken und möglicher Verbesserungen der Behandlungsabläufe zu analysieren.

Methodik: Zwischen 1996 und 2009 wurden insgesamt 1.798 Traumapatienten mit einem Injury Severity Score (ISS) von 16 und grösser an unserer Klinik behandelt und in unsere prospektiv geführte Traumadatenbank eingeschlossen. Das Gesamtkollektiv wurde für diese Studie in vier Alterskategorien aufgeteilt und bezüglich relevanter Verlaufs- und Outcomeparameter mittels univariater und multivariater Analyse verglichen (SPSS 17.0).

Ergebnisse und Schlussfolgerungen: In unserem Patientenkollektiv fielen 129 Patienten (7,1%) in die Kategorie >75 Jahre, und 494 Patienten (27,4%) waren zwischen 50 und 75 Jahre alt. Obschon vergleichbar bezüglich Verletzungsschwere (durchschnittlicher ISS 30-33) und altersbereinigtem APACHE Score zeigte sich eine signifikant erhöhte Mortalität in Patienten jenseits des 50. Lebensjahres (<25: 29,8%, 25–50 Jahre: 26,7%, 51–75 Jahre: 39,5%, >75 Jahre: 64,3%), wobei das Alter einen unabhängigen Risikofaktor darstellt. Trotz vergleichbarem Anteil an Patienten mit Schädelhirntrauma (SHT, Durchschnitt 69%) von gleicher Verletzungsschwere (mittlerer AIS 4,4), fanden wir in Patienten >75 Jahre die höchste Mortalität des SHT (70,2%, p<0,01), wobei das SHT in dieser Gruppe den Hauptfaktor erhöhter Mortalität darstellt. Über 75-Jährige erhielten rund viermal so häufig ausschliesslich Komforttherapie bei infauster Prognose und wurden beim SHT prozentual nur halb so häufig kraniotomiert verglichen mit Patienten unter 50. Patienten über 50 blieben im Schnitt auch signifikant kürzer auf der Intensivstation als Patienten unter 25 (9 versus 14 Tage, p<0,01).

Ältere Traumapatienten stellen aufgrund steigender Lebenserwartung und oftmals hoher Aktivität im Alter eine zunehmend wichtige Patientengruppe in mitteleuropäischen Unfallkliniken dar. Trotz vergleichbarer Verletzungsschwere und Zustand bei Eintritt verfügen über 50-Jährige über eine deutlich erhöhte Mortalität. Das letal verlaufende Schädelhirntrauma stellt den Hauptgrund hierfür dar, unabhängig vom Zeitpunkt des Therapiebeginns und der gewählten Behandlungsart.