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Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie
73. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie
95. Tagung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie
50. Tagung des Berufsverbandes der Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie

21. - 24.10.2009, Berlin

Osteomyelitis der Patella als seltene Manifestation der osteoartikulären Tuberkulose

Meeting Abstract

  • N. Dedy - Universitätsklinikum Münster, Klinik und Poliklinik für Allg. Orthopädie, Münster, Germany
  • M. Balke - Universitätsklinikum Münster, Klinik und Poliklinik für Allg. Orthopädie, Münster, Germany
  • D. Liem - Universitätsklinikum Münster, Klinik und Poliklinik für Allg. Orthopädie, Münster, Germany
  • A. Uekötter - Universitätsklinikum Münster, Institut für medizinische Mikrobiologie, Münster, Germany
  • V. Vieth - Universitätsklinikum Münster, Institut für klinische Radiologie, Münster, Germany
  • J. Hardes - Universitätsklinikum Münster, Klinik und Poliklinik für Allg. Orthopädie, Münster, Germany

Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie. 73. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie, 95. Tagung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie, 50. Tagung des Berufsverbandes der Fachärzte für Orthopädie. Berlin, 21.-24.10.2009. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2009. DocPO19-80

DOI: 10.3205/09dkou707, URN: urn:nbn:de:0183-09dkou7077

Veröffentlicht: 15. Oktober 2009

© 2009 Dedy et al.
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Gliederung

Text

Fragestellung: Die Tuberkulose ist weltweit die häufigste Infektionskrankheit mit jährlich etwa 9,2 Millionen Neuerkrankungen. Auch in den westlichen Industrienationen stellt sie weiterhin eine Bedrohung dar. Grund hierfür ist die wachsende Armut mit schlechten sanitären Bedingungen und Mangelernährung, sowie eine Zunahme der Migration aus Endemiegebieten. Die osteoartikuläre Tuberkulose repräsentiert eine seltene Manifestationsform und wird meist durch hämatogene Disseminierung einer Organtuberkulose verursacht. Die Patella als Herd kommt in der Literatur nur anekdotisch vor. Die größte Bedeutung kommt auch bei dieser Manifestation der medikamentösen Therapie mit Tuberkulostatika zu. Wir stellen die klinischen Aspekte des Falles einer osteoartikulären Tuberkulose der Patella in Diagnose und Therapie vor.

Methodik: Fallbericht: Ein 42-jähriger Patient aus Lybien mit einer viermonatigen Anamnese mit Nachtschweiß, Anorexie, Gewichtsverlust sowie einseitiger Knieschwellung stellte sich aufgrund einer axillären Lymphknotenschwellung vor. Der Mendel-Mantoux-Test fiel positiv aus. Die Lymphknotenbiopsie erbrachte den histologischen Nachweis verkäsender Granulome, die Kultur Mycobacterium tuberculosis. Nativradiologisch wurden keine pulmonalen Läsionen gefunden. Zunehmende Schmerzen im Kniegelenk veranlassten zu weiterer Diagnostik, wobei im konventionellen Röntgen eine Osteolyse im kranialen Pol der Patella zur Darstellung kam, im MRT zeigte sich eine Synovitis sowie ein Fokus in der Patella mit partieller Destruktion der Gelenkfläche. Im Gelenkpunktat wurde Mycobacterium tuberculosis nachgewiesen. Nach initialer Kombinationstherapie mit Isoniazid, Pyrazinamid, Rifampicin und Etambutol über zwei Monate wurde die Behandlung mit Rifampicin und Isoniazid fortgesetzt. Eine operative Therapie erfolgte nicht.

Ergebnisse und Schlussfolgerungen: 6 Monate nach Therapiebeginn war der Patient nahezu beschwerdefrei. Das Bewegungsausmaß für Extension/Flexion nach Neutral-Null-Methode hatte sich von initial 0-10-90° auf 0-5-130° nach 6 Monaten verbessert. Der Knee society score (KSS) war von initial 59 auf 93 Punkte nach Therapie gestiegen mit einem Function score von initial 30 und nach Therapie 80 (maximale Punktzahl jeweils 100). Entscheidend für die erfolgreiche Behandlung einer osteoartikulären Tuberkulose ist die frühzeitige Diagnosestellung. Wichtig ist die Zusammenschau von Anamnese, klinischer Untersuchung und Bildgebung. Die Verdachtsdiagnose muss durch Gewinnung mikrobiologischer oder histologischer Proben bestätigt werden. Hauptbestandteil der Therapie ist nach wie vor die medikamentöse Behandlung, die gemäß aktueller Richtlinien zunächst über zwei bis drei Monate als Vierfachkombination begonnen und dann als Zweifachkombination über 6 bis 9 Monate fortgesetzt wird. Die chirurgische Herdsanierung ist meist nur bei schweren Verlaufsformen mit Destruktion des Gelenkes, ausgeprägten Fehlstellungen oder Ankylosen indiziert.