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Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie
73. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie
95. Tagung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie
50. Tagung des Berufsverbandes der Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie

21. - 24.10.2009, Berlin

Soziodemographische und medizinische Aspekte häuslicher Gewalt

Meeting Abstract

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  • R. Gologan - Universitätsmedizin Mannheim, Orthopädisch-Unfallchirurgisches Zentrum, Mannheim, Germany
  • U. Schreiner - Universitätsmedizin Mannheim, Orthopädisch-Unfallchirurgisches Zentrum, Mannheim, Germany
  • U. Obertacke - Universitätsmedizin Mannheim, Orthopädisch-Unfallchirurgisches Zentrum, Mannheim, Germany

Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie. 73. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie, 95. Tagung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie, 50. Tagung des Berufsverbandes der Fachärzte für Orthopädie. Berlin, 21.-24.10.2009. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2009. DocER10-1628

DOI: 10.3205/09dkou113, URN: urn:nbn:de:0183-09dkou1133

Veröffentlicht: 15. Oktober 2009

© 2009 Gologan et al.
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Gliederung

Text

Fragestellung: Tätliche Auseinandersetzungen im häuslichen Umfeld führen zu Verletzungen, die ambulant oder stationär behandelt werden. In der medizinischen Fachliteratur ist die Datenlage im Hinblick auf soziodemographische Aspekte und Verletzungsmuster häuslicher Gewalt schwach. Im Rahmen einer retrospektiven Studie in 2008 in einem Krankenhaus der Maximalversorgung in einer Großstadt wurden diese Aspekte häuslicher Gewalt untersucht.

Methodik: Retrospektiv erfolgte eine Auswertung der Patientendokumentation der interdisziplinären Notaufnahme des Jahres 2008 (Eingangskriterien: Vorstellung am Unfalltag, Primärversorgung, gesicherte Anamnese des Geschädigten). Die Daten wurden anhand eines Erfassungsbogens erhoben, der soziodemographische Parameter und Informationen zum Verletzungsmuster beinhaltete. Häusliche Gewalt wurde definiert als Verletzungen, die durch Verwandte, Ehepartner oder Lebenspartner ausgeübt wurde. Kindesmißhandlung wurde in der vorliegenden Studie aus methodischen Gründen ausgeschlossen. Ebenso wurden reine "Meldungen", die rein forensischen Zwecken dienen sollten, ohne daß Verletzungen erkennbar wurden, nicht aufgenommen. Grundsätzlich erfolgten alle Dokumentationen rein deskriptiv ohne Wertungen (z.B. zur Schuldfrage); der Aspekt "Alkohol" konnte ebenfalls aus methodischen Gründen (i.d.R. kam nur der Geschädigte zur Aufnahme) nicht erfaßt werden.

Ergebnisse und Schlussfolgerungen: Von den insgesamt 5950 Patienten, die als Grundgesamtheit nach o.g. Auswahl definiert wurden, lag bei 351 (5,9%) eine Verletzung infolge einer tätlichen Auseinandersetzung vor, in 56 Fällen (0,95%) lag häusliche Gewalt zugrunde. Das Kollektiv der Geschädigten bestand zu 42/56 (75%) aus Frauen und zu 14/56 aus Männern. Das durchschnittliche Alter betrug bei den Frauen 33 Jahre, bei den Männern 38 Jahre. In 50% der Frauen und 36% der Männer lag bei den Verletzten ein Migrationshintergrund vor. In 46% wurde die Gewalt vom Ehe/Lebenspartner ausgeübt, in 13% vom ehemaligen Lebenspartner, in 21% von sonstigen Verwandten. Die Analyse des Verletzungsmusters ergab bei bei über 50% eine Verletzung am Kopf/Hals, in 63% eine Verletzung am Rumpf, in 29/56 der oberen Extremität, in 11/56 eine Verletzung der unteren Extremität. Werkzeuge oder Waffen wurden nicht benutzt.

86% der Verletzten wurden ambulant und 13% stationär behandelt. Die Verletzungsschwere ergab ein AIS-Spektrum von 1–4. Tödliche Verletzungen kamen nicht vor.

Die häusliche Gewalt als Ursache wertiger Verletzungen ist grundsätzlich selten im gesamten Unfallaufkommen.

Es sind jedoch Muster erkennbar: passiv betroffene sind überwiegend Frauen; die Gewalt wird innerhalb einer Partnerschaftsbeziehung, seltener in direkter Verwandschaftslinie verübt; die Richtung der Gewalt zielt auf den Kopf und Oberkörper, analog einem "Züchtigungsmuster". Exzessive Gewalten (Waffen, schwerste Verletzungen) wurden nicht beobachtet. Die Studie wird prospektiv fortgesetzt.