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Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie
72. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie, 94. Tagung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie und 49. Tagung des Berufsverbandes der Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie

22. - 25.10.2008, Berlin

Operative Therapieoptionen der Tibiaaplasie – eine rekonstruktive Herausforderung

Meeting Abstract

  • J. Kühle - Universitätsklinikum Freiburg, Orthopädie und Traumatologie, Freiburg, Germany
  • M. Vohrer - Universitätsklinikum Freiburg, Sektion Kinderorthopädie, Freiburg, Germany
  • D. Maier-Lenz - Universitätsklinikum Freiburg, Sektion Kinderorthopädie, Freiburg, Germany
  • L. Schwering - Universitätsklinikum Freiburg, Sektion Kinderorthopädie, Freiburg, Germany

Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie. 72. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie, 94. Tagung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie, 49. Tagung des Berufsverbandes der Fachärzte für Orthopädie. Berlin, 22.-25.10.2008. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2008. DocPO18-1733

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dkou2008/08dkou711.shtml

Veröffentlicht: 16. Oktober 2008

© 2008 Kühle et al.
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Gliederung

Text

Die kongenitale Tibiaaplasie ist eine sehr seltene Fehlbildung der peripheren Gliedmaßen. Sie wurde von Otto erstmals erwähnt und 1870 durch Bauer und in der Folgezeit in einigen Dissertationen umfassend untersucht und beschrieben. Die Anomalie führt bei den betroffenen Kindern zu einer Verkürzung der unteren Extremität und zu einer Klumpfußbildung. Ein vermehrtes Auftreten war in den Jahren zwischen 1960 und 1965 im Rahmen der Dysmelie bei Thalidomideinnahme zu beobachten. Orthopäden haben bereits sehr früh versucht, durch konservative wie operative Therapie diesen Kindern ein Gehen zu ermöglichen. Dabei ist mit der Zeit die Amputation nach Syme, gefolgt von einer Prothesenversorgung, die vorherrschende Lehrmeinung in den angloamerikanischen Ländern, während der Versuch der operativen Rekonstruktion in Deutschland lange Zeit zu den gängigen Methoden zählte. Durch die wachsende Globalisierung und Mobilität werden nun wieder rekonstruktive Methoden gefragt, beispielsweise bedingt durch einen kulturellen Hintergrund, wie der Unversehrtheit des Körpers im Islam. Wir berichten über 10 Fälle, in denen wir 11 Tibiaaplasien operativ erfolgreich Extremitäten-erhaltend behandelt haben.

10 Kinder, eines davon mit einer beidseitigen Tibiaaplasie, wurden operativ therapiert. Zunächst erfolgte eine Redressionsbehandlung der Klumpfußkomponente, gefolgt von einer Operation nach Ponseti. Ebenso war in einigen Fällen ein ausgedehntes Sehnenrelease notwendiog. Nach 2 Monaten erfolgte eine Transposition der Fibula als Ersatz der Tibia unter Schaffen eines Kniegelenks durch Belassen einer knorpeligen Anlage. Es erfolgte eine Fibulo-talare Arthrodese und ein dorsomediales Weichteilrelease im OSG. In der Folge entwickelte sich aus dem Fibulaköpfchen ein Neo-Tibiaplateau, in einem Fall zeigte sich eine bleibende anterior-posteriore Instabilität, weswegen eine Kreuzbandersatzplastik notwendig wurde.

Die Kinder wurden zunächst mit Schienen-Hülsen-Apparaten versorgt, ein Kind kann mittlerweile ohne orthopädische Hilfsmittel in häuslicher Umgebung laufen. Wir glauben, dass durch diese operative Therapie den Kindern eine Geh- und Stehfähigkeit unter Erhalt der eigenen Extremitäten erfolgreich gegeben werden kann.