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Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie
72. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie, 94. Tagung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie und 49. Tagung des Berufsverbandes der Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie

22. - 25.10.2008, Berlin

Untersuchung zur Eignung der Reaktivität des Interleukin-6 Spiegels zur Früherkennung postoperativ anhaltender radikulärer Schmerzen

Meeting Abstract

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  • A. Geiss - Universität zu Köln, Klinik und Poliklinik für Orthopädie, Köln, Germany
  • K. Steinbach - Klinik für Orthopädie und Sportmedizin der Hochwald Kliniken, Weiskirchen/Saar, Germany
  • H.W. Bauer - Klinik für Orthopädie und Sportmedizin der Hochwald Kliniken, Weiskirchen/Saar, Germany
  • F. Anton - Université du Luxembourg, FLSHASE/Unité de Recherche INSIDE, Luxembourg, Luxembourg

Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie. 72. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie, 94. Tagung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie, 49. Tagung des Berufsverbandes der Fachärzte für Orthopädie. Berlin, 22.-25.10.2008. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2008. DocWI88-1440

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dkou2008/08dkou559.shtml

Veröffentlicht: 16. Oktober 2008

© 2008 Geiss et al.
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Gliederung

Text

Fragestellung: Das proinflammatorische Zytokin IL-6 konnte als Immunbotenstoff charakterisiert werden, der an der Vermittlung verschiedenster entzündlicher Symptome beteiligt ist. Dazu gehört neben einer Temperaturerhöhung auch die Verstärkung hyperalgetischen Verhaltens. Auf dem Hintergrund tierexperimenteller Befunde, die die Beteiligung dieses Zytokins an der Verstärkung radikulärer Schmerzen nahelegen, bestand die Zielsetzung der vorliegenden prospektiven Studie darin, zu überprüfen, inwieweit sich Patienten mit einem Failed-Back-Syndrome (FBS) von Patienten ohne FBS durch die Reaktivität des IL-6 Spiegels unterscheiden.

Methodik: An dieser prospektiven Untersuchung nahmen insgesamt 34 Patienten im Alter zwischen 30 und 50 Jahren, die sich aufgrund eines freien Sequesters auf der Höhe L3/L4, L4/L5 oder L5/S1 einer Nukleotomie unterzogen, teil. Zusätzlich wurden 10 schmerzfreie, nach Alter und Geschlecht parallelisierte Kontrollpersonen untersucht. Im Durchschnitt acht Wochen nach dem operativen Eingriff wurde den Patienten um 1330 Uhr eine Dauerverweilkanüle gelegt. Nach der Entnahme von Blutproben zur Bestimmung der BSG und des Differentialblutbildes erfolgte gegen 1600 Uhr die Palpation der Dornfortsätze durch die Applikation aufsteigender Druckreizserien unter Verwendung eines Algometers. Wiederholte Blutproben zur Detektion des IL-6 Spiegels wurden vor und in Zeitabständen zwischen einer und 375 Minuten nach der Palpation der Dornfortsätze entnommen. Während jeder Blutentnahme schätzten die Patienten ihre momentane Schmerzintensität auf der NRS ein. Zusätzlich führten die Untersuchungspersonen zu verschiedenen Zeitpunkten eine rektale Temperaturmessung durch.

Ergebnisse: Patienten mit FBS wiesen im Vergleich zu den Kontrollgruppen weder eine im pathologischen Sinne bedeutsame Beschleunigung der BSG (p .1402) noch erhöhte rektale Körpertemperatur auf. Im Unterschied dazu wiesen Patienten mit FBS eine signifikant höhere Monozytenzahl im Sinne einer Monozytose auf (p .001). Während sich die Untersuchungsgruppen präalgesimetrisch nicht signifikant hinsichtlich des IL-6 Spiegels (p .218) unterschieden, konnten nur bei den Patienten mit FBS ein Anstieg der IL-6 Konzentrationen von im Mittel 400% (alle Ps .001) detektiert werden. Die zusätzliche varianzanalytische Auswertung erbrachte, dass die Patienten mit FBS nur 20 Minuten nach der algesimetrischen Untersuchung mit einer Verschlimmerung in der wahrgenommenen Schmerzintensität reagierten (p .02).

Schlussfolgerungen: In der vorliegenden Untersuchung unterschieden sich Patienten mit FBS von den Kontrollkollektiven nur durch die stärkste Reaktivität des zirkulierenden IL-6 Spiegels nach der Palpation der Dornfortsätze. Dieser Befund verweist auf die Eigung dieses Immunbotenstoffes zur Früherkennung postoperativ anhaltender radikulärer Schmerzen und impliziert einen alternativen Therapieansatz für die Behandlung diesen chronischen Schmerzsyndroms.