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Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie
71. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie, 93. Tagung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie und 48. Tagung des Berufsverbandes der Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie

24. - 27.10.2007, Berlin

Welche orthopädischen Schmerzreduktionsmaßnahmen sind nach Knie-TEP-Implantation gesichert? Eine systematische Literaturanalyse nach „evidence based medicine“-Kriterien

Meeting Abstract

  • C. Simanski - Lehrstuhl Unfallch/Orthopädie Universität Witten-Herdecke, Klinik für Unfallchirurgie/Orthopädie, Köln, Germany
  • B. Fischer - Alexandra Hospital, Department of Anaesthesiology, Redditch, United Kingdom
  • H. Kehlet - The Juliane Marie Centre, Rigshospitalet, Section for Surgical Pathophysiology, Kopenhagen, Denmark
  • F. Bonnet - Hopital Tenon, Service Anesthesie Reanimation, Paris, France
  • F. Camu - Flemisch Free University of Brussels, Medical Center, Brussels, Belgium
  • R. McCloy - University Department of Surgery, Manchester Royal Infirmary, Manchester, United Kingdom
  • G.P. Joshi - University of Texas Southwestern, Med. Center at Dallas, Dep. of Anesthesiology and Pain Management, Dallas, TX, United Staates of America
  • E. Neugebauer - Universität Witten/Herdecke gGmbH, Institut f. Forschung i.d. Operativ.Med. (IFOM), Köln, Germany
  • N. Rawal - University Hospital, Dep. of Anaesthesia and Intensive Care, Örebro, Sweden
  • S. Schug - The University of Western Australia, School of Medicine and Pharmacology, Perth, Australia

Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie. 71. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie, 93. Tagung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie, 48. Tagung des Berufsverbandes der Fachärzte für Orthopädie. Berlin, 24.-27.10.2007. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2007. DocP19-831

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dkou2007/07dkou313.shtml

Veröffentlicht: 9. Oktober 2007

© 2007 Simanski et al.
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Gliederung

Text

Fragestellung: Welche Evidenz existiert bezüglich der Schmerztherapiemöglichkeiten aus operativer Sicht nach Knie-TEP-Implantation? Methoden: Cochrane-Protokoll®(MEDLINE1966–12/2006,EmBASE1988-12/2006). Einschluß: Random. kontrollierte Studien mit Linearskalen-Schmerzmessung und Studien mit transferrierbarer Evidenz (z.B.Hüft-TEP).

Ergebnisse: 101 random. Studien (Stud.) wurden ein-,136 ausgeschlossen. 2 Stud. verglichen prä-OP kardio/physiotherapeutisches Training vs.Kontrolle, bezogen auf den Endpunkt postoperative Schmerzen zeigten sich keine Vorteile in den Interventionsgruppen. Die Vermeidung/Anlage einer Blutsperre erbrachte keinen Unterschied bezüglich der post OP Schmerzen nach 24, 48h und 1,6 und 16 Wochen, doch eine Schmerzreduktion 4h post-OP in der Grp.ohne Blutsperre[1].3/3Studien zeigten besseres funktionelles Kurzzeit-Outcome in den Gruppen ohne Blutsperre[1,3,4].Der Vergleich operativer Zugänge(subvastus/ trivektor/parapatellar) zeigte keine Schmerz-Unterschiede[5,6].6/6 Studien,die verschiendene Knie-TEP-Typen miteinander verglichen,fanden keine Unterschiede,bezogen auf den Endpunkt post-OP Schmerzen[7,8,9,10,11,12]. Bei bekannter Belästigung des Pat. durch Drainagen zeigten 3/3 Studien keine Unterschiede bezüglich post-OP Schmerzintensität, bei erhöhtem Bedarf an Blut-Transfusionseinheiten[13] und verlängerter Zeitdauer bis zum Erreichen der gestreckten Kniehebung in der Drainagen-Grp[16].3 Stud. verglichen nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR)vs.Placebo(Plac.)[14,15,18],bei allen zeigte sich ein signifikanter Effekt für eine Opioidreduktion.1Stud. verglich i.v.COX-2-Hemmer(Parecoxib)gegen Ketorolac und fand keine Unterschiede bezüglich der post-OP Schmerzintensität [17]. 2Stud. verglichen COX-2-Hemmer vs.Placebo und zeigten in beiden Studien schmerzreduzierende Eigenschaften bis 36h postOP[19,20].Starke Opiode wurden in 2 Stud.vs. Placebo getestet[2,21].Beide zeigten signifikante VAS-Schmerzreduktionen.Eine uneinheitliche Datenlage zeigt sich derzeit bei intraartikulärer Opioidinjektion und/oder Lokalanästhetika.Dabei zeigen Metaanalysen teils positive[22],teils negative Effekte[23].Diskutiert wird dabei die Frage,ob eine Dosis >5mg Morphin als systemische Analgesie angesehen werden muß.TENS,CPM und intensive Rehabilitationsprogramme zeigten keinen prozedurenspezifisch-schmerzreduzierenden Effekt, CPM und eine intensive Rehabilitation verbessern jedoch den funktionellen Status.Postoperative Kühlung und Kompression wirken gleich schmerzreduzierend[24,25].

Schlussfolgerungen: Die NSAR´s,COX-2-Hemmer,starke Opioide(Stufe3) und lokale Kühlung sind kontrolliert getestet suffiziente Analgetika zur postoperativen Schmerztherapie nach Knie-TEP.Die Anlage einer Blutsperre, die Art des operativen Zuganges oder der Prothese und vorbereitende Reha haben keinen schmerzreduzierenden Einfluß und sind von anderen patientenindividuellen Faktoren abhängig. Auf Redondrainagen sollte möglichst verzichtet werden[26].

[] Literatur beim Verfasser