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27. Deutscher Krebskongress

Deutsche Krebsgesellschaft e. V.

22. - 26.03.2006, Berlin

Muss in der Zukunft jedes Kind mit Protonen bestrahlt werden?

Meeting Abstract

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27. Deutscher Krebskongress. Berlin, 22.-26.03.2006. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2006. DocIS091

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dkk2006/06dkk091.shtml

Veröffentlicht: 20. März 2006

© 2006 Schuck.
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Gliederung

Text

Die Protonentherapie ist eine Bestrahlungsform, die im Vergleich zur konventionellen Photonenbestrahlung bei vergleichbarer biologischer Wirkung einen sehr steilen Dosisabfall hinter einem Target aufweist und somit die Möglichkeit bietet, das die Tumorregion umgebenden Normalgewebe mit weniger Strahlung zu belasten. Obwohl bislang vergleichsweise wenige Kinder mit dieser Modalität behandelt worden sind, erscheint bei ihnen der Einsatz der Protonenstrahlung aufgrund der physikalischen Eigenschaften sinnvoll. Gerade bei Kindern können auch außerhalb des Hochdosisbereiches der Bestrahlung relevante Spätschäden induziert werden wie zum Beispiel Wachstumseinschränkungen bei Teildosisbelastung der Epiphysenfugen oder neurokognitive Schäden bei Bestrahlungen im Bereich des Großhirnes. Ein weiterer theoretischer Vorteil der geringeren Organbelastung liegt in der potentiell reduzierten Rate an Sekundärmalignomen. Ausreichende klinische Daten dazu liegen bislang jedoch noch nicht vor. Da sich die Dosis im Zielgebiet der Bestrahlung, dem so genannten planing target volume, nicht von der konventionellen Bestrahlung unterscheidet, werden jedoch auch während und nach der Protonentherapie gravierende Akut- und Spätfolgen auftreten. Die Beurteilung, ob eine Protonentherapie einen Vorteil in der Behandlung der Patienten bringt, ist eine individuelle Abwägung, die von der Lage und Ausdehnung des Tumors, vom Alter des Patienten und auch von der Gesamtprognose abhängig ist. Besonders sinnvoll erscheint die Modalität z. B. bei Kindern unter 6 Jahren, die an Tumoren im ZNS oder im Gesichtschädelbereich bestrahlt werden (z.B. Ependymome oder parameningeale Rhabdomyosarkome). Wenig sinnvoll ist die Protonentherapie zum Beispiel bei ZNS-Bestrahlungen im Rahmen der Leukämiebehandlung oder meist auch bei Bestrahlung von Knochen- und Weichteilsarkomen der Extremitäten, die schonend und effizient durch eine Photonenbehandlung behandelt werden können. Bei der individuellen Indikationsstellung für die Protonentherapie sind die Studienzentralen und Referenzstrahlentherapeuten der GPOH-Studien Ansprechpartner.