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Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie
70. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie
92. Tagung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie und
47. Tagung des Berufsverbandes der Fachärzte für Orthopädie

02. - 06.10.2006, Berlin

Dash-Board-Injury – Ein Stiefkind der Fahrzeugsicherheit? Vergleich der Verletztenanzahl in Deutschland über die letzten 30 Jahre

Meeting Abstract

  • A. Ernstberger - Unfallchirurgie, Klinikum der Universität Regensburg, Regensburg, Germany
  • R. Friese - AARU, AUDI AG, Ingolstadt, Germany
  • B. Graab - AARU, AUDI AG, Ingolstadt, Germany
  • B. Füchtmeier - Unfallchirurgie, Klinikum der Universität Regensburg, Regensburg, Germany
  • P. Angele - Unfallchirurgie, Klinikum der Universität Regensburg, Regensburg, Germany
  • E. Donner - AARU, AUDI AG, Ingolstadt, Germany
  • M. Nerlich - Unfallchirurgie, Klinikum der Universität Regensburg, Regensburg, Germany

Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie. 70. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie, 92. Tagung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie und 47. Tagung des Berufsverbandes der Fachärzte für Orthopädie. Berlin, 02.-06.10.2006. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2006. DocW.15.1-738

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgu2006/06dgu1021.shtml

Veröffentlicht: 28. September 2006

© 2006 Ernstberger et al.
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Gliederung

Text

Fragestellung: Die Statistik der im Straßenverkehr getöteten Personen bescheinigt den Autos ein immer höheres Maß an Personenschutz. Während 1970 über 20000 Tote zu beklagen waren betraf dieses Schicksal 2005 ca. 5400 Verkehrsteilnehmer bei höherer Verkehrsdichte. Anzunehmen ist, dass die Abnahme der Todesopfer durch eine verbesserte medizinische Versorgung seit den 1970er Jahren und durch geringere Verletzungsraten an Kopf und Thorax durch die Einführung von Airbags und modernen Gurtsystemen erreicht werden konnte. Dennoch sehen wir in der Klinik häufig Verletzungen aus dem Formenkreis der Dash-Board-Injury. Wir stellten uns die Frage, um wieweit der Prozentsatz von Personen mit Kopf- und Thoraxverletzungen verringert werden konnte und ob die personenbezogene Verletzungshäufigkeit einer Dash-Board-Injury einen vergleichbaren Rückgang zeigt.

Methode: Zur Auswertung wurde die, von der Bundesanstalt für Straßenwesen und der FAT geförderte GIDAS-Datenbank herangezogen. Die German In-Depth Accident Study untersucht ca. 2000 Unfälle pro Jahr mit mind. einem Verletzten. Die Daten gelten für Deutschland als statistisch repräsentativ. Ausgewertet wurden angegurtete, verletzte Frontinsassen, die in einen Frontalcrash seit 1973 verwickelt waren. Untersucht wurden Personen mit schweren Kopf-, Thorax- bzw. Becken/Oberschenkel/Knie-Verletzungen (AIS 2-6). Die Gruppen wurden nach Fahrzeugbaujahr (bis 1996 / ab 1997) sowie nach Kollisionsgeschwindigkeit (Delta V ≥ 50 km/h) weiter ausgewertet.

Ergebnisse: Es konnten 3375 Personen eingeschlossen werden mit n = 2789 Personen in Autos BJ < 1997 (Gruppe ALT) und n = 586 Personen in Autos BJ ≥ 1997 (Gruppe NEU). Es zeigt sich ein Rückgang der Personen mit Becken-, Oberschenkel- oder Knieverletzungen von 5,89 % (Gruppe ALT) auf 4,1 % (Gruppe NEU). Die Rate von Personen mit Kopfverletzungen verringerte sich von 17,25 % (ALT) auf 9,56 % (Neu), Thoraxverletzungen von 11,08 % auf 6,48 %. Bei einer Kollisionsgeschwindigkeit ≥ 50 km/h zeigt sich ein Rückgang der an Becken, Oberschenkel bzw. Knien verletzten Personen von 23,21 % (ALT) auf 16,67 % (NEU). Im Kopfbereich zeigt sich ein Rückgang von 44,89 % auf 26,67 % und im Thoraxbereich von 30,67 % auf 6,67 %. Die Kollisionsgeschwindigkeiten sind vergleichbar (im Mittel 62,95 km/h ± 14,42 km/h (ALT) und 60,57 km/h ± 10,08 km/h (NEU)).

Schlussfolgerung: Der Anteil von Personen mit Becken-, Oberschenkel- oder Knieverletzungen im Frontalcrash zeigt ein abnehmendes Verhalten bei neueren Automobilen. Jedoch konnten im Verlauf der Jahre der Prozentsatz von Personen mit Verletzungen an Kopf und Thorax bei gleicher Kollisionsart stärker verringert werden, insbesondere bei einer hohen Kollisionsgeschwindigkeit. Somit möchten wir postulieren, dass die neueren Automobile ein Mehr an Sicherheit für Becken/Oberschenkel und Knie bieten, das relative personenbezogene Verletzungsrisiko jedoch im Vergleich zu Kopf und Thorax aber gestiegen ist.