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Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie
70. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie
92. Tagung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie und
47. Tagung des Berufsverbandes der Fachärzte für Orthopädie

02. - 06.10.2006, Berlin

Verletzungsschwere und -lokalisationen polytraumatisierter Kinder im Vergleich zu Erwachsenen

Meeting Abstract

  • J. Zwingmann - Department für Orthopädie und Traumatologie, Universitätsklinikum Freiburg, Freiburg im Breisgau, Germany
  • P. Stohm - Department für Orthopädie und Traumatologie, Universitätsklinikum Freiburg, Freiburg im Breisgau, Germany
  • C. Müller - Department für Orthopädie und Traumatologie, Universitätsklinikum Freiburg, Freiburg im Breisgau, Germany
  • H. Schmal - Department für Orthopädie und Traumatologie, Universitätsklinikum Freiburg, Freiburg im Breisgau, Germany
  • N. Südkamp - Department für Orthopädie und Traumatologie, Universitätsklinikum Freiburg, Freiburg im Breisgau, Germany

Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie. 70. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie, 92. Tagung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie und 47. Tagung des Berufsverbandes der Fachärzte für Orthopädie. Berlin, 02.-06.10.2006. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2006. DocW.3.5.3-716

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgu2006/06dgu0519.shtml

Veröffentlicht: 28. September 2006

© 2006 Zwingmann et al.
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Gliederung

Text

Fragestellung: Die Behandlung polytraumatisierter Kinder im Schockraum ist keine häufige Tätigkeit. Umso wichtiger für eine rasche und zielgerichtete Diagnostik ist deshalb die Kenntnis der häufigen Verletzungen unter Berücksichtigung der Besonderheiten in dieser Altersklasse. Ziel unserer Arbeit war somit die Erfassung von Verletzungshäufigkeiten, -lokalisationen und –schwere der 0-16 Jährigen im Vergleich mit erwachsenen Patienten.

Methodik und Patienten:Im Zeitraum 7/01 bis 5/04 wurden retrospektiv die Verletzungsschwere und -lokalisationen von 23 polytraumatisierten Kindern (Alter: 2-16 Jahren) mit denen von 324 Erwachsenen (Alter: 17-88 Jahre) verglichen. Die Letalität lag bei den heranwachsenden Kindern und Jugendlichen (ISS: 31) mit 17% deutlich höher als mit 10% in der Erwachsenengruppe (ISS:33) bei ähnlicher Verletzungsschwere. Die Unfallursache, die Schwere der Verletzungen sowie die jeweils betroffenen Körperregionen wurden analysiert. Der Schweregrad von Verletzungen in verschiedenen Körperregionen wurde durch den Abbreviated Injury Severity Score (AIS) klassifiziert. Die Ergebnisse wurden anhand der aktuellen Literatur diskutiert.

Ergebnisse: Höhergradige Kopfverletzungen (AIS >2) erlitten mit 65% mehr als jedes zweite Kind, wohingegen nur 37% der Erwachsenen betroffen waren. Die verschiedenen intracraniellen Blutungen wurden erfasst und verglichen. Erhebliche Verletzungen des Thorax (AIS >2) waren bei 61% der Kindern und bei 54% der Erwachsenen eine Unfallfolge. Bei den intraabdominellen Verletzungen konnte mit einer Inzidenz von 30% bei Kindern und 31% bei Erwachsenen kein Unterschied festgestellt werden. Hierbei lagen die Anteile an Leber- und Milzverletzungen in beiden Gruppen jeweils zwischen 13 und 16%. Bei Kindern kam es mit 4% im Gegensatz zur Erwachsenengruppe von 40% signifikant seltener zu Verletzungen der Wirbelsäule. In 5% der über 16-jährigen führten die Verletzungen zu einem inkompletten und in 3% Fälle zu einem kompletten Querschnittssyndrom. Die Häufigkeit von Beckenverletzungen war mit 22% bei Kindern und 28% bei den Erwachsenen ähnlich. Deutlich geringer stellte sich mit 13% der oberen und mit 17% der unteren Extremität die Inzidenz der Extremitätenverletzungen bei Kindern da. Im Gegensatz hierzu konnten in der Erwachsenengruppe Verletzungshäufigkeiten von 43% der oberen und von 33% der unteren Extremitäten als Traumfolge evaluiert werden.

Schlussfolgerung: Da besonders durch das verhältnismäßig hohe Risiko von schweren Kopfverletzungen die Letalität bei Kindern deutlich erhöht ist, ist nach unserer Meinung eine routinemäßige CT-Untersuchung dann indiziert, wenn polytraumatisierte Kinder und Heranwachsende den Schockraum intubiert erreichen. In allen anderen Fällen soll die Indikationsstellung aufgrund der hohen Strahlenbelastung streng und abhängig von klinischen Zeichen wie z.B. Eintrübung des Bewusstseins erfolgen.