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Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie
70. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie
92. Tagung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie und
47. Tagung des Berufsverbandes der Fachärzte für Orthopädie

02. - 06.10.2006, Berlin

Der Einfluss herzchirurgischer Operationen im Kindesalter auf die Entwicklung spinaler Deformitäten

Meeting Abstract

  • T.L. Schulte - Allgemeine Orthopädie, Universitätsklinikum Münster, Münster, Germany
  • V. Oberhoff - Allgemeine Orthopädie, Universitätsklinikum Münster, Münster, Germany
  • V. Bullmann - Allgemeine Orthopädie, Universitätsklinikum Münster, Münster, Germany
  • L. Hackenberg - Allgemeine Orthopädie, Universitätsklinikum Münster, Münster, Germany
  • A. Hoffmeier - Klinik für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie, Universitätsklinikum Münster, Münster, Germany
  • U. Liljenqvist - Allgemeine Orthopädie, Universitätsklinikum Münster, Münster, Germany

Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie. 70. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie, 92. Tagung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie und 47. Tagung des Berufsverbandes der Fachärzte für Orthopädie. Berlin, 02.-06.10.2006. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2006. DocP.2.7-1677

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgu2006/06dgu0358.shtml

Veröffentlicht: 28. September 2006

© 2006 Schulte et al.
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Gliederung

Text

Fragestellung: Herzchirurgische Operationen im Kindesalter werden verdächtigt, das Risiko der Entwicklung einer Wirbelsäulendeformität im Sinne einer thorakalen Skoliose oder Hyperkyphose während des weiteren Wachstums zu erhöhen. Ziel der vorliegenden Studie war es, die Inzidenz spinaler Deformitäten bei Patienten nach herzchirurgischen Operationen zu bestimmen.

Methodik: Zwischen 1982 und 1998 wurden 1865 Kinder im Alter unter 12 Jahren in der Klinik für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie einer Herzoperation bei kongenitaler Herzerkrankung unterzogen. Patienten mit einem Follow-up von mindestens 6 Jahren wurden in diese retrospektive Studie (EBM-Level IV) involviert. Patienten mit kongenitaler Skoliose oder Syndromerkrankung wurden ausgeschlossen. Anhand der zur Verfügung stehenden Thorax-Röntgenbilder wurde der thorakale Cobb-Winkel vor OP und zum Zeitpunkt des Follow-up bestimmt. Die thorakale Kyphose (Stagnara-Winkel) wurde zum Zeitpunkt des Follow-up bestimmt, präoperative seitliche Thoraxbilder lagen routinemäßig nicht vor. Die Ergebnisse wurden mit dem operativen Zugangsweg korreliert.

Ergebnisse: 359 Patienten wurden in die Studie eingeschlossen. Der mittlere Cobb-Winkel betrug 5,8° bei einem Follow-up von durchschnittlich 11 Jahren. Bei 331 Patienten lagen präoperative Röntgenbilder vor, die durchschnittlich einen Cobb-Winkel von 0,2° zeigten. 106 Patienten hatten sich während des Follow-up multiplen herzchirurgischen Operationen unterzogen, 253 Patienten hatten einen einzigen herzchirurgischen Eingriff. 223 Patienten waren über eine Sternotomie operiert worden, 91 über eine laterale Thorakotomie und 45 über einen kombinierten Zugang. 62 Patienten (17%) zeigten einen Cobb-Winkel von mindestens 10°, durchschnittlich 25,6°. Bei 46 Patienten davon lagen präoperative Röntgenbilder vor, die im Mittel einen Cobb-Winkel von 0,8° zeigten. 23 Patienten dieser Untergruppe hatten sich multiplen Herzoperationen unterzogen. 33 Patienten hatten eine Sternotomie, 17 eine laterale Thorakotomie und 12 einen kombinierten Zugang. Bei insgesamt 151 Patienten lagen zum Zeitpunkt des Follow-up seitliche Röntgenbilder vor, die eine mittlere Kyphose von 28° zeigten. 10 Patienten (6,6%) zeigten eine Hyperkyphose von mehr als 45°. Bei insgesamt 5 Patienten fand sich ein Cobb-Winkel von mindestens 10° und zusätzlich eine Hyperkyphose von mehr als 45°. Die statistische Auswertung zeigte keinen signifikanten Unterschied zwischen Patienten mit Sternotomie, lateraler Thorakotomie und einem kombinierten Zugang bzgl. Cobb-Winkel und thorakaler Kyphose. Es fand sich kein signifikanter Einfluß der Häufigkeit herzchirurgischer Eingriffe.

Schlussfolgerung: Jeder herzchirurgische Eingriff im Kindesalter unabhängig von der Art des operativen Zugangsweges und der Anzahl der Re-Operationen erhöht das Risiko, im weiteren Verlauf eine thorakale Skoliose zu entwickeln. Die Inzidenz einer thorakalen Hyperkyphose erhöht sich nicht wesentlich im Vergleich zur Literatur.