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Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie
70. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie
92. Tagung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie und
47. Tagung des Berufsverbandes der Fachärzte für Orthopädie

02. - 06.10.2006, Berlin

Die Quantifizierung freier neutrophilen-DNA im Blut von Polytrauma-Patienten. Ein möglicher prädiktiver Test bei Sirs und Sepsis

Meeting Abstract

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  • M. Scholz - Klinik für Unfall- und Handchirurgie, Universitätsklinikum, Heinrich-Heine-Universität, Düsseldorf, Germany
  • S. Margraf - Forschung und Entwicklung, LEUKOCARE AG, Frankfurt am Main, Germany
  • N. Roes - Klinik für Unfall- und Handchirurgie, Universitätsklinikum, Heinrich-Heine-Universität, Düsseldorf, Germany
  • J. Windolf - Klinik für Unfall- und Handchirurgie, Universitätsklinikum, Heinrich-Heine-Universität, Düsseldorf, Germany

Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie. 70. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie, 92. Tagung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie und 47. Tagung des Berufsverbandes der Fachärzte für Orthopädie. Berlin, 02.-06.10.2006. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2006. DocE.6.1-1365

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgu2006/06dgu0139.shtml

Veröffentlicht: 28. September 2006

© 2006 Scholz et al.
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Gliederung

Text

Fragestellung: Nach einem Polytrauma kommt es häufig zu einer Hyperaktivierung neutrophiler Granulozyten und damit zu pathophysiologischen Folgeerscheinungen, wie etwa dem capillary leakage syndrome, hämodynamischen Störungen und Sepsis. Die Voraussage von durch Neutrophilen vermittelte Schädigungen ist derzeit nicht möglich. Da kürzlich gezeigt werden konnte, dass aktivierte Neutrophile extrazelluläre DNA-Netze bilden (Science 2004, 303:1532-5), ist es unser Ziel, einen Diagnostik-Schnelltest auf der Basis freier Neutrophilen-DNA im Blut zu entwickeln.

Methoden: Die Quantifizierung freier DNA erfolgte nach einem von uns entwickelten Verfahren mittels eines in die DNA interkalierenden Fluoreszenzfarbstoffes. Die Bestimmung der Sensitivität sowie Spezifität des Tests wurde mittels Eichkurven mit käuflicher DNA in Anwesenheit oder Abwesenheit von DNAse durchgeführt. Die Proben wurden in einem 96-Lochplatten Fluoreszenz-Photometer gemessen und computergestützt ausgewertet. Als Testproben wurden Vollblut, isolierte Neutrophile, isolierte Lymphozyten von freiwilligen Spendern (n=10) sowie von Patienten mit perioperativer Immunaktivierung (SIRS; n=10) verwendet. Alle Proben wurden jeweils unstimuliert und stimuliert (PMA, LPS) für den Test verwendet.

Ergebnisse: Die Sensitivität und Spezifität des Tests (Zellkulturmedium/gereinigte DNA in Zellkulturmedium) lagen bei 100%. In Gegenwart von 2-10 IU/100µl DNAse I waren die Fluoreszenzwerte unterhalb des cut off (0.5 ng). Die Stimulation des Vollblutes mit PMA oder LPS führte zu signifikant erhöhten Fluoreszenzwerten (110%-230%) gegenüber der Kontrolle. Isolierte Neutrophile zeigten vergleichbare Werte während die Werte von isolierten (stimulierten und unstimulierten) Lymphozyten unterhalb des cut offs lagen. Die Messung der Blutproben (Vollblut und Neutrophile, jedoch nicht Lymphozyten) von Patienten (n=10) mit perioperativer Immunaktivierung zeigte einen signifikanten Anstieg der Fluoreszenzwerte (320%-900%) im Vergleich zur präoperativen Kontrolle. Die Messung der freien DNA im Vollblut ist innerhalb von zwei Minuten möglich.

Schlussfolgerung: Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass freie DNA von hyperaktivierten Neutrophilen im Vollblut ein wertvoller prädiktiver Marker bei der Entstehung von SIRS sein könnte. Die Messungen erfolgen derzeit prospektiv bei polytraumatisierten Patienten und werden bis zur Jahrestagung der DGU abschließend vorliegen. Auf der Basis dieser Ergebnisse soll ein Schnelltest zur prädiktiven Abschätzung pathophysiologischer Folgeerscheinungen durch hyperaktive Neutrophile entwickelt werden.